2000 Jahre Christentum

 

Folge 3

28. November 1999

Getrennte Wege

Neue Heimat für wandernde Völker

 

Buch: Dieter Gürtler

Regie: Marvin Entholt

Redaktion: Uwe Michelsen

 

2. Fassung

geändert nach den Anmerkungen der Redaktion

 

Themenübersicht

 

1. Der Germanensturm und die Rolle der Kirche

2. Römisch-Byzantinische Kontroversen

3. Die große Spaltung

4. Der Islam

5. Das Mönchtum

6. Die Missionierung Germaniens - die Franken

7. Der Kirchenstaat

8. Karl der Große - die Karolingische Renaissance

 

 

Trailer und Serientitel

 

Prolog

 

Die Germanen erobern Rom. 410 sind es die Westgoten, 455 die Vandalen.

Nach jeweils nur kurzer Belagerungszeit gelingt es den Angreifern, das schwache römische Heer zu besiegen und in die Stadt einzudringen.

35"

Inszenierung: Eine Stadtmauer von Fackeln erhellt. Hinter den Zinnen versteckt, römische Soldaten und Bürger. Schnelle Montage: Details von schwerbewaffneten, germanischen Kriegern. Ein Rammbock stößt das geschlossene Stadttor auf. Details von schwerbewaffneten Germanen, die durch das Tor in die Stadt stürmen

Die germanischen Heerführer geben das "Caput mundi", das Haupt der Welt, zur Plünderung frei. Während auf Befehl des westgotischen Königs Alarich wenigstens die Kirchen verschont bleiben, nehmen die Vandalen keinerlei Rücksicht. Die Plünderungen eskalieren: es kommt zu Mord, Totschlag, Folter und Vergewaltigungen. Die Beute ist gewaltig.

25"

Inszenierung: Im Schein ihrer Fackeln schleppen die germanischen Soldaten Gold- und Silberschmuck weg. Montage von Details: Römische Bürger und Bürgerinnen rennen, vor Angst schreiend, durch die nächtlichen Straßen, verfolgt von den Germanen. Montage von Details: Die Germanen beladen einen Ochsenkarren mit Gold und Silber.

Folgentitel "Getrennte Wege"

1. Der Germanensturm und die Rolle der Kirche

 

Die Eroberungen und Plünderungen der ewigen Stadt machen auf die damalige Welt einen ungeheueren Eindruck. Das antike, römisch-katholische Imperium ist in seinen Grundfesten erschüttert. Man ist davon überzeugt, daß mit Rom auch die gesamte abendländische Kultur untergegangen ist.

Ein Weltreich wurde zum Spielball relativ kleiner, germanischer Stammeseinheiten. In die Geschichte ist die Epoche als "Völkerwanderung" eingegangen. Wie konnte es dazu kommen, daß sich nun das Gesicht Europas von Grund auf verändert?

45"

Montage vom heutigen Rom: antike, römische Bauwerke - Engelsburg und Tiberbrücke, antike Skulpturen im Hof des Konservatorenpalastes, die Ruinen des Forum Romanum, der Titusbogen, die Ruinen des Palatin Tempel, das Kolosseum, der Triumphbogen des Kaisers Konstantin. Fotografierende Touristen.

Ursprünglich siedeln die germanischen Völker in Nord- und Osteuropa: Die Goten am Dnjepr und am Schwarzen Meer, die Burgunder und Vandalen an Bug und Weichsel, die Langobarden zwischen Elbe und Oder.

15"

Dreidimensionale Karte Europas und Asiens, die zeigt, wo die Germanen ursprünglich siedelten. Die Gebiete der einzelnen Völker werden bei ihrer Nennung im Text jeweils unterschiedlich eingefärbt.

Bewegung in die germanischen Völker kommt erst, als die Hunnen sie bedrohen. Den Expansionsdrang des zentralasiatischen Reitervolks nach Osten können die chinesischen Han-Kaiser stoppen. Sie lassen die große Mauer bauen.

20"

Animation: Auf der Karte beginnt an der chinesischen Grenze ein Feuer zu brennen. Die Kamera geht tiefer. Auf einer Bergkette ist nun die Chinesische Mauer erkennbar. (Klammermaterial der Chinesischen Mauer)

Der Weg nach Westen jedoch ist offen. Auf ihn konzentrieren die Hunnen ihre Stoßrichtung und schieben die christlich-germanischen Stammesgruppen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer vor sich her bis zu den Grenzen des Römischen Imperiums.

20"

Animation: Die Karte wie oben. Das Feuer auf der Karte bewegt sich schnell westwärts.

Darüber Klammermaterial: Montage aus Detailaufnahmen: jagende mongolische Reiter, galoppierende Hufe, Pferdeköpfe, mongolische Gesichter, die Münder ekstatisch aufgerissen. Nebel kommt auf und verschluckt die Montage.

Bereits hundert Jahre früher hatten sich die Goten und Vandalen zum Christentum bekehrt. Aber es sind Arianer, die Gott-Vater und Gott-Sohn nicht als Wesensgleichheit sehen, sondern in Christus einen Menschen, der Gott ähnlich ist. Wulfila, der westgotische Bischof hatte sie zu diesem Glauben bekehrt. Als 381 auf dem Konzil von Konstantinopel die römische Reichskirche die Wesens-Gleichheit Christi endgültig zum Dogma erklärt hatte, waren die Germanen ihrem alten Bekenntnis treu geblieben und gelten seit daher als Häretiker.

Ihr einigendes Band ist Wulfilas Bibelübersetzung, deren westgotische Gestalt man nicht mehr verändert.

50"

Montage: aus dem Nebel kommen achäologische Fundstücke der Goten und Vandalen mit christlichen Symbolen.

Inszenierung: Wulfila schreibt seine Bibel. Montage der Wulfilabibel.

Als die Germanen an die Grenzen des römischen Imperiums kommen, werden sie dort angesiedelt und sogar als römische Grenzschutztruppen unter Vertrag genommen. Ihre Heerführer werden römische Offiziere.

20"

Aus dem Nebel taucht ein dunkler Wald auf. Kamera fährt durch das Unterholz des Waldes.

Auf einer Waldlichtung die Saalburg: das originalgetreu nachgebaute Römerkastell bei Bad Homburg im Taunus. Auch das Kastell ist nebelverhangen. Kamera fährt auf das Kastell zu und durch das Tor in den Innenhof. An den Wänden brennende, qualmende Pechfackeln, die kaum die Nebelschwaden durchdringen. Montage aus Detailaufnahmen des Kastells im Nebel.

Doch die Germanen wollen mehr als nur karges, unfruchtbares Ackerland an der Peripherie des reichen Imperiums. Sie verlassen die ihnen angewiesenen Siedlungsgebiete und ziehen, zum Teil durch Byzanz animiert, Richtung Italien.

20"

Ein Hochmoor in der Rhön an einem sehr frühen Herbstmorgen. Auch hier liegt Nebel. Montage aus Detailaufnahmen: schwarze Sumpflöcher, kahle Äste, die aus dem Nebel ragen, Farne, Moose.

Inszenierung: Im dichten Nebel nur schemenhaft erkennbar, ziehen Gestalten in germanischer Tracht durch den Sumpf. Füße in germanischen Schnürschuhen waten durch ein Sumpfloch, das Blasen aufwirft. Wieder verschluckt der Nebel die Szenerie.

Niemand kann sie aufhalten. Rom fehlen die dazu nötigen Elitetruppen. 60% des jährlichen Steueraufkommens wären nötig, um ein Heer von dreißigtausend Elitesoldaten zu unterhalten. In Byzanz braucht man nicht einmal 5% dafür.

