2000 Jahre Christentum
Folge 6
19. Dezember 1999
Diesseits des Himmels
Das Christentum im Zeitalter der Entdeckungen
Buch: Dieter Gürtler
Regie: Michael Gregor
Redaktion: Ulrich Harbecke
2. Fassung
geändert nach den Anmerkungen der Redaktion
Folge VI - Jenseits des Himmels
Themenübersicht
1. Auf der Schwelle einer neuen Zeit
2. Wiedergeburt der Antike
3. Die Herren des Geldes und der Künste
4. Das Bild des neuen Menschen
5. Das Renaissance-Papsttum
6. Ein Papst und seine Kinder
7. Savonarola
8. Die größte Kirche der Welt
9. Wer zahlt die Zeche?
10.Die neuen Wissenschaften
11.Und sie bewegt sich doch
30"
TRAILER UND SERIENTITEL
PROLOG
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20" Impressionen des christlichen Istanbul. Totale der Stadt, dann oströmische Prachtbauten: Hagia Sophia, das Chora-Kloster, die Reste des Hippodroms, die Irenenkirche, die Pammakaristos-Klosterkirche., Rauch und Qualm einer Feuersbrunst beginnt die Montage zu überlagern. |
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29. Mai 1453: um Konstantinopel tobt die entscheidende Schlacht. In die Allah-Rufe der angreifenden Türken mischen sich die Kirchenglocken und das Kyrie der griechischen Verteidiger. Die Stadt fällt nach erbittertem Kampf. Die Armee Sultan Mohammed II erobert die christliche Metropole am Bosporus und richtet ein verheerendes Blutbad an. Tausende werden erschlagen, tausende in die Sklaverei verschleppt. Der letzte oströmische Kaiser, Konstantin XI fällt im Kampf. |
20" Inszenierung: Montage einer Schlachtenszene, die wie eine aktuelle Reportage aufgebaut ist, zusammengesetzt aus vielen Detailaufnahmen. Im Rauch und Qualm der Feuersbrunst schemenhaft erkennbar: türkische Soldaten, die Leitern heranschleppen und an die Mauern lehnen. Kampfgetümmel auf der Mauer. |
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Byzanz, das alte Konstantinopel, die älteste Großstadt der christlichen Welt, ist von nun an eine islamische Stadt. Vergeblich haben die Byzantiner bei ihren christlichen Brüdern im Westen um Hilfe ersucht. Das christliche Abendland ist schon lange keine Einheit mehr. |
20" Groß: Die Hand Mohammed II, die ein Zeichen gibt. Byzantinische Standarten und Banner fallen zu Boden. Staub weht darüber. Im Hintergrund werden Gefangene vorbeigeführt. |
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15" vorhergehende Szene wird weitergeführt. Pferdehufe und Füße osmanischer Soldaten stapfen über die verstaubten, zerrissenen Hoheitsembleme. Kamera verdichtet auf eine zerrissene Fahne mit einem Kreuzsymbol. |
FOLGENTITEL "JENSEITS DES HIMMELS"
1. Auf der Schwelle einer neuen Zeit
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Durch die Eroberung von Byzanz hatten die Türken das Tor nach dem Balkan aufgestoßen und hielten jahrhundertelang Europa in Atem. Sogar der Versuch einer formellen Kirchenunion zwischen Rom und Byzanz konnte den Siegeszug des Islam nicht aufhalten.. Ein Kreuzzug war nicht zustande gekommen. Zu sehr waren die europäischen Staaten und die Päpste in ihrer nationalen Politik verstrickt. |
40" Die zerstörten Mauern von Byzanz. Der dreifache Mauerring, der an einigen Stellen noch zu sehen ist. Steadicam-Gang durch die Ruinen. |
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Die endgültige Trennung von westlichem und östlichem Christentum, von Katholizismus und Orthodoxie war damit besiegelt. Der orthodoxe Glaube, unberührt von den Umwälzungen im Westen, bewahrt bis heute eine ursprüngliche Form des Christentums. Durch den Verlust Konstantinopels gewann die russische Kirche innerhalb der Orthodoxie immer mehr an Bedeutung. Moskau bezeichnete sich damals sogar als das "Dritte Rom". |
30" Ein russisch-orthodoxer Gottesdienst. Die Kamera taucht ein in die mystische Inszenierung aus Gesang und Licht. |
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Das erste Rom aber, und mit ihm die gesamte christliche Welt des Westens, stand in dieser Zeit an einer Epochenwende. Damals wurden die Gebäude, Plätze und Kunstwerke geschaffen, die bis heute der Inbegriff des katholisch-päpstlichen Rom sind. Im Zentrum der Vatikan und die alles überragende Peterskirche. Nie zuvor und niemals wieder konnte das Papsttum eine solche Pracht entfalten. Die Residenz der Päpste wurde innerhalb von drei Generationen in ein grandioses Gesamtkunstwerk verwandelt. |
40" Übergang nach Rom. Flugaufnahme: Annäherung in Richtung Vatikan. Kamera fährt dicht über dem Boden über den Petersplatz auf den Petersdom zu. Archivmaterial: Prachtentfaltung eines päpstlichen Zeremoniells. |
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Die Erschaffung Adams. Michelangelos Gemälde in der Sixtinischen Kapelle ist vielleicht das berühmteste Werk christlicher Kunst. Gott erschafft Adam, den ersten Menschen. Das Bild des Menschen erhält in dieser Epoche völlig neue Züge. Der Maler feiert die Schönheit des sterblichen Leibes - so etwas gab es im Mittelalter nicht. Schriftsteller und Philosophen versuchen diesen Menschen neu zu definieren: in seinem Verhältnis zur Welt und in seinem Verhältnis zu Gott. "Ich habe dich mitten in die Welt gesetzt, damit du um so leichter zu erblicken vermögest, was darin ist. Weder zum himmlischen noch zum irdischen, weder zum sterblichen, noch zum unsterblichen Wesen habe ich dich geschaffen, so daß du als dein eigener Bildhauer dir selber deine Züge meißeln kannst". Der Schriftsteller Pico von Mirandola formulierte diese Sätze, die wie ein programmatischer Titel über einer Epoche stehen, die man seit dem 18. Jahrhundert auch als "Renaissance", d. h. als "Wiedergeburt" bezeichnet. |
40" Sixtinische Kapelle. Die Erschaffung Adams. Details des Gemäldes. Die berühmten Finger. |
2. Wiedergeburt der Antike
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Die geistige Atmosphäre des späten Mittelalters ist von der Angst beherrscht. Überall lauert der Tod. In den Schreckensvisionen der Maler aus Ausgang des Mittelalters gewinnt die dunkle Seite der menschlichen Existenz immer phantastischere Ausgestaltungen. |
30" Riesengroß tauchen aus einem künstlichen Nebel Grünewalds Monster vom Isenheimer Altar auf, Dann die verschlüsselte Schreckenswelt aus Bildern von Hieronymus Bosch. Totentanzszenen. |
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"Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen", heißt es in einem berühmten mittelalterlichen Choral. Dem entspricht die alltägliche Erfahrung. Ohne Vorwarnung werden die Menschen aus dem Leben gerissen; aus einem Leben, das die Vorstufe zur ewigen Seeligkeit ist, oder die Vorstufe zur ewigen Verdammnis. Aber mehr als eine Vorstufe ist das Leben nicht. |
30" In der Vierung einer gotischen Kathedrale singt ein Chor den Choral "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen". Dazwischengeblendet Illustrationen aus Dantes Göttlicher Komödie. |
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Auch die politische Situation am Anfang des 14. Jahrhunderts gab den Menschen wenig Anlaß zur Hoffnung. Frankreich war in einen hundertjährigen Krieg mit England verstrickt, in England selbst war praktisch der gesamte Adel im Kampf um den Thron verblutet. Spanien führte einen Dauerkrieg gegen die Araber. Das Deutsche Reich wurde von Thronfolgekämpfen erschüttert und immer wieder wütete die Pest. |
