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Der
Mensch ist sein eigener Herr. Zu einer glücklichen Entwicklung der Gesellschaft
braucht es weder Gott noch Gebete, es genügen vernünftige Gesetze. - Die neue
Zeit entsteht in den Köpfen. "Ich denke, also bin ich" schreibt René Descartes
und gibt dem europäischen Geist eine neue Strömungsrichtung. Das Universum erscheint
jetzt als ein mechanisches Uhrwerk. Wer seine Gesetze versteht, kann es beherrschen.
Gott ist darin nur noch eine unbeweisbare Annahme, die Kirche allenfalls eine
moralische Anstalt zur sittlichen Erziehung der Bürger. Glaubenskriege, Inquisition
und Aberglaube werden vor der Sonne der Vernunft wie alter Schnee vergehen.
Die neuen Ideen dringen bis in die höchsten Kreise des Adels vor. In Preußen
und Österreich kommen aufgeklärte Regenten an die Macht. Sie werben für Bildung
und Toleranz und drängen den Einfluß der Kirche zurück. Im Staat Friedrichs
des Großen soll jeder "nach seiner Fasson selig werden." - 1789 hebt der unterdrückte
Dritte Stand sein Haupt. In einem Jahrzehnt fegt die Französische Revolution
die Reste des Mittelalters beiseite. Unter heftigen Wehen wird der moderne Nationalstaat
geboren. Die Kirche war Stütze des alten Regimes und sitzt nun mit diesem auf
der Anklagebank. Die Priester sollen einen Eid auf die Verfassung leisten. Wer
sich weigert, stirbt unter der Guillotine. Die Volksheere Napoleons exportieren
die neuen Ideen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. 1804 "zitiert" der
Korse den Papst nach Paris, um sich vor dessen Augen selbst zum Kaiser zu krönen,
eine Gebärde, die den alten Anspruch der Päpste verhöhnt. 1803 werden fast alle
geistlichen Fürstentümer abgeschafft und Kirchengut im großen Stil enteignet.
- Der Wiener Kongreß versucht, die Zeit zurückzudrehen. Auf den Barrikaden von
1848 stehen - vereinzelt - auch Christen und kämpfen für Pressefreiheit, Menschenrechte
und Demokratie. |