25"

Der Nebel reißt auf. Durchblende: aktuelle Szenerie. Im Licht der aufgehenden Sonne sieht man die unter Kaiser Aurelian angelegte römische Stadtmauer mit ihren Wachtürmen. Kamera fährt Mauer und Wachtürme ab. Die Kamera ist dicht über dem Boden und filmt schräg nach oben, so daß die Monumentalität der Befestigungsanlage noch unterstrichen wird.

Rom muß die Steuern erhöhen und es kommt zu einer ruinösen Überbelastung ganzer Bevölkerungsschichten. In den Städten aber verfallen die gewachsenen Formen des Lebens. Die Kaufkraft sinkt, die Straßennetze verkommen, die öffentliche Sicherheit kann nicht mehr aufrechterhalten werden.

25"

Montage: Stimmungsbilder eines abgeräumten Wochenmarkts. Zerquetschte Tomaten und Kohlköpfe, verfaultes Obst, Fischköpfe und Fischschwänze, Tierknochen, dazwischen zerrissene römische Sandalen, Stoffetzen, Tonscherben.

Inszenierung: eine abgerissene alte Frau in der römischen Kleidung des Plebs stochert apathisch in diesem Müll.

In dieser Zeit des Verfalls verfügen nur noch der Papst und seine Bischöfe über eine funktionierende Verwaltung. Man überträgt den kirchlichen Würdenträgern praktisch die politische Macht über die Stadt Rom.

20"

Kamera fährt die imposanten Ruinen des Trajansforums ab. Montage in den Ruinen: ein vom Sand halb verschüttetes Fresco. Münzen, Gebrauchsgegenstände, die aus dem Sand ragen, Römische Akten, Steuerbescheide, Briefe, die über das Areal verstreut sind und nun vom Wind über den Sand geweht werden.

So werden die Päpste de facto weltliche Gouverneure des weströmischen Imperiums, die auch den Oberbefehl über die Armee haben.

10"

Blick auf den Tiber, die Engelsbrücke und die Engelsburg.

Im Jahre 451 kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung. Raffaels Gemälde im Vatikan hält diese Szene von welthistorischer Bedeutung fest: Papst Leo I trifft den am meisten gefürchteten Mann jener Zeit, den Hunnenkönig Attila. Sein gewaltiges Reiterheer hat jeden Widerstand von Asien bis Europa hinweggefegt. Jetzt ist er auf dem Weg, die ewige Stadt zu erobern.

Die Hoffnungen der Menschen richten sich in diesem Augenblick auf den Nachfolger Petri. Er zieht Attila entgegen, ohne Heer, ohne militärischen Schutz und wird von dem Hunnenkönig mit allen Ehren empfangen. Das Unglaubliche geschieht. Es gelingt dem Papst, den Hunnenkönig zur Umkehr zu bewegen. Worüber mögen die beiden so unterschiedlichen Männer gesprochen haben? Hat Attila vielleicht Respekt vor dem Christengott, dem er auf seinen Raubzügen durch Europa begegnet ist? Ist er vielleicht dabei, sich in einen Christen zu verwandeln? Monatelang hat man ihn jedenfalls in Begleitung eines französischen Bischofs gesehen. Der Hunnenkönig verläßt Italien.

70"

Stanzen des Raffael: Das Gemälde, das die Begegnung von Papst Leo I und dem Hunnenkönig Attila zeigt.

Durchblende in eine Inszenierung: Der Innenraum eines mongolischen Zeltes im Dämmerlicht. Papst und Attila sitzen auf Teppichen einander gegenüber und unterhalten sich.

 

2. Römisch-byzantinische Kontroversen

 

Aber andere, germanische Heerführer folgen ihm. Sie sind es, die das Gesicht der antiken Welt völlig verändern. Als sie in der Mitte des ersten Jahrtausends in Italien einfallen, ist das Römische Imperium längst zweigeteilt. Die ewige Stadt Rom ist nicht mehr das politische Zentrum der Macht.

35"

Hubschrauberflug über Ostia antica mit dem Strand und seinen römischen Ruinen, Hubschrauberflug über Rom auf den Petersdom zu.

Die neue, blühende Metropole des römischen Reichs ist Byzanz. Hier residieren seit Kaiser Konstantin die oströmischen Imperatoren und sichern mit harten Gesetzen ihre Macht.

20"

Totale: Konstantinopel. Montage oströmischer Prachtbauten: Hagia Sophia, das Chora-Kloster, die Reste des Hippodroms, die Irenenkirche, die Pammakaristos-Klosterkirche, die Sergios- und Bakchos-Kirche, die Porta Aurea, das Valens-Aquädukt.

Hier kann sich auch die Kirche zur staatstragenden Institution entwickeln, die aber immer abhängig bleibt von der Machtpolitik der Kaiser.

15"

Montage: die christlichen Symbole in der Hagia Sophia. (z. B. die Empore mit dem Deesis-Mosaik und das Kaisermosaik.)

Hier in Byzanz lehnen sich erstmals auch kritische Theologen gegen die Politik des Staates auf und geißeln die soziale Ungerechtigkeit des Systems, das Reiche noch reicher und Arme noch ärmer macht.

13"

Montage von byzantinischen Symbolen, die sowohl kaiserliche, als auch religiöse Macht symbolisieren. (z. B. At Meydam/Hyppodrom, die Reliefs auf dem Sockel des ägyptischen Obelisken, und die byzantinischen Figuralkapitelle im Chora-Kloster)

Johannes Chrysostomos ist einer dieser kritischen Theologen. In seinem Matthäuskommentar schreibt er in der 61. Homilie:

8"

Inszenierung: Johannes Chrysostomos steht an einem Schreibpult und schreibt einen Brief. Groß die schreibende Hand mit der Feder.

"Wenn man untersucht, wie die Grundbesitzer mit den armen Landleuten verfahren, kommt man zu der Überzeugung, daß sie unmenschlicher sind als Barbaren. Den Leuten, die ein Leben lang hungern und sich quälen müssen, legen sie unerschwingliche Abgaben auf. Von ihren Arbeiten, von ihrem Schweiß füllt man Speicher und Keller, heimst die ganze Ernte in die eigenen Truhen und wirft jenen ein Spottgeld als Lohn dafür hin."

25"

Durchblende Inszenierung: ärmlich gekleidete Menschen arbeiten auf großen Felder. Ein Reiter kommt und schlägt einen der Arbeiter mit der Peitsche.

Die Kaiser kümmern sich nicht um derartige Kritiken und führen weiterhin selbstherrlich Staat und Kirche; zum eigenen Vorteil und zur Stärkung ihrer Macht.

10"

Montage von den Prachtbauten Konstantinopels wird weitergeführt.

Im Bereich der Kirchenführung sind ihnen die Obermetropoliten von Konstantinopel, Antiochia, Jerusalem, Alexandria und Rom beigestellt, aber ohne die Kaiser kann keine Synode einberufen, ohne die Kaiser kann kein kirchlicher Beschluß verkündet werden. Staats- und Kirchenführung liegen in einer Hand.

20"

Animation: Kamera zoomt von einem der Prachtbauten in eine große Totale. Konstantinopel ist nun auf einer dreidimensionalen Landkarte des Mittelmeerraums, auf der die Städte der Obermetropoliten erkennbar sind. Kamera fährt die Städte der Obermetropoliten ab

Aber der römische Bischof ist nicht gewillt, sich dem Kaiser zu beugen. Denn er kann auf eine Tradition verweisen, die ihn unter allen anderen Bischöfen auszeichnet: nur er ist der Nachfolger Petri.

15"

Die Kamerafahrt kommt auf der Karte über Rom zum Stehen, zoomt in die Stadt (Modell aus dem "Museum der römischen Kultur" in Rom.) und fährt durch die Straßen des Modells auf die alte Peterskirche zu. Kamera kommt vor einem großen, geschlossenen Kirchenportal zum Stehen.