40" Durchblende in eine animierte Europakarte. Die Kamera fährt die einzelnen, im Text angesprochenen Länder an. Auf einer zweiten Bildebene eine Montage von inszenierten Kriegsbildern, Bränden, Verwüstung. |
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Trotz der großen Katastrophen entwickelte sich aber vor allem hier in Italien ein bisher nicht gekannter Wohlstand. Sein Träger war das städtische Bürgertum. Unbehelligt von der Einmischung fremder Mächte, insbesondere der Deutschen Kaiser, die Italien immer als Teil des Reiches betrachtet hatten, aber mittlerweile zu schwach waren, um sich politisch noch durchzusetzen, entwickelte sich in den italienischen Stadtstaaten ein neues Selbstbewußtsein. |
30" Langsame Durchblende von den Bildern des Schreckens in eine liebliche Landschaft der Toscana. Totale von Florenz. Montage vom Johannis-Fest, das jedes Jahr am 24. Juni in Florenz gefeiert wird. Steadycam-Gang durch die Menge. |
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Italien besann sich auf seine eigene, große Tradition. Die Spuren der einstigen Größe, die Ruinen der römischen Städte und vor allem die Kunstwerke, standen den Menschen ja noch überall vor Augen. |
30" Antike Ruinen von Ostia. Durchblende in eine Inszenierung: Ein Mann, im Stil des 15. Jahrhunderts gekleidet, geht über ein sandiges Gelände und entdeckt den Kopf einer römischen Plastik, der dort halb vergraben liegt. |
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Wie die Laokoon-Gruppe war alles interessant, was man von der griechischen und römischen Antike erfahren, sehen und bekommen konnte. Alles wurde erforscht, geradezu aufgesaugt. Die Suche nach Altertümern entwickelte sich zur Leidenschaft der Reichen und Gebildeten. Zwischen den antiken Ruinenfeldern fand man Kunstwerke, deren Vollkommenheit man erst jetzt zu schätzen lernte. |
30" Montage der Laokoongruppe. |
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Auch die Päpste der Zeit waren große Liebhaber römischer Kunst und bis heute zeugt die große Antikensammlung des Vatikan von jenem Hobby der Päpste des 15. und 16. Jahrhunderts. |
20" Durchblende in eine Montage nachfolgend aufgezählter Objekte: Römische und griechische Skulpturen aus dem Museo Nazionale Romano o delle Terme in Rom, der Apollo von Belvedere, die vatikanische Venus, der Torso der Kleopatra (Vatikanisches Museum, Rom). |
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Ein Mann namens Ciriaco durchstreifte Italien und andere Länder des alten Orbis terrarum auf der Suche nach Altertümern und brachte "Berge" von Inschriften und Zeichnungen mit. Als man ihn fragte, warum er das mache, antwortet er: "Um die Toten zu erwecken." |
15" Der Mann (wie oben) hat den zerborstenen Marmorkopf ausgegraben und versucht, ihn zusammenzusetzen. |
3. Die Herren des Geldes und der Künste
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Florenz ist die Hauptstadt dieses Geistes der Wiedergeburt. Die mächtigen Adelsfamilien häuften im Verlauf des 15. Jahrhunderts einen enormen Reichtum an. Ihre Banken und großen Handelshäuser machten unvorstellbare Gewinne. Hier wurde der moderne Kapitalismus geboren. Davon zeugen bis heute die vielen italienischen Begriffe aus der Banksprache wie "Giro", "Konto", "Bankrott" usw. |
40" Montage vom historischen Johannis-Fest in Florenz. In der Menge ein Arlecchino. Die Kamera verfolgt ihn. |
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Die Herren dieser, und noch vieler anderer Villen, wurden zur größten Finanzmacht Europas. Keine andere Familie der Zeit hatte eine so ungewöhnliche Karriere hinter sich wie die Dynastie mit den sechs Kugeln im Wappen. |
20" Montage der Villa "Medicea di Poggio a Caiano" mit ihrem Park. Totale und Detailaufnahmen außen. Am Schluß der Montage: das Mediciwappen im griechischen Giebel der Villa. |
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Es war vor allem Cosimo di Medici, der mit seinem Geld dieses neue Zeitalter begründete. "Pater patriae", nannten ihn die Florentiner ehrfurchtsvoll. Seine beiden Söhne Giovanni und Piero il Gottoso unterstützen den Vater erfolgreich in seinen Geschäften. Lorenzo, den sie später "den Prächtigen" nannten, führte die Dynastie dann zum glanzvollen Höhepunkt der Macht und des Reichtums. |
30" Inszenierung: der Maler Bonozzo Gozzoli porträtiert die Medici-Sippe: Cosimo, Giovanni, Piero und Enkel Lorenzo. Nachempfunden von dem Fresco "Der Zug der Heiligen drei Könige" v. Gozzoli, Florenz, Palazzo Medici-Ricardi. |
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Und ihren schwindelerregenden Reichtum gaben sie aus für ihren Ruhm, für ihre Ehere und für ihr ewiges Angedenken im Diesseits; sie entwickelten sich zu den größten Kunstmäzenen der Epoche - ja vielleicht aller Zeiten. |
30" Montage der Villa "Medicea di Poggio a Caiano" innen: Totale: der große, über zwei Geschosse gehende Saal mit seinen Wandgemälden, die mit ihren klassischen Themen die Medicis verherrlichen. |
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Die sog. "Uffizien" beherbergen bis heute die Kunstsammlung der Medicis. In den Gemälden läßt sich der geistige Wandel der Epoche am deutlichsten ablesen. |
20" Steadycam-Gang durch die Uffizien |
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Ein typisches Bild aus der Zeit des späten Mittelalters. Der Maler stellt die Gegenstände nicht in ihren natürlichen Größenverhältnissen dar, sondern nach ihrem symbolischen Rang. Ganz selbstverständlich werden die Heiligen größer abgebildet als die profanen Menschen, die um sie herumgruppiert sind. Den mittelalterlichen Maler interessierte nicht die exakte Wiedergabe eine physischen Welt, sondern die Bedeutung des Dargestellten, die ewigen Wahrheiten, sozusagen der Maßstab Gottes, der von der sichtbaren Welt nur verstellt wird. |
40" Die Kamera nähert sich einem spätmittelalterlichen Gemälde mit einer Heiligenszene und Stifterfiguren. Umschnitt. Die im Text angesprochenen Details. |
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Dieses Bild, das einige Jahrzehnte später entstanden ist, zeigt den Wandel im Zeitgeist. Nur auf den zweiten Blick erkennt man, daß hier ein heiliges Geschehen dargestellt ist. Maria und der Jesusknabe verschwinden fast in der aufwendig gemalten Architektur. Die Figuren im Vordergrund sind aufgrund der perspektivischen Anordnung der Gegenstände viel größer dargestellt als die Heilige Familie. Die Perspektive, d. h. der zufällige Standpunkt des Malers zu den Gegenständen und nicht mehr die Bedeutung des Dargestellten bestimmt jetzt den Bildaufbau. Ein geistesgeschichtlicher Wandel von enormer Bedeutung. |
30" Ein Renaissancegemälde, das die Geburt Jesu darstellt. |
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In Auftrag Cosimo de Medicis erschafft der Künstler Donatello eine Davidstatue. Sie ist nach der antiken Kunst, nach einer Zeitspanne von über tausend Jahren also, die erste nackte, freistehende Statue des Abendlands. Ein revolutionierendes Kunstwerk in seiner Vollkommenheit - und in seiner Kühnheit. Das Bild des neuen Menschen. |