"papa Petrus ipse", der Papst ist Petrus selbst. Das Selbstverständnis der Päpste gründet sich auf einen Satz aus dem neuen Testament. Dort heißt es im Matthäusevangelium: "Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen."

20"

Inszenierung: Die bronzenen Kirchentüren öffnen sich langsam. Kamera fährt zwischen einem Spalier von Kerzen durch einen ansonsten dunklen Raum auf Papst Leo I zu, der auf einem Thron sitzt. Der Papst hält eine reich geschmückte Bibel in der Hand. Er schlägt das Buch auf. Es ist eine Seite aus dem Matthäusevangelium. Kamera fährt das Originalzitat ab.

"Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben und was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein".

15"

Das Apsismosaik von Santa Pudenziana (4. Jh.) in Rom. Montage von Bilddetails.

Die Schlüssel des Himmelreiches werden zur Schlüsselgewalt in der Kirche, die der Bischof von Rom für sich beansprucht. Der selbstbewußte Papst Leo I versteht darunter selbstverständlich auch die Hoheit in der Rechtsprechung, sowie das oberste Lehramt. Dem oströmischen Kaiser wird lediglich zugestanden, die Kirche zu schützen.

20"

Das frühchristliche Mosaik am Triumphbogen in Santa Maria Maggiore, Rom. Montage von Bilddetails.

Die Christen des Westens erkennen diese Vormachtbestrebungen des Heiligen Stuhls an und werden mehr und mehr eine kirchenpolitische Einheit.

20"

Montage eines Hochamtes im Petersdom.

 

 

3. Die große Spaltung

 

Unterstützung bekommen die Päpste auch von Theoderich, dem Ostgotenkönig aus Ravenna, der von dort aus inzwischen über ganz Italien herrscht. Die Germanen konnten zwar die Kaiserherrschaft im Westen zerstören, nicht aber den Charakter der "Romania mediterran". Die Goten saugen die römische Kultur auf, wie der Schwamm das Wasser. Und kaum hat sich Theoderich in Italien festgesetzt, umgibt er sich mit römischen Rhetoren, Juristen, Poeten und Architekten. Er ist zwar arianischer Christ, ein Ketzer, aber sehr liberal gegenüber der römisch-katholischen Kirche. Um Byzanz politisch zu schwächen, fördert er die Vormachtbestrebungen des Heiligen Stuhls.

40"

Montage: Theoderichmausoleum in Ravenna. (außen und innen), Palast des Theoderich (außen und innen), Letzte Einstellung: Ein Fußbodenmosaik.

Diese neue Allianz stärkt das Selbstbewußtsein der Römischen Bischöfe gegenüber den Einmischungen der oströmischen Kaiser. So heißt es in einem Brief von Papst Symachus an Kaiser Anastasios:

"Vergleichen wir einmal die Ehre des Kaisers mit der Ehre des Bischofs. Der Abstand zwischen beiden ist daran zu messen, daß jenem die Sorge für irdische Dinge, diesem die für die himmlischen obliegt".

25"

Inszenierung: eine Bibliothek. In den Regalen viele Folianten. Ein Fenster geht hinaus in einen Garten. Papst Symmachus steht am Fenster und schaut hinaus in den Garten. An einem Stehpult ein Schreiber. Er ordnet Papiere. Symmachus beginnt dem Schreiber einen Brief zu diktieren.

Montage: der diktierende Symmachus, der zum Fenster hinausschaut, der Schreiber, das Schriftstück, das geschrieben wird.

"Ihr, oh Kaiser, empfangt vom Bischof die Taufe, aus seiner Hand nehmt Ihr das Abendmahl, Ihr bittet ihn um sein Gebet, fleht ihn an um Buße".

10"

Durchblende zu einer neuen Inszenierung: Der oströmische Kaiser empfängt von einem Bischof das Abendmahl.

"Ihr leitet als oberste Instanz die menschlichen Belange - er aber teilt Euch göttliche Gaben aus. So ist denn seine Ehre, um nicht zu sagen höher, so doch jedenfalls der Eurigen gleich."

13"

Die Inszenierung des diktierenden Symmachos wird fortgesetzt.

Im Gegensatz zum byzantinischen Verständnis der gemeinsamen Verantwortung für Staat und Kirche, der Symphonia, vertreten hier die Päpste zum ersten mal die Position der Gewaltenteilung, die in Rom während des ganzen Mittelalters lebendig bleiben wird und enormen Zündstoff bietet. Denn schon hier kündigt sich etwas an, das schließlich im Mittelalter Kaiser und Päpste in eine gewaltige Auseinandersetzung führen wird: daß nämlich der Verantwortliche für die Himmlischen Dinge letztlich dem Kaiser nicht nur gleichgestellt, sondern eigentlich sogar übergeordnet ist.

35"

Fortsetzung der vorhergehenden Inszenierung: Der Papst siegelt den Brief. Details in Großeinstellungen. Ein Bote nimmt den gesiegelten Brief entgegen und geht aus der Bibliothek.

Die Fronten zwischen den Päpsten und den oströmischen Kaisern verhärten sich immer mehr. Dabei geht es nicht nur um den Anspruch auf die Vormachtstellung, das Primat. Auch der Bilderstreit ist ein Beispiel für die unversöhnlichen Positionen.

Der Streit geht um die Legitimität bildlicher Darstellungen im Bereich der Kirche, die auf der Synode von Elvira verboten worden waren. Aber die Volksfrömmigkeit hatte sich nicht daran gehalten. Jetzt wenden sich kleinasiatische Bischöfe aus ihrer seelsorgerlichen Verantwortung heraus wieder gegen die Verehrung von Bildern in ihren Gemeinden.

35"

Durchblende: der Chor der Kirche "Sant Apollinare in classe" in Ravenna. Kamera schwenkt hoch zum Apsismosaik. Montage von Details.

Kaiser Leon III nimmt sich der Sache an und befiehlt, alle Bilder aus den Kirchen zu entfernen. Nur das schlichte Kreuz ist noch erlaubt.

12"

Inszenierung: Priester hängen Ikonen ab. Die kahlen, leeren Wände. Ein schlichtes Kruzifix wird an die Wand gehängt.

Die römischen Päpste wehren sich gegen dieses Bilderverbot. Papst Gregor II ist der Meinung, daß die Bilder in den Kirchen nicht für die Anbetung da sind, sondern für die Belehrung. In einen Brief an Kaiser Leon III bringt er das dann auch klar zum Ausdruck.

15"

Durchblende Inszenierung: Wir sind im Presbyterium. Auf dem Papstthron sitzt ein Papst. Um ihn herum seine Bischöfe. An einem Stehpult schreibt ein Diakon an einem Brief. Der Diakon nimmt den Brief und überreicht ihn dem Papst.

"Männer und Frauen bringen auf ihren Armen die kleinen, eben getauften Kinder herbei, junge Leute kommen oder Neubekehrte aus dem Heidentum: und alle zeigen mit den Fingern auf die Bilder der Heiligen Geschichte, erbauen sich daran und erheben Sinn und Herz empor zu Gott. Ihr aber habt dies alles dem schlichten Volk verboten. Statt dessen versucht ihr sein leeres Herz auszufüllen mit öden Predigten und unnützem Unterricht, mit Zitherspiel und Klapperschellen und Paukengedröhn."

30"

Montage: Gläubige in einer frühromanischen Kirche, die Bilder und Fresken bewundern.

Der Bilderstreit wird sich fortsetzen bis weit über die Reformation hinaus, denn schon immer wollten die Armen und Analphabeten ihre Biblia pauperum, ihre Bilderbibel, um die heiligen Geschichten nachvollziehen zu können. Der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Ein gewaltiges Werk, das bedeutendste und berühmteste seiner Art in der deutschen Kunst.

Wie riesige Bibelseiten sind Grünewalds dramatische Bilder aufgeschlagen und das Teilstück mit Mutter und Kind darf wohl als die poetischste Darstellung dieses Themas in der gesamten christlichen Kunst bezeichnet werden.

Daß dieses Kunstwerk zwischen 1510 und 1516 erschaffen werden konnte, liegt daran, daß sich damals die Päpste im Bilderstreit durchsetzen konnten.

Die byzantinischen Kaiser haben zu Beginn des Siebten Jahrhunderts sowieso ganz andere Sorgen, denn im Süden des großen Reiches braut sich ein Sturm zusammen, vor dem der Vordere Orient und bald auch Europa erzittern: der Siegeszug einer neuen Religion.

70"

Montage des Isenheimer Altars (Colmar, Unterlindenmuseum)

Die Menschwerdung Christi von der Geburt bis zur Auferstehung.

 

4. Der Islam

 

Allahu akbar - Allah ist groß. Dieser Ruf erscholl in den zwanziger Jahren des 7. Jahrhunderts zum ersten mal auf der arabischen Halbinsel. Vierundzwanzig Jahre später belagert ein muslimisches Heer Jerusalem. Es sind arabische Nomaden, die ein neuer Glaube eint: der Islam. Nie hat sich eine Religion schneller ausgebreitet als der Glaube Mohammeds.

35"

Die Silhouette Jerusalems. Felsendom und Minarette am frühen Abend. Der Ruf des Muezzins ist zu hören. Die beleuchteten Mauern der Jerusalemer Altstadt in der Abendstimmung.

An einem winterlichen Februartag des Jahres 638 reitet Kalif Omar auf einem weißen Kamel in Jerusalem ein, gefolgt von einer abgerissenen, aber disziplinierten Beduinenarmee.

15"

Montage: Ornamente in der Alhambra, Das Bild "Mohammedanische Reiter", aus der Bibliothèque Nationale, Paris, Details des Bildes.

Seit jener Zeit ist Jerusalem auch die heilige Stätte des Islam.

Über dem Ort, an dem der Tempel Salomos stand, erhebt sich heute der Felsendom, neben Mekka und Medina das dritte Heiligtum der islamischen Welt.

Wie konnte es zu dieser neuen Religion kommen? Was hatte sich in Arabien ereignet?

30"

Montage Felsendom außen und innen.

Unter dem starken Einfluß monotheistischer, christlicher Sekten hat im Jahr 610 der Kaufmann Muhammad ibn Abdalla auf dem Berg Hira bei Mekka sein religiöses Berufungserlebnis, das später in 114 Suren aufgezeichnet werden wird. Basis dieser Lehre ist ein strenger Monotheismus mit wenigen ethischen und rituellen Geboten.

30"

Montage: Stimmungsbilder aus einem arabischen Bazar. Durchblende: Seiten aus dem Koran.

Die neue Lehre hat große Auswirkungen auf die politischen und gesellschaftlichen Bereiche Arabiens und sehr schnell sind die Muslime, Muhammads wachsende Anhängerschar, auf dem Weg zu einem religiös fundierten Staatswesen.

25"

Montage: Eine Moschee. Männer gehen zum Gebet in die Moschee. Durchblende: die Moschee innen. Die Männer beten.

Dann wird der "heilige Krieg" ausgerufen. Er ist die treibende Kraft für das immer mächtiger werdende, arabische Großreich, das bereits hundert Jahre später Spanien und Turkestan erobert und zum größten Territorialreich der Weltgeschichte wird.

20"

Sanddünen in der arabischen Wüste. Wind wirbelt den Sand auf. Eine Beduinengruppe reitet auf Kamelen durch die Dünen. Montage von Details der Reitergruppe.

Unter der galoppierenden Reitergruppe wird eine Karte eingeblendet, die die Ausdehnung des arabischen Großreichs zeigt.

Der aufgewirbelte Sand wird so stark, daß nichts mehr zu erkennen ist.

"Ich habe eine Stadt erobert, mit deren Beschreibung ich gar nicht erst beginnen will. Es genüge zu berichten, daß ich darin 4000 Villen mit 4000 Bädern vorgefunden habe, dazu 40.000 steuerzahlende Juden und 400 eines Königs würdige Vergnügungsstätten."

20"

Über der aufgewirbelten Sandfläche: die Deckenmalerei "Damen und Ritter" im Saal der Könige, Alhambra, Granada. Montage: Details der Deckenmalerei. Aufgewirbelter Sand verdeckt die Montage, so daß nichts mehr zu erkennen ist.

Die Araber haben Alexandria erobert. Erstmals stehen die beduinischen Reiterscharen vor einer hochentwickelten alten Zivilisation.

15"

Über dem aufgewirbelten Sand die Deckenmalerei "Mitglieder der Nasriden-Dynastie, Saal der Könige, Alhambra, Granada. Schnelle Montage: Details der Deckenmalerei.

Die monotheistischen, christlichen Sekten und die jüdische Seite sind über die arabische Besetzung der Stadt so unglücklich nicht. In vielen Fällen gibt es sogar direkte Begünstigungen oder offenen Verrat. Im Gegensatz zu Byzanz sind die islamischen Herren tolerant. Eine Bekehrung der Untertanen wird mit Ausnahme der Heiden nicht angestrebt. Gegen die Zahlung einer Kopfsteuer wird Christen und Juden als "al-kitab", als Völker des Buches" das Recht auf freies Eigentum zugestanden, das Recht auf freie wirtschaftliche Entwicklung und das Recht auf freie Religionsausübung.

40"

Die Synagoge von Toledo. Montage außen und Deckenkonstruktion innen. Montage Paradieskreuzgang, Amalfi, die Cubula, Palermo außen und innen, die Capella Palatina, außen und innen.

Und weil die Araber dem Christentum einen eigenen Glauben entgegenzusetzen haben, der zudem bei der orientalischen Bevölkerung auf besondere Resonanz stößt, werden sie nicht wie die Germanen von der überlegenen Kultur des Gegners absorbiert, sondern assimilieren die Traditionsströme zu einer eigenen, großartigen Kultur, die man auch heute noch in Spanien bewundern kann.

30"

Montage Löwenhof, Alhambra, Granada.

Als dann die Araber über die Pyrenäen ziehen, ins fränkische Reich einfallen und es bedrohen, werden sie von Karl Martell aufgehalten. In der Schlacht bei Tours und Poitiers besiegt 732 der fränkische Hausmeier die Araber und geht damit in die Weltgeschichte ein: es ist ihm gelungen, den Expansionsdrang des Islam zu brechen.

25"

Landschaftsbilder der Pyrenäen, Das Schlachtfeld von Tours und Poitiers heute, archäologische Funde.

 

 

5. Das Mönchtum

 

Unberührt von den Stürmen der Zeit entwickelt sich christliches Leben und Spiritualität vor allem in den Klöstern. Sie sind in dieser Epoche die eigentlichen Träger der christlichen Kultur.

40"

Das Klosters St-Guilhelm-le-Désert im fahlen Licht eines sehr frühen Morgens. Kamera schwenkt das Klostergelände ab und zoomt langsam auf den Kirchturm. Die kleine Kirchenglocke läutet. Ein Mönch, der im Turm den Glockenstrang zieht.

Es ist das Mönchtum, das demonstrativ vorlebt, was es heißt, in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein.

20"

Ein romanischer Kreuzgang: knarrend öffnet sich die schlichte, hölzerne Tür des Dormitoriums. In Zweierreihen kommen Mönche aus dem Dormitorium und gehen durch den Kreuzgang zur Kirche. Der Klostergarten im fahlen Licht des frühen Morgens. Die Pflanzen und Bäume im Garten haben noch keine Farbe angenommen.