20" Montage von Donatellos "Davidstatue", die durch die Blue-box-Technik in den Innenhof der Signoria gesetzt wird, wo sie ursprünglich stand. |
4. Das Bild des neuen Menschen
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Man hat die Renaissance auch als die Geburtsstunde des Individuums bezeichnet. Damals änderte sich der Blick auf den Menschen und es entwickelte sich eine Sensibilität für etwas, das uns heute ganz selbstverständlich erscheint: die unverwechselbare Eigenart der einzelnen Person. Das Mittelalter hatte dafür keinen Sinn, kein Interesse an Herkunft und Geschichte. Spärlich sind biographische Daten, selbst bedeutende Künstler sind häufig nicht einmal namentlich bekannt. Man sah im Einzelnen immer nur den Sonderfall des Allgemeinen. |
40" Durchblende in Straßenszenen aus dem modernen Florenz. Die Kamera verdichtet auf einzelne Menschen. |
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Zum erstenmal seit der Antike treten uns Porträts und Skulpturen der Menschen in ihrem individuellen Ausdruck entgegen. Der Mensch, der in seiner irdischen Wirklichkeit in der Kunst gefeiert wird, hat ein Pendant in dem neuen Politikertypus, der in dieser Zeit erscheint: der Tyrann. Seine Herrschaft ist nicht mehr im mittelalterlichen Sinne von göttlicher Legitimation hergeleitet, sondern von der Machtfülle, die er sich selbst angeeignet hat. |
15" Reiterstandbild des Colleoni in Venedig. Untersichtige Kamerafahrt, die die machtvoll-dynamische Pose der abgebildeten Person verstärkt. |
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Niccolo Machiavelli ist der große politische Theoretiker an der Schwelle zur Neuzeit. In seinem Buch "Il Principe", "Der Fürst", formuliert er eine Theorie, die sich weit entfernt von der mittelalterlichen Vorstellungswelt. Nicht das "Gottesgnadentum" des Herrschers ist die Grundlage seiner Herrschaft, sondern sein politisches Geschick. |
10" Büste des Machiavelli. Die Büste wird lebendig, steht an einem Stehpult und schreibt. |
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Nicht das Seelenheil der Untertanen ist der Zweck der Herrschaft, sondern die Aufrechterhaltung der politischen Ordnung, die Staatsräson, der alle anderen Beweggründe untergeordnet werden müssen - nicht zuletzt auch die Religion. Das Staatswesen ist eine organisatorische Aufgabe, keine religiöse. Das ist das außerordentlich moderne an Machiavellis Ideen. Seine Theorie mündet allerdings in der Verherrlichung des Tyrannen - aus der Erfahrung der Zeit heraus, daß nur ein starkes Machtzentrum in der Lage ist, politisches Chaos und Anarchie zu verhindern. Aber zugleich ist Machiavelli der erste große Entzauberer der Macht. Er zerstört den sakralen Nimbus des Herrschers und macht aus ihm einen Menschen unter anderen. Politik - das ist die Botschaft - ist nicht länger auf die Gnade Gottes angewiesen. |
40" Montage von Impressionen aus dem modernen Mailand. Menschen, die geschäftig durcheinanderlaufen, Straßenverkehr usw. Slowmotioneffekt: die aktuellen Bilder werden zu historischen Bildern. |
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Die Päpste der Epoche, frei von der Einmischung der europäischen Monarchen, die andere Probleme haben, regieren vom Stuhl des Petrus herab ganz im Stil der Zeit. Manche von diesen Männern sieht man häufiger in Rüstung und zu Pferd an der Spitze eines Heeres als hinter dem Altar. Diese Päpste hatten zumeist mehrere uneheliche Kinder, an die sie politische und kirchliche Ämter verschacherten, sie machten Verwandte zu Kardinälen, waren in politische Intrigen bis zum Mord verwickelt - und sie gaben enorme Mengen Geld aus. Ihre persönlichen Lebensverhältnisse haben die Phantasie der Nachwelt mehr beschäftigt als irgend eine andere Epoche der Kirchengeschichte. Selten war der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit des höchsten Priesteramtes der katholischen Kirche so extrem wie in dieser Zeit. |
40" Porträtbüsten von Renaissance-Päpsten. Vom Hintergrund freigestellt, ziehen sie an dem Betrachter vorbei: Nikolaus V, Calixtus III, Pius II, Paul II, Sixtus IV, Innozenz VIII, Alexander VI |
5. Das Renaissance-Papsttum
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In aller Öffentlichkeit feierte Papst Innozenz VIII die Hochzeit seines Sohnes mit einer Tochter aus dem Hause Medici im Vatikan. Ein denkwürdiges Schauspiel. Aber auch die Kardinäle standen dem Nachfolger Petri nicht nach und überboten sich mit rauschenden Festen: "Die Gefäße und Geräte bei Tisch waren vergoldet", berichtet ein Zeitgenosse, "und Zierarten wurden dabei über die Maßen viel aufgewandt. Und es wurde erzählt, daß der Kardinal für jede der Damen, die alle ein Zimmer für sich hatten, außer den anderen wertvollen Schmuckgegenständen auch ein vergoldetes Nachtgeschirr bereitgehalten habe." |
30" Inszenierte Szene: ein prunkvolles Festgelage mit kostbarem Geschirr, das dem Gemälde "Die Hochzeit von Kanaa" v. Veronese nachempfunden ist. |
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Nicht nur für solche delikaten Kleinigkeiten hatten die Kirchenfürsten Sinn, sondern auch für skrupellose Machtpolitik. So wollten die Neffen von Papst Sixtus IV, Girolamo Riario und Kardinal Pietro Riario die zwei Medicibrüder Lorenzo und Giuliano aus dem Weg räumen, um die Herrschaft in Florenz zu übernehmen. Der achtundzwanzigjährige Kardinal Pietro Riario hatte es in kürzester Zeit geschafft, die Phantasie ganz Italiens zu beschäftigen, teils durch seinen unvorstellbar verschwenderischen Luxus, teils durch die Gerüchte über seine Gottlosigkeit und seine diabolische Mordgier. Papst Sixtus IV, war mit dem Anschlag seiner beiden Neffen einverstanden. "Tu sei una bestia", soll der Papst zu Girolamo gesagt haben, "du bist eine Bestie" |
40" Inszenierte Szene wird fortgeführt. Unter den Essenden sieht man nun auch Papst Sixtus IV. Girolamo Riario und Kardinal Pietro Riario stehen hinter im und flüstern ihm beschwörend etwas ins Ohr. |
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Am 26. April 1478 wird das Attentat ausgeführt; am Mittag, beim Hochamt in der Kathedrale. Die beiden Priester Maffei da Volterra und Stefano da Bagnone haben den Mordauftrag übernommen. Das Wandlungsglöckchen erklingt. Alle in der Kirche sind in Andacht versunken. Da stechen die beiden Priester zu. Sterbend fällt Giuliano auf das Gesicht. Lorenzo aber wird nur leicht am Hals verwundet. Bevor Maffei da Volterra zustoßen kann, hat er versehentlich den Arm des knienden Medici berührt. Blitzschnell dreht sich Lorenzo um, schlingt geistesgegenwärtig seinen Mantel um den Arm und kann den Dolchstoß abwehren. Dann flieht er über den Altar zur Sakristei. |
40" Dom von Florenz außen. Steadycam-Gang auf die Tür zu. In der Unschärfe Durchblende zur Inszenierung: Ein Gottesdienst. Eine Gruppe von stehenden Menschen in den Kostümen der Zeit in einer Kirche. Sie knien nieder. Umschnitt auf den Priester, der das Abendmahl vorbereitet. Groß: ein Messer wandert von einer Hand in die andere. Im Vordergrund der Kirchenbesucher sehen wir die beiden Medicibrüder. Schnelle Montage des Attentats. |