Das Mönchtum ist im ausgehenden dritten Jahrhundert in Nordafrika und Kleinasien entstanden und entwickelte sich aus der Abkehr von der Herrschaftskultur der byzantinischen Kaiser und ihrer Beamtenschaft, der nun der Mönch als Mensch der Askese, der Armut und Bruderliebe gegenübersteht. Innerhalb relativ kurzer Zeit wird der Einfluß der Orden und Klöster auf die Gesellschaftsstruktur des frühen Mittelalters so stark, daß die gesamte Kulturgeschichte des Abendlandes und der Ostkirche ohne das Mönchtum nicht denkbar ist.

35"

Die Mönche kommen durch das Hauptportal in die Kirche. Die Kamera ist in der Vierung der Kirche sehr tief postiert und nimmt von unten nach schräg oben auf. Die Mönche gehen in einer Zweierreihe singend durch das Hauptschiff, dann links und rechts an der Kamera vorbei.

Die Klöster blühen anfangs im Verborgenen, in entlegenen Gegenden, abseits der großen Heerstraßen. Von Plünderungen geschützt wie hier in Irland, am Rand der damals bekannten Welt. Keltische Christen haben sich auf der Insel angesiedelt, nachdem sie von den noch heidnischen, germanischen Stämmen der Angeln, Sachsen und Jüten aus England vertrieben worden waren.

30"

Eine Hubschrauberaufnahme dicht über dem Meer. Kamera schwenkt hoch und erfaßt die irische Küste. Montage: irische Landschaftsimpressionen unter wolkenverhangenem Himmel. Der Giant's Causeway an der Antrim Coast, die Westspitze von Donegal. Montage: das Kloster Clonmacnoise am Shannon.

Aus antiken Überlieferungen, christlichem Gedankengut und aus keltischen Wurzeln entwickelt sich nun eine eigenständige, christliche Kultur wie nirgendwo sonst im Abendland. Zentren der neuen, irisch-keltischen Kirche sind die Klöster, die in ganz Irland entstehen.

20"

Montage Klosterruinen auf der Insel Inishmore

Es entstehen lateinische Gedichte, durchwoben von keltischen Rythmen und Assonanzen.

20"

Montage Kloster Dysert O'Dea bei Ennis, das Kloster Kilmacduagh

Rezitation eines lateinisch-keltischen Gedichts.

darüber:

Die Manuskriptkunst erreicht eine erste Blüte von außerordentlicher Qualität. Das "Book of Kells" ist das berühmteste Beispiel dafür.

15"

Die berühmte CHI-RO-Seite des "Book of Kells" auf schwarzem Hintergrund. (Trinity College, Dublin) Montage von Details.

Vom den keltischen Mönchen in Irland gehen dann auch bedeutende missionarische Impulse aus.

15"

Irische Landschaftsimpressionen bei wolkenverhangenem Himmel: der Ben Bulben bei Sligo, die Cliffs of Moher bei Derreen, the Rock of Cashel bei Cahir.

Ausdruck ihrer missionarischen Askese ist die peregrinatio propter Christum, die Wanderschaft um Christi Willen. Man nennt sie das "grüne Martyrium", das an zweiter Stelle steht; nach dem "roten", dem Märtyrertod und vor dem "weißen Martyrium", dem entsagungsvollen Leben im Kloster selbst.

Die Vollkommenheit des Mönchs erweist sich darin, daß er sein Kloster verläßt.

30"

Montage: Impressionen des Klosters Monasterboice unter wolkenverhangenem Himmel.

Inszenierung: Drei irische Mönche wandern über den Friedhof, vorbei an keltischen Kreuzen. Die irische Küste: die drei Mönche steigen in ein Lederboot und fahren, die untergehende Sonne im Rücken, mit dem Boot über das Meer.

Und so wandern die Mönche aufs Festland, missionieren und gründen weit über 200 Klöster.

25"

Inszenierung wird fortgesetzt: Die drei Mönche landen mit ihrem Boot an der rauhen, nordbretonischen Küste. Sie wandern in der Dämmerung durch die Bretagne, vorbei an Menhiren und Steinkreisen. (Carnac)

In ihrem Reisegepäck haben sie auch die "libri poenitentiales", Bußbücher, in denen die Sünden und deren Sühnestrafen aufgezeichnet sind wie Fasten, Gebete, den Ausschluß aus der kirchlichen Gemeinschaft und andere Sühnemaßnahmen.

20"

Inszenierung wird fortgesetzt: Auf einer Anhöhe im Halbdunkel ein kleines Feuer. Im Schattenriß steht links einer der drei Mönche aus den vorhergehenden Szenen mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand, rechts kniet eine verhüllte Frauengestalt, die Hände gefaltet. Kamera fährt auf die beiden Gestalten zu. Groß: Die Hand des Mönchs blättert im Buch ("libri poenitentiales") und fährt dann langsam mit dem Zeigefinger die Zeilen des Buchs entlang. Das Feuer wirft flackernde Schatten auf die Buchseiten.

Die Bußen in diesen Büchern sind hart und die irischen Mönche streng. Dem Sünder kann vorgeschrieben werden, im Nassen, auf Brennesseln, oder sogar im Grab neben einer Leiche zu schlafen.

15"

Ein sumpfiges, verwildertes Ackerstück, überwuchert mit Brennesseln, im fahlen Schein des Mondes, dann ein verfallenes Grab mit einem schief stehenden, morschen Holzkreuz im gleichen Licht.

Nicht nur im äußersten Westen Europas, auch im Osten spielt das Mönchtum eine wichtige Rolle.

20"

Sonnenaufgang über dem Kloster Athos. Flugaufnahmen, die die Klosterkomplexe auf dem Berg zeigen.

Hier im Kloster Athos leben die Mönche noch heute nach dem eremitisch geprägten Ideal. Als Mystiker lehnen sie jede aufgezwungene Ordnung ab. "Symeon der neue Theologe" schreibt, Ziel sei das Sehen des inneren Lichts. Was zähle sei nur die Frömmigkeit im eigenen Lebensrhythmus. Weiter schreibt er:

30"

Emotionalisierende Bildmontage des Klosters Athos

"Schließ die Tür ab und erhebe deinen Geist über alles. Dann kontrolliere die Atemluft. Erforsche mit deinem Geist das Innere, um den Ort des Herzens zu finden, wo alle Kräfte der Seele beheimatet sind.

Wenn dein Geist den Ort des Herzens gefunden hat, versteht er, was er bisher nie erfahren hat. Er erblickt sich selbst ganz in Licht getaucht".

30"

Inszenierung: ein Mönch betet in seiner Zelle nach den Anweisungen von Simeon. Eine strahlende Sonne scheint durch das Zellenfenster des Mönchs.

Durchblende zu einem animierten "Meditationsclip", auf entsprechende Musik geschnitten: Die Sonnenstrahlen brechen auf in ihre Spektralfarben. Aus den dunklen Farben gestalten sich Situationen, die die Hektik unseres heutigen Lebens dokumentieren: z. B. Menschenmengen in einer Fußgängerzone, Autostaus, die Börse, eine Nachtclubszene, aggressive Reaktionen in der Fankurve eines Fußballstadions usw. Aus den hellen Spektralfarben gestalten sich Bilder, die die Ruhe unseres Lebens dokumentieren: z. B. lange, leere Sandstrände, das Meer, eine blühende Sommerwiese, ein Feld mit Sonnenblumen usw. Dazwischen immer wieder ein wogendes Kornfeld mit einem steinernen, barocken Kruzifix.

Rom sieht im unabhängigen Mönchtum wie es zum Teil im Osten und in Irland geführt wird, eine berechtigte Gefahr für Häresien. Um sie auszuschließen, soll allen Klöstern des Westens eine einheitliche Regel geben werden.