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Als Papst Sixtus IV in Rom von dem mißglückten Attentat erfuhr, schäumte er vor Wut. Aber nicht durch seine Skrupellosigkeit ist dieser Papst der Nachwelt in Erinnerung geblieben. Er war es, der den Auftrag zum Bau einer Kapelle gab, die bis heute seinen Namen trägt. Die Sixtinische Kapelle mit den später entstandenen Fresken Michelangelos ist einer der Höhepunkte christlicher Kunst. Das ist der eigenartige Widerspruch dieser Epoche. Nie war das Papsttum so weit von den ursprünglichen Idealen des Christentums entfernt und hinterließ doch bis heute unübertroffene Denkmäler christlicher Kultur. |
30" Büste Sixtus IV. Langsame Zufahrt. Durchblende in ein Gemälde. Ein Gesicht mit aufgerissenem Mund und schreckensgeweiteten Augen. Langsame Rückfahrt. Wir erkennen das "Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle. |
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Papstwahl durch das sog. Konklave, das Kollegium der Kardinäle, das aus seinen Reihen den neuen Papst bestimmt. Jahrhunderte lang hatten die Päpste für diese Einrichtung gekämpft. Die Papstwahl durch ein Kardinalskollegium - ohne politische Einmischung, insbesondere der deutschen Kaiser. Im Zeitalter der Renaissance war diese Einrichtung bereits etabliert, das Papsttum weitgehend frei vom politischen Druck europäischer Monarchen. Doch damals zeigte sich, daß darin eine andere Gefahr lag. Die Kardinalswürde war ein Amt größter Begehrlichkeiten. Es wurde zur Praxis, daß sowohl die Kardinalswürde, als auch die Papstwahl selbst erkauft wurden. |
30" Modernes Konklave (Klammermaterial von der letzten Papstwahl) |
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Pius IV, der seine päpstliche Würde nicht ohne Bestechung erhalten hatte, vervollkommnete diese Ämterkäuflichkeit bis zur Perfektion. Von der Kardinalsernennung bis hinunter zu den kleinsten Gnaden und Bewilligungen, alles mußte bezahlt werden und so gehörten Korruption, Bestechlichkeit und Intrige zum Alltagsgeschäft im Vatikan. |
10" Porträt Pius IV |
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Zur Ämterkäuflichkeit kam noch der "Nepotismus", die Vetternwirtschaft. Da die päpstlichen Würden und Privilegien nicht direkt vom Vater auf seine Nachkommen übergehen konnten, wurde mit allen Mitteln versucht, die Papstwürde in der Familie zu halten und sie vor allem auf die Neffen zu übertragen. Und da jeder Papst versuchte, den Verwandten seines Vorgängers durch den eigenen zu ersetzen, lösten sich im laufe weniger Jahrzehnte in der Spitze der päpstlichen Hierarchie immer wieder die Mitglieder derselben Familiengruppen ab. Und so erlebte dieses Kollegium auch den denkwürdigen Auftritt Giovanni de Medicis, Neffe des Papstes, was nicht ungewöhnlich war. Aber selbst für damalige Verhältnisse überraschend war das Alter des Kardinals. Der frischgebackene Würdenträger zählte gerade vierzehn Jahre. |
30" Inszenierung Kardinalskollegium. Steadycam-Gang durch eine Gruppe von Kardinälen. Subjektive Kamera. Wechsel der Kameraperspektive. Wir sehen jetzt, daß sich ein vierzehnjähriger Junge im Kardinalsgewand durch die Menge bewegt. |
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Und hatte sich Sixtus IV Geld beschafft durch den Totalausverkauf aller geistlichen Gnaden, so gründete sein Nachfolger Innocenz VIII zusammen mit seinem Sohn Franceschetto eine Bank der weltlichen Gnaden, bei der gegen Zahlung von hohen Gebühren ein Generalpardon für Mord und Totschlag zu haben war. |
30" Inszenierung: Montage in kurzen Sequenzen: ein dunkler, von Fackeln erhellter Raum. Ein Kruzifix an der Wand im flackernden Licht der Fackeln. Lakaien schleppen schwere, eisenbeschlagene Kisten in den Raum. Ein Kardinal öffnet die Kisten und prüft ihren Inhalt. Die Kisten sind voll mit Goldmünzen. |
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Das Unternehmen florierte. In Italien wimmelte es in dieser Zeit von protegierten und nichtprotegierten Mördern. Von den Gebühren des Generalpardons gingen 150 Dukaten an die päpstliche Kammer, den Rest erhielt Franceschetto, der in Rom eine Rotte von Häschern unterhielt, um möglichst viele zahlungsfähige Kunden zu fangen. |
10" Montage vom historischen Johannisfest in Florenz. Die Kamera verdichtet auf prächtig gekleidete Frauen und Männer. In der Menge ein Arlecchino. Kamera verfolgt ihn durch die Menge. |
6. Ein Papst und seine Kinder
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Nach dem Tod von Innocenz VIII gelangte ein Mann auf den Stuhl Petri, der zum wirklichen Inbegriff des Renaissancepapsttums wurde: Rodrigo Borgia, der sich Alexander VI nannte. |
10" Porträt Alexander VI |
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Selbst in der damaligen Zeit erregte der Lebenswandel des jungen Kardinals soviel Aufsehen, daß sein Onkel, Papst Pius II, sich bemüßigt fühlte, einen tadelnden Brief an ihn zu richten. "Geliebter Sohn, Wir haben gehört, daß vor vier Tagen einige Damen aus Siena, herausgeputzt mit allem Tand der eitlen Welt in den Gärten des Giovanni dei Bichis zusammenkamen, und daß Du von der siebzehnten bis zur zweiundzwanzigsten Stunde bei ihnen weiltest. Die Scham verbietet es zu sagen, was dort alles getrieben wurde. Die Gatten, Väter, Brüder und Verwandten, die mit den jungen Frauen gekommen waren, wurden nicht eingelassen, damit ihr Euch ungestört vergnügen konntet. Man sagt, daß heute in Siena von nichts anderem gesprochen wird, als von jener Orgie. |
30" Steadycam-Gang durch die Farnesischen Gärten in Rom. Die Kamera verdichtet auf die antiken Skulpturen nackter Göttergestalten. Durchblende zu einer Inszenierung: Papst Pius II steht an einem Schreibpult und schreibt einen Brief. Groß die Hand mit der Feder. |
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Viel wurde über Alexander VI und seine beiden Kinder Cesare und Lucrezia geschrieben und immer ging das Fluidum der Verruchtheit von ihnen aus. Dabei war der Borgiapapst nicht schlimmer als viele seiner Vorgänger. Er war nur klüger und konsequenter. Er kannte von seinen früheren Ämtern her die möglichen Geldquellen besser und konnte auch besser mit ihnen umgehen. |
30" Inszenierung: Kardinäle stehen in einem Saal in kleinen Gruppen zusammen und reden erregt aufeinander ein. Zwei Flügeltüren öffnen sich. Alexander VI kommt in Begleitung von zwei Kindern in den Saal. Die Kardinäle verneigen sich. |
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Im Vatikanischen Archiv gibt es viele Dokumente, die beweisen, daß sich Alexander VI am Anfang seines Pontifikats als kluger Regent zeigte. Er beseitigte die notorischen Mißstände im Gerichtswesen und organisierte eine schlagkräftige Polizeitruppe. In Rom lebte man seit langem wieder ruhig und zufrieden. In Dokumenten des Historikers Comines ist auch nachzulesen, daß man Alexander VI und seine beiden Kinder Cesare und Lukretia im Vergleich zu Ferdinand, König von Neapel als relativ harmlos bezeichnen kann. Der König war in dieser Zeit mit Abstand der größte Ausbund an Grausamkeit, Verderbtheit und Habgier. |
30" Das Vatikanische Archiv: An den Schreibtischen arbeitende Menschen. Ein Foliant wird aus dem Regal geholt. Eine Hand blättert in den alten Dokumenten. |