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Szene: das wogende Kornfeld mit dem Kruzifix aus der vorhergehenden Animation. In einer großen Totale wandern Mönche durch das Feld.

Im Kloster Monte Cassino schreibt Benedikt von Nursia 529 die geforderte, einheitliche Mönchsregel, die dann auch in kürzester Zeit von allen Klöstern in Europa übernommen wird.

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Durchblende: Flugaufnahme vom Kloster Monte Cassino

In 73 Kapiteln ordnet Benedikt alle Fragen des klösterlichen Gemeinschaftslebens, der Ämter und des Gottesdienstes.

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Mönche kommen mit brennenden Kerzen in der Hand, singend in die Kirche und stellen sich im Chor auf. Montage: die von Kerzen beleuchteten, asketischen Gesichter der Mönche.

Wichtig an der "regula benedicti" ist die Mischung aus dem "meditatio", dem spirituellen Leben der Mönche und einer weltzugewandten, lebenspraktischen Anforderung. "Ora et labora" bete und arbeite wird das Motto der benediktinischen Ordensregel. Denn neben der Spiritualität der Glaubensgemeinschaft benötigt das Kloster auch eine ökonomische Existenzgrundlage. Deshalb sind die Klöster oft auch gut funktionierende, landwirtschaftliche Betriebe. Gehorsam gegenüber dem Abt und gegenseitiger Respekt gehören ebenso zur Regel des Benedikt wie die "stabilitas loci" die Ortsbeständigkeit, die das bisher übliche Vagantentum untersagt und den Mönch verpflichtet, ein Leben lang in seinem Kloster zu bleiben.

50"

Montage: Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten. Sie beten und singen, sie kopieren Bücher, sie arbeiten im Garten und auf dem Feld, sie wandern schweigend und lesend durch den Kreuzgang.(usw)

 

 

6. Die Missionierung Germaniens - die Franken

 

Zu den Benediktinern, die sich in England niedergelassen haben, gehört auch ein angelsächsischer Mönch, der noch den heidnischen Namen Winfrith trägt. 718 ist er in Rom.

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Montage von Impressionen aus Südengland: die Kreidefelsen von Dover, das Castle von Dover, die romanische Kirche von Barfreston (das Portal), die Landschaft von Dartmoore, der Dom zu Canterbury (das romanische Taufbecken), Stonehenge.

Papst Gregor II gibt ihm den Heiligennamen "Bonifatius" und beauftragt ihn offiziell mit der Mission unter den Germanen. In seiner Ernennungsurkunde schreibt Papst Gregor: "Wir befehlen, daß du in der Gnade Gottes zu allen Völkern, die in dem Irrtum des Unglaubens gefangen sind, schleunigst dich aufmachst und den Dienst des Reiches Gottes durch die Verbreitung des Namens Christi überzeugend ausdehnst".

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Durchblende zu einer Inszenierung: Papst Gregor II sitzt vor einem Schreibpult und schreibt. Vor ihm kniet Bonifatius. Groß die Hand mit der Feder, die schreibt. Montage des Originalmanuskripts.

Der fränkische Hausmeier Karl Martell, der in der Schlacht bei Tours und Poitiers die Araber vernichtend geschlagen hat, stellt Bonifatius einen Schutzbrief aus und gibt dem Benediktiner damit auch den profanen Auftrag für seine Mission in den noch heidnischen Gebieten seines Reiches.

20"

Montage: der fränkische Schwertträger auf einem Grabstein aus Niederdollendorf bei Bonn, der Grabstein von Leutesdorf bei Neuwied, der durchbrochen gearbeitete Grabstein in Moselkern (Kreis Trier), der steinerne Germanenkopf aus Welschbillig (Kreis Trier).

Bonifatius missioniert unter Friesen, Thüringern und Hessen, in deren Land dann auch die spektakuläre Tat geschieht, die den Angelsachsen als Missionar berühmt macht und über die sein zeitgenössischer Biograph Willibald berichtet:

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Subjektive Kamera: Gang durch einen dichten Wald.

"Er unternahm es, eine ungeheuere Eiche, die mit ihrem heidnischen Namen "die Jupitereiche" genannt wurde, in einem Orte, der "Gäsmere" hieß, zu fällen. Die große Menge der anwesenden Heiden verwünschte ihn als einen Feind ihrer Götter. Als er jedoch nur ein wenig den Baum angehauen hatte, stürzte er mit gebrochener Krone zur Erde. Als dies die vorher fluchenden Heiden gesehen, wurden sie umgewandelt, priesen Gott und glaubten an ihn. Darauf erbaute Bonifatius aus dem Holzwerk dieses Baumes ein Bethaus und weihte es zu Ehren des heiligen Apostels Petrus".

35"

Inszenierung: eine große Eiche auf freiem Feld. Bonifatius geht auf die Eiche zu und beginnt sie zu fällen. Um ihn herum germanische Krieger, die ihn verfluchen. Als die Eiche fällt, knien die Germanen zu Boden und beginnen zu beten.

Bonifatius wird zum Bischof und später zum Erzbischof geweiht. Damit erhält er nun die weitergehende Befugnis, auf seinem Missionsfeld Bistümer zu gründen.

10"

Durchblende: Bonifatiusmünze. Bonifatius im Bischofsornat, das Bild "Bonifatius tauft einen Friesen", (Sakramentar aus Fulda).

Im Jahr 754 stirbt er als Märtyrer unter den Friesen und findet im Dom zu Fulda seine letzte Ruhestätte.

10"

Montage: Bild "Bonifatius wird von den Friesen getötet", Details des Bildes. (Staatsbibliothek Bamberg), der Sarkophag des Bonifatius.

Die Kathedrale von St. Denis in Paris. Hier sind nicht nur die französischen Könige begraben, sondern auch der Merowingerkönig Klodwig, der bereits Ende des 5. Jahrhunderts mit seinen Franken zum römisch katholischen Glauben übergetreten ist.

25"

Die Kathedrale von St. Denis außen. Steadycam-Gang durch das Hauptportal ins Innere. Steadycam-Gang vorbei an den Gräbern der französischen Könige. Montage: das Grab Clodwigs.

Montage: der Buchdeckel aus Elfenbein mit Darstellungen von Chlodwigs Taufe, (Musée de la Picardie, Amiens), die verschiedenen Motive des Buchdeckels.

Er kann sein Reich vom Atlantik bis weit über den Rhein und bis an die Pyrenäen ausdehnen. Doch je größer und mächtiger das Reich wird, desto schwächer werden die Meronwingerkönige. Der fränkische Adel wird politisch immer unabhängiger und entwickelt eine neue, herausgehobene Institution: das Amt des "maior domus", des Hausmeiers, das mit wachsender Macht die Karolinger in der Hand halten.

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Der Kopf Clodwigs, (Palais du Tau, Reims.) Der Kopf dreht sich über einer Landkarte, die die Ausdehnungen des Frankenreichs zeigt und unter dem Kopf eingeblendet wird.

Der mächtigste dieser Hausmeier ist der Karolinger Karl Martell, der auch in St. Denis begraben ist. Er regiert an Stelle des Königs und verwaltet den Staat. Unter seinem Oberbefehl siegt das fränkische Heer in ungezählten Schlachten und er läßt durch Bonifatius seine eroberten Gebiete nicht nur missionieren, sondern auch die gesamte Kirche im fränkischen Reich neu organisieren.

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Montage: das Grab Karl Martell in St. Denis, die Ausgrabungen der merowingischen Kirchenreste.

Durch die Siege in all den Kriegen und durch ihre Erfolge bei der Missionsarbeit, glauben die Nachfolger Karl Martells, nun auch Anspruch auf die fränkische Königskrone zu haben. Der Adel unterstützt sie darin. Und so stürzt Pippin III den Merowinger Childerich und macht sich selbst zum König.