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Eine Sache war bei Alexander VI allerdings auffällig: die fast sklavische Liebe zu seinen Kindern. Die Abhängigkeit von seinem Sohn Cesare wurde für ihn besonders verhängnisvoll. |
20" Inszenierung: Alexander VI und seine beiden Kinder promenieren in einem Garten. Alexander hat die Arme um die Schultern der beiden Kinder gelegt. |
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Cesare war es, der den Vater isolierte, indem er den Bruder, den Schwager, andere Verwandte und Höflinge entweder selbst ermordete oder ermorden ließ, sobald ihm deren Gunst beim Papst oder ihre sonstige Stellung unbequem wurde. Alexander mußte sogar zu der Ermordung seines geliebtesten Sohnes, dem Duca di Gandia, die Einwilligung geben, weil er selber vor Cesare zitterte und um sein Leben fürchten mußte. |
20" Inszenierung: Cesare Borgia geht mit einer Fackel in der Hand eine dunkle, steinerne Treppe hinab. Er betritt ein Verließ, in dem ein Mann angekettet ist. Der Mann erhebt sich mühsam. Der Borgia tritt auf ihn zu. Kurz blitzt ein Messer in seiner Hand auf. Der Mann sackt vor der Kamera zusammen und gibt so den Blick auf das versteinerte Gesicht Cesares frei. Durchblende zu Cesares Kopf auf einer Münze. |
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Auch die skandalumwobene Lucrezia war Spielball in den Händen ihres Bruders, der Herr des Kirchenstaates werden wollte, koste es, was es wolle. Lucretias erste Ehe wurde aus politischen Gründen geschieden. Den zweiten Ehemann, einen unehelichen Sohn des Königs von Neapel, ließ Cesare ermorden, weil er die Schwester für eine neue Verbindung brauchte. |
30" Inszenierung: Im Licht vieler Kerzen wird Lucretia von ihren Zofen angekleidet und geschminkt. |
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Als dann Lucretia Alfonso d'Este, den Herzog von Ferrara, heiratete, wurde ihr Leben ruhiger. Zwanzig Jahre lang war sie eine verantwortungsvolle Herzogin, die von ihrem Volk geliebt und geehrt wurde. |
15" Fortsetzung der Inszenierung: Alfonso d'Este kommt zu Lucretia, Küßt ihr die Hand und führt sie aus dem Raum. Die Zofen löschen die Kerzen |
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Nicht nur das Haupt, auch die Glieder der großen Kirche boten in dieser Zeit ein Bild, das kaum mit der christlichen Lehre in Einklang zu bringen war. Vor allem der Zustand der Klöster und das Verhalten vieler Wanderprediger erregte den Unwillen kritischer Zeitgenossen. Salernitano Masuccio beschrieb das Treiben dieser Wandermönche sehr eindrucksvoll. "Sie stellen sich als Heilige und tun Wunder, wobei der eine das Gewand von S. Vincenzo, der andere die Schrift des S. Bernardino vorzeigt. Andere bestellen sich einen Helfershelfer, der, scheinbar blind oder todkrank, durch Berührung einer Kutte oder der mitgebrachten Reliquie plötzlich mitten im Volksgewühl geheilt wird; dann läutet man die Glocken und nimmt lange, feierliche Protokolle auf. Alles reine Komödie. Der Mönch mit seinem Helfershelfern sammelt so viel Geld, daß er von einem Kardinal ein Bistum kaufen kann, wo sie nun gemächlich leben. Es gäbe keine bessere Züchtigung für sie, als wenn Gott recht bald das Fegefeuer aufhöbe; dann könnten sie nicht mehr von ergaunerten Almosen leben, sondern müßten wieder zur Hacke greifen." |
40" Montage vom historischen Johannisfest in Florenz. |
7. Savonarola
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Das war auch die Auffassung eines Mönchs aus Florenz. Von hier aus regte sich seine mächtige Stimme, die zeitweise sogar die Päpste das Fürchten lehrte. Girolamo Savonarola. |
25" Stadttotale von Florenz im frühen Morgenlicht. Gegen den Himmel hebt sich die Kuppel des Doms ab. Durchblende in das bekannte Porträt Savonarolas von Bartolomeo Della Porta, Florenz, Museo di San Marco. |
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Der Dominikanermönch attakiert den allgemeinen Sündenverfall. Unter dem Eindruck seiner charismatischen Persönlichkeit und seiner wohlformulierten, ausgefeilten Predigten reformiert sich zunächst sein eigenes Kloster, San Marco in Florenz. |
15" Inszenierung: Savonarola in einer Klosterzelle, die schwach von einer Kerze erleuchtet ist, die auf einem Schreibpult steht. Savonarola schreibt an einem Manuskript. Er ist in der Maske dem Porträt nachempfunden. |
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Savonarolas große Stunde kam, als der französische König Karl VIII mit einem Heer in Italien einfiel. Vorübergehend wurden die Medici aus Florenz vertrieben und so gelang es dem radikalen Reformer für einige Jahre die Macht an sich zu reißen. |
20" Überblendung zu neuer Inszenierung: Montage von marschierenden Soldaten in einer Staubwand. Detailaufnahmen: Beine, die im Gleichschritt marschieren, Hände die Waffen tragen, Gesichter, die den Skizzen da Vincis für die Anghiari-Schlacht nachempfunden sind. Pferde, Kanonen, Fahnen. |
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Der Dominikaner wollte eine Theokratie errichten, eine Gottesherrschaft, in der sich alles in seliger Demut vor dem Allerhöchsten beugt. Der Mensch sollte sich nur noch mit dem abgeben, was mit dem Seelenheil in Verbindung steht und auf Kommerz, Luxus und Bildung verzichten. Die Stadt hörte auf den Dominikaner, weihte sich Christus und ernannte den Mönch zum König von Florenz. |
Groß Savonarola auf der Kanzel des Klosters San Marco in Florenz. Montage: der predigende Savonarola mal total, mal groß, mal nur die Augen, mal nur der Mund. |
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"O Italien, o Florenz, um deiner Sünden willen brechen die Trübsale über dich herein. O ihr Vornehmen, ihr Mächtigen, ihr Leute aus dem Volk! Die Hand Gottes ist über euch und keine Macht der Welt, keine Flucht, keine Weisheit mag ihr zu widerstehen. Tut Buße ..." |
30" Luxuriöse Einkaufspassage im heutigen Florenz. Passanten, Luxusartikel in den Schaufenstern. |
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"Mache dich auf den Zorn Gottes gefaßt", war die Botschaft solcher Bilder. Der Bußprediger führte den Menschen den zornigen Gott des Alten Testaments vor Augen. |
10" Goldmedaille mit dem Bildnis Savonarolas. Auf der Rückseite ist die Hand Gottes abgebildet, die mit dem Dolch auf eine Stadt zielt. |
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Es ist der Gott, der den größten Teil der Menschheit in einer großen Flut ertrinken läßt. Strafe für ihre Unsittlichkeit. Nur Noah der Gerechte darf sich in die Arche retten. Michelangelos Gemälde fing die Szene in eindringlichen Bildern ein - vielleicht unter dem Eindruck von Savonarolas Predigten, die der Maler 1495 in Florenz gehört hatte. |
20" Animationsteil: Montage: sintflutartiger Regen, Sturm, Hochwasser, Blitze verdichten sich zur Sintflut von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. |