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Durchblende: eine dreidimensionale Karte, die die Ausdehnung des fränkischen Reiches durch Karl Martell zeigt und die neuen Diözesen, die Bonifatius gegründet hat. Durchblende: die fränkische Königskrone, die sich vor dem schwarzen Hintergrund dreht.

Um jedoch nicht als Usurpator zu gelten, bemüht sich Pippin um eine Legitimation durch den Papst. Er bekommt sie sofort und wird in Soissons vom Erzbischof zum König gesalbt.

Warum hat der Papst den Sturz des Merowingers legalisiert? Pippin ist doch tatsächlich nicht mehr als ein Thronräuber.

25"

Inszenierung: ein Bischof salbt Pippin zum König

 

 

7. Der Kirchenstaat

 

Der Papst braucht dringend einen Verbündeten. Die Langobarden bedrohen das Gebiet des Heiligen Stuhls. Als sie 751 das byzantinische Exarchat Ravenna erobern, wird das römische Papsttum auf eine enge Mittelzone zusammengedrängt.

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Durchblende: Eine weite Ebene in Oberitalien.

Inszenierung: Langobardische Krieger jagen auf ihren Pferden über die Ebene und im vollem Galopp über die Kamera weg. Gras- und Erdschollen werden hochgewirbelt.

Papst Stephan II bittet den neuen Frankenkönig Pippin um Hilfe. Und obwohl sich der fränkische Adel mit den Langobarden in einer Kampfgemeinschaft eng verbunden fühlt, zieht Pippin gegen die ehemaligen Waffenbrüder im Abwehrkampf gegen den Islam und kann sie vernichtend schlagen. In den "Liber pontificalis" findet man dazu folgenden Vermerk:

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Inszenierung: vor schwarzem Hintergrund liegt Papst Stephan II im härenen Büßergewand auf der Erde, die Arme seitlich ausgestreckt, so daß er ein Kruzifix darstellt. Vor ihm sitzt auf einem erhöhten Stuhl Pippin in einem kostbar verzierten Gewand. Pippin steht auf, hilft Stephan auf die Beine und umarmt ihn.

"Aistulf, der König der Langobarden bat um Gnade und versprach, die eroberten Städte zurückzugeben. Von diesen Städten machte Pippin der Heiligen Römischen Kirche eine Schenkung. Das Ducat Rom und das Exarchat Ravenna sollten als "Patrimonium Petri" für alle Zeiten dem Heiligen Stuhl gehören".

Pippin nimmt den ehemaligen Verbündeten also Gebiete ab, um sie dem Papst zu schenken. Und diese Schenkung begründet den Kirchenstaat, das weltliche Herrschaftsgebiet der Päpste für lange Zeit.

40"

Dreidimensionale Karte, die die Gebiete zeigt, die den Kirchenstaat begründet hat. Kamera zoomt auf Ravenna. Durchblende: emotionalisierende Montage vom heutigen Ravenna: Fußgängerzonen, Bistros, Souvenirläden, Touristen vor den historischen Bauten.

Der Heilige Stuhl gibt sich mit der Pippinischen Schenkung nicht zufrieden. Wieder wirft der Papst die Frage des Primats auf. Diesmal will er seine Vorrechtstellung über die Gesamtkirche mit einem alten Dokument aus dem vierten Jahrhundert belegen, in dem bereits Kaiser Konstantin der Große dem Patriarchen des Westens Privilegien zuerkannt und sogar kaiserliche Rechte übertragen haben soll.

25"

Inszenierung: in einem nur von Kerzen erleuchteten Gewölbe versuchen einige Männer, aus neuen Pergamentrollen alte zu machen. Sie sengen die Pergamente mit Kerzen an und beschmieren sie mit Dreck,

"Mehr als Unser Kaisertum und Unser irdischer Thron soll der hochheilige Stuhl des heiligen Petrus erhöht werden. Daher beschließen und verordnen Wir, daß er die Oberherrschaft haben soll über die vier Hauptbischofssitze Antiochia, Alexandria, Konstantinopel und Jerusalem. Und der Papst soll erhabener sein und ein Fürst über alle Priester der ganzen Welt und nach seinem Urteil soll alles geregelt werden".

25"

Inszenierung wird fortgesetzt. einer der Männer beginnt, auf die präparierten Pergamentrollen zu schreiben.

Fast vierhundert Jahre lang haben die Päpste das Primat gefordert. Warum gibt der Heilige Stuhl diese Schenkung erst jetzt bekannt? Warum wird in der Urkunde Jerusalem als Hauptbischofsitz genannt, obwohl es bei der Abfassung der Schenkung noch gar keinen Hauptbischofsitz Jerusalem gegeben hat? Und warum wurde der Anspruch auf das Primat immer nur unter Berufung auf Petrus erhoben und niemals unter Berufung auf diese Schenkung?

25"

Inszenierung wird fortgesetzt: Ein Kardinal kommt in den Raum. Die Männer übergeben ihm die beschriebenen Pergamentrollen. Der Kardinal prüft sie kritisch, nickt befriedigt und packt die Pergamentrollen in ein mitgebrachtes, reich verziertes Kästchen.

Erst viel später, in der Renaissance, wird Lorenzo Valla beweisen können, daß die Konstantinische Schenkung eine doch recht plumpe Fälschung ist.

15"

Montage vom heutigen Rom. darübergeblendet: das Porträt des Lorenzo Valla.

 

 

8. Karl der Große - die karolingische Renaissance

 

Nach Pippins Tod wird Karl der Große Alleinherrscher der Franken und nach einem siegreichen Feldzug wenig später auch noch König der Langobarden.

20"

Montage vom heutigen Rom wird fortgesetzt. Durchblende: die Reiterstatue Karls des Großen, die sich um ihre eigene Achse dreht. (Statue im Louvre, Paris)

Am Weihnachtstag des Jahres 800 krönt ihn dann Papst Leo III nach byzantinischem Ritus zum Kaiser. In den "Fränkischen Reichsanalen wird die Zeremonie ausführlich geschildert.

"Als der König gerade am heiligen Weihnachtstag sich vom Gebet vor dem Grab des seligen Apostels Petrus zur Messe erhob, setzte ihm Papst Leo eine Krone aufs Haupt und das ganze Römervolk rief dazu: "Karl dem Erhabenen, dem von Gott gekrönten großen und Frieden stiftenden Kaiser der Römer Leben und Sieg!"

35"

Inszenierung: Vor schwarzem Hintergrund kommen Karl und der Papst von links und rechts ins Bild. In der Bildmitte kniet sich Karl hin. Karl ist im Krönungsornat, der Papst hat die Kaiserkrone hoch erhoben. Der Papst krönt Karl.

Mit dieser Krönung kann sich Papst Leo III endgültig von Byzanz emanzipieren, denn Karl weiß sich als Herrscher von Gottes Gnaden auch für die Kirche verantwortlich. Er verspricht, sie mit seiner militärischen Macht zu schützen und reichsintern zu stärken.

20"

Montage: die byzantinisch-fränkische Torhalle im Kloster Lorsch.

Die Interessen des Reichs und der Kirche treffen sich besonders in der Heidenmission, die Karl mit Nachdruck betreibt. Das bekommen vor allem die Sachsen zu spüren, die erst nach über dreißigjährigem Kampf dem Reich und der Kirche angliedern werden können.

15"

Inszenierung: ein dunkler, verwilderter Wald im strömenden Regen. Fränkische Krieger und Mönche mit Kruzifix und Meßbuch quälen sich durchs Unterholz. Montage: Details der Szene.

Nach einer vorentscheidenden Schlacht bei Verden an der Aller läßt Karl 4500 heidnische Sachsen hinrichten, um mit dieser Abschreckung den wilden, germanischen Volksstamm endgültig zu befrieden. Anschließend erzwingt er mit der "Capitulatio de partibus Saxoniae" die Einsetzung des katholischen Glaubens auf sächsischem Gebiet. Die Kirche ist entsetzt und mit dem Blutbad an der Aller in keinster Weise einverstanden. Viele Bischöfe empören sich, denn Karl ist ansonsten ein gütiger Herrscher.

30"

Das Schlachtfeld bei Verden an der Aller. Steadycam-Gang vorbei an den Steinen, die dort für jeden erschlagenen Sachsen aufgestellt worden sind. Ein ruhig fließender Fluß mit Blutlachen, die sich langsam auflösen.

Karl hortet ungeheuere Schätze. Als sich ihm die Awaren ergeben, raubt er ihnen Gold, Silber und Juwelen, die auf fünfzehn vierspännigen Ochsenwagen abtransportiert werden müssen. Dazu kommen die Schätze der Langobarden und Sachsen und die seiner Vorfahren, die nach ihren Siegen auch alles abtransportieren ließen, dessen sie habhaft werden konnten. Nun gibt Karl den Reichtum mit übervollen Händen wieder aus.

30"

Montage auf schwarzem Hintergrund: Ein großer Schatz. Gold- und Silbermünzen, Geschmeide, Edelsteine.

312 Kirchen läßt er während seiner Regierungszeit bauen, 1254 Klöster, 1154 Königspfalzen. Und alles wird aus seinem Schatz finanziert.

15"

Landkarte Europas, auf der gezeigt wird, wie sich die Bischofssitze, die Klöster und die Kaiserpfalzen bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts in Westeuropa ausbreiten. (Statistik, die Albrecht Mann für die Ausstellung "Karl der Große" 1965 in Düsseldorf zusammengestellt hat.) Darüber Montage total und im Detail: die Pfalzkapelle in Aachen und die frühkarolingische Marienkapelle auf dem Würzburger Schloßberg.

 

In Aachen läßt er sich eine Monumentalpfalz bauen, wie sie vor ihm noch kein Frankenherrscher besessen hat. Hier konzentriert Karl dann auch die Bildung, die Kunst und die Wissenschaft. Es kommen Gelehrte, Dichter, Künstler und Kunsthandwerker.

20"

Modell der Aachener Kaiserpfalz (nach Leo Hugot). Montage: Details der Pfalz.

Wer immer sich im Reich durch besondere Fähigkeiten auszeichnet, wird von seinem Bischof, Abt oder Landesherrn an den Hof gesandt, um sich vor dem Kaiser zu bewähren.

15"

Das Oktogon der Pfalzkapelle Aachen innen. Montage: Details der Kapelle incl. des Kaiserthrons

Das Skriptorium in seiner Hofkapelle hat sich auf Prachtevangeliare spezialisiert. Es entstehen neun Prachtkodizes, die aus sieben Evangeliaren, einem Evangelistar und einem Psalter bestehen und später an große Klöster und Bischofssitze verschenkt werden.

40"

Montage der Prachtkodizes: (Kopien in Wien, Aachen, Brüssel und Brescia.)

In der gesamten Weltgeschichte ist es einmalig, daß ein erfolgreicher Kriegsherr seinem Volk Bildung befiehlt. Seine Erlasse gehen an Bischofssitze und Pfarrherren und ganz besonders an die Klöster, die Schulen einzurichten haben. Dort werden Kinder und Erwachsene unterrichtet. Zu den Pflichtfächern gehören lateinische Grammatik, Rhetorik und Stillehre, Musik, Sternkunde und Algebra.

30"

Inszenierung und Animation: Männer, Frauen und Kinder in gebückter Haltung an Schreibpulten rotieren in einer Totale durch das Bild.

Auch in den Skriptorien der Klöster werden kostbare Prachtevangeliare geschrieben. Wie zum Beispiel das Mattäusevangeliar aus Centula, oder die Evangeliare aus Lorsch.

40"

Fortsetzung der Animation: auf schwarzem Hintergrund rotieren groß und im Detail Schriften und Bilder des "Matthäus-Evangeliars aus Centula" (Bibliothèque Muncipale, Abbeville), Schriften und Bilder des "Lukas-Evangeliums Evangeliar aus Lorsch (Biblioteca Vaticana).

Viele der Künstler stehen unter römischem und hellenistischem Einfluß und schaffen mit ihren Werken eine Kunstrichtung, die man später als die "Karolingische Renaissance" bezeichnen wird.

40"

Fortsetzung der Animation: auf schwarzem Hintergrund rotieren groß und im Detail die Kanontafeln des Schatzkammer-Evangeliars Aachen (Domschatzkammer, Aachen).

In den Klöstern entwickelt man den karolingischen Minuskel, eine klare Kleinbuchstabenschrift, mit der Texte in grammatikalisch korrektem, wahrhaft internationalem Latein verbreitet werden können.

20"

Inszenierung: viele Hände schreiben Manuskripte ab. Die Schrift soll den karolingischen Minuskel zeigen.

Im Klosterscriptorium, der Schreibstube, arbeiten nun etwa fünfzehn Schreiber an einem Werk. Jeder Kopist bewältigt etwa dreißig Seiten täglich. Der jeweils hauseigene, im Kloster entwickelte Schreibstil erlaubt es, bei der Herstellung einer umfangreichen Handschrift zusammenzuarbeiten, so daß jeder der Kopisten einen Teil des Werks übernehmen kann.

20"

Vorherige Inszenierung wird weitergeführt. Dazu kommen Hände, die Bücher binden.

Etwa 50.000 Bücher werden zur Regierungszeit Karls des Großen kopiert. Damit ist ein Vorrat geschaffen, der dem lateinischen Christentum in Fragen der Theologie und der kanonischen Gesetze für lange Zeit die kulturelle Autonomie sichert.

30"

Animation auf schwarzem Hintergrund: die Bücher und Evangeliare, die in den vorhergehenden Szenen gezeigt worden sind, drehen sich in ungeheueren Massen, wirbelnd ins Bild, bis die Bildfläche voll ist.

Ohne die sich ständig erneuerten Impulse, die Kirche und Staat vom Mönchtum und durch ein immer dichter werdendes Netz von Klöstern erhält, würde weder die Christianisierung in den noch städtelosen östlichen Ausbauräumen des Frankenreichs gelingen, noch wäre die Verwaltung des Reiches möglich.

So wird das Mönchtum zur Stütze der karolingischen Macht. Längst ist dieses Mönchtum nicht mehr bildungsfeindlich-asketisch eingestellt. Die großen Klöster sind nun die Hauptorte des karolingischen Europa.

45"

Montage auf schwarzem Hintergrund: fränkische sakrale Kultgegenstände, Schmuck, Meßgewänder, Kelche, Reliquiare usw, (müssen nach dem Katalog der "Frankenausstellung" zusammengestellt werden).

Der weltliche Charakter des Staates ist erloschen. Um den Zusammenhalt von Kirche und Königtum zu stärken, werden Äbte und Bischöfe zu Ratgebern und Bevollmächtigten des Königs und für Jahrhunderte wird es keine Laien mehr in der königlichen Kanzlei geben.

Seit Karl dem Großen gibt es keine Barbaren mehr, sondern nur noch eine große christliche Gemeinschaft, die so weit reicht wie die Ecclesia.

Die Ecclesia hat ihr Zentrum immer noch in Rom, das aber nun nicht mehr nach Byzanz blickt, sondern nach Norden.

50"

Montage romanischer Dome innen und außen, die die Monumentalität der Kirchenbauten demonstriert.

Das Abendland wird fortan sein eigenes Leben führen.

10"

Durchblende: vor schwarzem Hintergrund die sich drehende Kaiserkrone Otto I (Wien, Kunsthistorisches Museum.)

 

45"

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