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Savonarolas eindringliche Warnungen vor einem Strafgericht Gottes blieben nicht ohne Wirkung. Am letzten Karnevalstag des Jahres 1497 errichteten die Bürger von Florenz einen "Scheiterhaufen der Eitelkeit". Alles wurde verbrannt, was vorher so wichtig war: Larven, falsche Bärte, Masken, Kleider, Bücher der lateinischen und italienischen Dichter: Pulci, Boccaccio, Petrarca, unersetzliche Pergamentdrucke und Miniaturen. Dann Parfüms, Spiegel, Schleier, Musikinstrumente, Schachbretter, Spielkarten und mit ganz "besonderer Freude" die Gemälde weiblicher Schönheiten. |
30" Inszenierung: Junge Männer zünden einen Scheiterhaufen an und werfen die im nachfolgenden Text erwähnten Gegenstände ins Feuer. Sehr schnelle Montage: groß die im Text erwähnten Gegenstände, die im Feuer verbrennen. Das fanatische, vom Feuer beschienene Gesicht Savonarolas. |
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Für den verwöhnten Florentiner war dieser Rückfall ins Mittelalter bald nicht mehr zu ertragen. Man weigerte sich, auf Savonarolas Forderungen einzugehen. Der Dominikaner aber war besessen von seiner Idee eines Gemeinwesens, das ausschließlich auf Prinzipien beruhte, die er aus der Bibel ableitete, die er aber mit diktatorischen Polizeimaßnahmen durchsetzen wollte. |
20" Inszenierung: Totale des brennenden Scheiterhaufens. In einem Arkadengang stehen einige vornehm gekleidete Bürger und flüstern erregt. Montage: groß die Gesichter der erregten Bürger, die heftig aufeinander einreden, der brennende Scheiterhaufen, in den weitere Gegenstände geworfen werden. |
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Er organisierte Scharen von Halbwüchsigen, die im Schutz von Schlägertruppen in Häuser eindrangen und dort alles zerstörten, was nur im Geringsten nach Luxus aussah. |
20" Inszenierung: Sehr schnelle Montage: Detailaufnahmen von Jugendlichen, die in Häuser eindringen und mit Äxten und Knüppel auf Gegenstände einschlagen und Bilder und Kleider wegschleppen. Dazwischen immer wieder der brennende Scheiterhaufen, der Rauch des Scheiterhaufens und das fanatische, vom Feuer beschienene Gesicht Savonarolas. |
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Damit verscherzte sich der Mönch die letzten Sympathien. Viele seiner Anhänger verließen ihn. Papst Alexander VI verlor die Geduld und exkommunizierte ihn. |
15" Inszenierung: In die Montage werden Diener in Livree geschnitten, die die Jugendlichen abwehren wollen und bullige Schläger, die die Diener verprügeln. Dazwischen immer wieder der brennende Scheiterhaufen, der Rauch des Scheiterhaufens und das fanatische, vom Feuer beschienene Gesicht Savonarolas. |
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Die Signorie ließ Savonarola verhaften und erpreßte durch die Folter den Widerruf seiner Lehren. |
20" Das Feuer und der Qualm werden bildfüllend. Durchblende in einen Kerker mit ausgestellten Foltergeräten. |
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Am 22. Mai 1498 vollzog sich auf der Piazza della Signoria im Herzen von Florenz der letzte Akt des Dramas: Savonarola wurde zusammen mit zwei Mitstreitern erhängt. Anschließend wurden die Leichen verbrannt. |
20" Florenz, Piazza della Signoria. Durchblende in das Gemälde "Die Hinrichtung des Savonarolas auf der Piazza della Signoria". (Unbekannter Maler, Florenz, Museo di San Marco) Durchblende in ein Feuer. |
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In der Gestalt Savonarolas flackerte zum erstenmal die Form eines Widerstandes gegen den verweltlichten Zustand der Kirche auf, die nur kurze Zeit später nördlich der Alpen das Gesicht der christlichen Welt völlig verändern wird. Savonarola war ein radikaler Kritiker der Kirche und blieb doch Katholik. Ein Mann auf der Schwelle eines neuen Zeitalters. Luther hat ihn bewundert und der Dominikanerorden betreibt bis heute seine Heiligsprechung |
30" Durchblende in das Vatikanische Büro der "Heiligsprechung". Ein Foliant wird aus einem Regal geholt. Ein Hand blättert in alten Dokumenten. Durchblende auf das Porträt Savonarolas |
8. Die größte Kirche der Welt
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Das Papsttum hatte sich gegen seine Kritiker behauptet. In völliger Verkennung des Sturms, der sich zusammenbraute, widmete es sich lieber der Kunst als der Seelsorge. Zum Entsetzen der Christenheit ließ im Jahr 1506 Papst Julius II die alte, konstantinische Petersbasilika abreißen. Sie soll durch eine neue ersetzt werden, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. |
20" Das Modell des alten Vatikanviertels mit dem alten Petersdom.(Rom, Museum der römischen Kultur.) |
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Bramante war der erste Baumeister. Später folgten Raffael, Peruzzi und Michelangelo nach. Die bautechnischen Probleme, die es zu lösen galt, waren enorm. Noch nie in der Geschichte der Menschheit war der Versuch unternommen worden, eine freitragende Kuppel solchen Ausmaßes - nämlich von über 42 Metern Durchmesser - zu bauen. |
50" Hubschrauberaufnahme vom Petersdom. Langsame Drehung. Steadycam-Gang durch das Hauptportal. Durchblende von der Kuppel innen. |
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Mehrere Architekten waren an dieser Kuppel gescheitert, bevor Michelangelo die Lösung der doppelten Kuppelschale fand. Eine einzige Schale hätte das enorme Gewicht von Innen- und Außenschale nicht tragen können. |
50" Wenn möglich Klammermaterial: Filmszene aus "La dolce Vita", die in der Kuppelschale spielt. Ansonsten: Die Kuppel des Michelangelo (innere und äußere Kuppelschale). Die Treppe, die im Hohlraum zwischen äußerer und innerer Schale nach oben führt. Blick von der Spitze der Kuppel in den Innenraum. |
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St. Peter ist die größte, prächtigste und berühmteste Kirche der Christenheit, die sichtbare Kristallisation des Glaubens, über die der französische Autor Stendhal sagte, sie sei ganz einfach die Vollendung der Kunst. Auch der protestantische Dichter Friedrich Schiller kam ins Schwärmen und schrieb: "Ein wahrhaft Reich des Himmels ist sein Haus. Denn nicht von dieser Welt sind diese Formen." |
40" Weitere Details des Gebäudes |
9. Wer zahlt die Zeche
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Der Neubau verschlang ungeheuere Summen. Um sie zu bekommen, nutzte der Medicipapst Leo X die Urängste von Hölle und ewiger Verdammnis und erließ im lateranensischen Konzil eine Konstitution zum Schutz der Unsterblichkeit und Individualität der Seele. Mit dieser Konstitution begründete Leo einen florierenden Ablaßhandel zur Finanzierung der neuen Peterskirche. Ab sofort konnten begangene und noch zu begehende Sünden für Geld getilgt werden. |
15" Gemälde von Hieronymus Bosch "Die Hölle". Madrid, Museo del Prado. Montage: Details und Totale des Gemäldes. Letzte Einstellung der Montage: Das Gemälde total. Von oben herunter flattert ein Ablaßbrief. Montage des Ablaßbriefs in sehr kurzen Schnitten. |
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Die große Masse des Volkes, deren Glaube noch völlig im Mittelalter verwurzelt war, empfand nichts Ungewöhnliches bei diesem Handel und war absolut davon überzeugt, daß durch den erworbenen Ablaß die eigene Sündenlast und die der toten Anverwandten leichter wird. Trotzdem wuchs der innerchristliche Widerstand gegen diese Praxis, die kaum mit christlichen Glaubensvorstellungen vereinbar ist. |
20" Inszenierung: Ein Mönch predigt vor einer Gruppe einfach gekleideter Menschen. Neben dem Prediger sitzt ein weiterer Mönch an einem Tisch. Auf dem Tisch ein schwerer Holzkasten und einige Papiere. Vor dem Tisch stehen Leute, die dem Mönch Münzen übergeben. Dafür erhalten sie einen der vorgefertigten Ablaßbriefe. Der Mönch bekreuzigt die Leute jeweils bevor sie weggehen. |
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Vor allem jenseits der Alpen entstand Unruhe. Nach Rom drangen die Nachrichten von einem gewissen Martin Luther, einem Augustinermönche, der in Wittenberg und auf der Wartburg offen gegen die päpstliche Ablaßpraxis opponierte. |
20" Eine dreidimensionale Karte Europas. Kamera fährt von Rom über die Alpen nach Wittenberg und zur Wartburg. Porträt von Martin Luther. Die karge Studierstube auf der Wartburg. |
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Doch im Vatikan bleibt man gelassen. "Laßt uns ein frohes Papsttum leben, da Gott es uns einmal gegeben", soll Gregor X gesagt haben, als er 1513 den Thron Petri bestieg. Ein Renaissancemensch par excellence: genußsüchtig und skrupellos, verschwendungssüchtig und von auserlesenem Geschmack. |
20" Inszenierung Festgelage (wie oben). In der Mitte der Tafel Papst Gregor X. |
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Bereits mit acht Jahren hatte er die niederen Weihen empfangen. Als Zwölfjähriger wurde er Abt des Benediktinerklosters Monte Casino und mit vierzehn Jahren wurde er von Papst Innozenz VIII zum Kardinal ernannt. |
10" Porträt Gregor X, Gemälde von Raffael. (Florenz, Galleria degli Uffizi) Kamera zoomt von den Augen in die Totale. |
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Nun lebte er seinen ureigenen Renaissancetraum, umgab sich mit Malern, Bildhauern und Poeten, ließ von Archäologen das antike Rom vermessen und teilweise ausgraben und gab Unsummen für den Neubau des Petersdoms aus. |
20" Inszenierung: In einem Saal sitzt Gregor X auf einem Thron. Ein Maler porträtiert ihn. Ein Mann kommt mit Papierrollen und übergibt sie dem Papst. Er öffnet eine Rolle. Sie zeigt einen Plan der Stadt Rom. Groß: der römische Stadtplan. |
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Raffael malte für ihn die Stanzen in den vatikanischen Repräsentationsräumen und plante für ihn die neue Universität, die "Sapienza". |
50" Ruhige Montage von den Stanzen Raffaels |
10. Die neuen Wissenschaften
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Und auch sie verschlang Unsummen. Das Geld wurde gebraucht, um berühmte Professoren von anderen Universitäten abzuwerben. |
30" Montage der "Sapienza" innen. |
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Der Papst war der Meinung, daß für die Wissenschaft neue Wege gefunden werden müssen. Und baute man vorher sein Wissen ausschließlich auf theoretischen Lehren auf, kam man nun zu Ergebnissen, die auf Beobachtungen, Rechnen und Experimenten basieren. |
Inszenierung: Totale steil von oben aufgenommen: ein kunstvoll und kompliziert angelegtes Labyrinth in einem Garten. Das Gesamte Labyrinth ist zu sehen. In ihren typischen Talaren wandeln einige Professoren mit jeweils einem Studenten tief im Gespräch versunken durch die Gänge des Labyrinths. |
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Es war das Zeitalter der Erfinder, Entdecker und Experimentierer auf allen Gebieten. Das Zeitalter der Universalgenies. Maler waren zugleich Bildhauer, Ingenieure, Architekten, Chemiker und Anatome. Der berühmteste unter ihnen war ein Mann mit Namen Leonardo aus der Stadt Vinci. |
10" Leonardos bekannte Darstellung der menschlichen Proportionen: der nackte Mann in einem Kreis. |
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Hätte er nur dieses und einige andere Bilder gemalt, wäre ihm der Nachruhm schon sicher gewesen. Das Mailänder Abendmahl ist eines der berühmtesten Werke christlicher Kunst. |
40" Abendmahl von Leonardo in Mailand. (Santa Maria delle Grazie) Langsame Annäherung mit Steadycam. Details des Gemäldes. |
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Aber Leonardo war nicht nur Maler. Seine Leidenschaft galt allem, was das damalige Wissen von der Welt umfaßte. Er sezierte Leichen und hielt fest, was er vom Inneren des Körpers sah. Er konstruierte Belagerungsmaschinen, Kanonen, Pumpen und Flugapparate. Manches davon war utopisch, anderes durchaus praktisch und umsetzbar. In der Person Leonardos wird noch einmal deutlich, was Renaissance bedeutet: Wiedergeburt eines Interesses an der Beschaffenheit der Welt, einer Neugierde auf Unbekanntes, einer Faszination an der Machbarkeit und Umsetzung von Ideen. |
30" Montage anatomischer Studien Leonardos, Pläne von Kriegsmaschinen, (Windsor, Royal Library), Modelle von Kriegsmaschinen (Leonardomuseum, Amboise) |
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Es begann das erste Zeitalter der Erfindungen. In Venedig wurde sogar ein Gesetz für Patente und Erfindungen verabschiedet: "zum Schutz der Interessen jener scharfsinnigen Köpfe, die es verstehen, mancherlei sinnvolle und kunstreiche Gegenstände auszudenken und zu erfinden." Natürlich ging es hier um die Stärkung kommerzieller Interessen, um das wirtschaftlich auszuwertende Monopol, denn das Gesetz verlangte, daß die Patente für die Gesellschaft von Nutzen sein müssen. |
30" Montage: Dogenpalast Venedig, außen und innen. Totale und Details der Buchillustration "Sitzung des großen Rates unter dem Vorsitz des Dogen Sebastiano Venier". (Paris, Bibliotheque Nationale). Totale und Details des Holzschnitts von Reuchwich: "In der Werft des Arsenals wird letzte Hand an den Bau einer Galeere gelegt". (Venedig, Libreria Marciana) |
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Die meisten venezianischen Patente gab es in der Entwicklung der Wasserhebung. Nun konnte man beispielsweise auch Wasserpumpen in Bergwerken einsetzen, wodurch die Wiederaufnahme der Arbeiten in Stollen möglich wurde, die vorher wegen Wassereinbruch nicht mehr begehbar waren. |
20" Montage von zeitgenössischen Wasserhebemaschinen, Wasserrädern und Wasserpunpen oder deren Modelle. |
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In der Medizin schrieb Andreas Velasius seine "De Humani corporis fabrica libri septem", ein Werk, das erstmals in der Geschichte des Abendlandes Ergebnisse objektiver, experimenteller Forschungen in der Anatomie publizierte. |
30" Von oben nach steil unten aufgenommen: Der erste Hörsaal für Anatomie an der Universität Padua. Kamera dreht sich um ihre eigene Achse. Montage über dem sich drehenden Hörsaal: Das Werk des Velasius. Anatomische Präparate. (Dresden Hygienemuseum) |
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Dann baute man die erste Sternwarte. Es folgten der erste Globus, die erste Taschenuhr, die ersten Radschloßgewehre, die ersten Lehrbücher der Rechenkunst, der Kompaß und vieles andere mehr. |
30" Montage der im Text angesprochenen Erfindungen |
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Die bahnbrechendsten Entdeckungen aber machte man in der Astronomie. |
20" Planetenanimation, in die das Gesicht des Kopernikus montiert wird. |
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Kopernikus schrieb sein Buch "De revolutionibus orbium coelestium" und bewies mit seinen Theorien, daß Sonne und Fixsterne unbeweglich sind und sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht. Die Entdeckung wurde von der Kirche als Blasphemie begriffen. Die Erde als ein Stern unter anderen, verloren in den unendlichen Weiten des Alls - das schien unvereinbar mit dem göttlichen Heilsplan. Warum sollte Gottes Sohn auf irgendeinem beliebigen Planeten geboren werden? |
40" Planetenanimation wird fortgeführt. In die Animation wird das Buch des Kopernikus montiert. |
11. "Und sie bewegt sich doch"
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Auch wenn Kopernikus der erste war, der das geozentrische Weltbild zu Fall brachte, so hat sich doch der Name eines anderen Wissenschaftlers viel stärker in das Gedächtnis der Nachwelt eingegraben. Das Schicksal dieses Mannes wurde geradezu ein Inbegriff für die jahrhundertelange Auseinandersetzung zwischen moderner Wissenschaft und christlichem Glauben. Der Name des Mannes ist Galileo Galilei. |
20" Planetenanimation wird fortgeführt. Durchblende: Ein Augenpaar nah. Langsame Rückfahrt. Ein bärtiger Mann schaut nach oben. Es ist Galilei, nachempfunden nach dem Gemälde des Galileo Galilei von J. Sustermans. (Florenz, Galleria degli Uffizi.) |
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Ein unscheinbares Experiment mit großen Folgen. Galilei ließ Steine vom schiefen Turm in Pisa fallen. Eigentlich studierte er nur das Gesetz des Freien Falls - am Ende aber brachte er ein ganzes Weltbild ins Wanken. Daß sich Gegenstände beim Fallen gleichmäßig beschleunigen, ist heute Allgemeinwissen. Vor 500 Jahren war das nicht der Fall. Denn die Beschleunigung ist nicht ohne weiteres wahrnehmbar. Sie zu erkennen, setzt genaue Meßgeräte voraus. Außerdem stand in der Mitte des 16. Jahrhunderts der bloßen Idee der Beschleunigung ein weltanschauliches Modell entgegen Unter Berufung auf Aristoteles lehrten die mittelalterlichen Theologen, daß es die Natur des Körpers sei, zu liegen. Jedes Ding hat einen natürlichen Ort. Deshalb fällt der Stein zu Boden. Für die mittelalterlichen Theologen war das gesamte Universum ein festgefügtes Gebilde, das, wenn es sich wie die Planeten etwa, bewegt, von Gott bewegt wurde. Jede physikalische Bewegung, so folgerte man, benötigt eine Unterstützung, fällt sie weg, so bleibt der Körper stehen. Galileis Entdeckung der Beschleunigung bedeutete mehr als die Lösung eines physikalischen Spezialproblems. Der Zustand eines jeden Körpers, ja des gesamten Universums, ist das Ergebnis aufeinanderwirkender Kräfte. Es bedarf keines Gottes, der die Planeten am Laufen hält.. |
60" Der schiefe Turm von Pisa. Totale. Sprung nach oben. In Zeitlupe: eine Hand öffnet sich und läßt einen Stein fallen. Umschnitt: Die Augen, die dem Stein folgen. Durchblende zum Fallturm im Physikalischen Institut Bremen. Es wird ein Fallexperiment gemacht. (Hohle Gegenstände werden so beschleunigt, bis in ihrem Innern Schwerelosigkeit erreicht wird.) |
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Galileis Erkenntnisse über die Mechanik der Körper führten ihn über die Grenzen des Planeten hinaus. |
10" Planetenanimation, aus dem sich noch einmal das Gemälde des Galileo von Sustermans entwickelt. |
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Das unendliche All, seit jeher das größte Faszinosum der Philosophen und Wissenschaftler gab durch die Entwicklung neuer Fernrohre immer mehr Geheimnisse preis. |
Aus der Planetenanimation entwickeln sich die Fernrohre des Galilei (Museo di Fisica e Storia, Florenz) Sie werden in den Vordergrund gezoomt und verschwinden. |
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Galilei begann, den Mond, die Sonne, die Fixsterne und die Planeten zu beobachten. Er entdeckte die vier Jupitermonde, die Ringe des Saturn und die Sonnenflecken. |
30" Am Himmel kommt groß der Vollmond ins Bild, aufgenommen durch ein Teleobjektiv, so daß die Mondberge und Krater gut erkennbar sind. Wolken ziehen am Mond vorbei und verdecken ihn. Von der Planetenanimation wird der Jupiter mit seinen Monden in den Vordergrund gezoomt und verschwindet. Dann wird der Saturn mit seinen Ringen in den Vordergrund gezoomt, wo er ebenfalls verschwindet. Dann wird die Sonne in den Vordergrund gezoomt. Klar sind die Sonnenflecken zu erkennen. |
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Galilei reiste nach Rom, um seine Entdeckungen Papst Paul V zu erläutern. Er hütete sich aber, Bezüge zu Kopernikus herzustellen. |
20" Subjektive Kamera: Gang durch lange, leere Flure im Vatikan. |
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Trotzdem wurde er vom "Heiligen Offizium", der Inquisition überwacht. |
15" Gebäude des Heiligen Offiziums. Hinter einer Säule versteckt, verfolgt ein Mönch eine unsichtbare Gestalt mit seinen Blicken. |
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Der oberste Ankläger, Kardinal Bellarmin ließ sich ein Gutachten über Galileis Behauptungen machen. |
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Mehrfach wurde Galilei davor gewarnt, öffentlich die kopernikanische These der doppelten Erdbewegung mit seinen Entdeckungen zu beweisen. Diese Lehre sei mit den biblischen Schriften nicht in Einklang zu bringen. Somit würde er automatisch zum Häretiker abgestempelt und sein Leben wäre gefährdet. |
20" Totale direkt von oben in einer Drehbewegung aufgenommen: der erste Hörsaal der Universität Padua. In der immer schneller werdenden Drehbewegung zoomt die Kamera von der Totale in eine Großaufnahme, so daß sich am Schluß nur noch der Tisch im Zentrum des Hörsaals dreht |
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Galilei ließ sich nicht beirren. Er schrieb den "Dialog". Ein Buch, das zu seinem Ruhm in aller Welt und zu seinem Verhängnis in Rom wurde, denn nun bestätigte er, daß Kopernikus mit seiner These der doppelten Erdbewegung recht hatte. |
10" Die Drehbewegung wird immer schneller. Der Tisch im Zentrum des Hörsaals dreht sich am Schluß so schnell, daß keine Details mehr erkennbar sind |
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Die Inquisition klagte ihn an und der Papst verfügte, daß beim Verhör Galileis mit der Folter zu drohen ist, falls er nicht widerruft. Der Prozess wurde ihm hier, in der Sakristei der Kirche Santa Maria sopra Minerva zu Rom gemacht. |
30" Aus der Drehbewegung entwickelt sich die Sakristei der Kirche Santa Maria sopra Minerva, Rom. (damaliger Tagungsort der Inquisitionsbehörde.) |
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Archiv der Glaubenskongregation im Vatikan. Hier lagern tausende von Prozessakten, die einen jahrhundertelangen Abwehrkampf der Kirche gegen tatsächliche und vermeintliche Widersacher dokumentieren. Ein auf weiten Strecken vergeblicher Kampf. Die Ideen, die man hier zu begraben suchte, wirkten dennoch weiter. Die Originalakten des Galileiprozesses: Am 21. Juni 1633 nahm Galilei seine zu hundert Prozent bewiesenen Erkenntnisse pauschal zurück. |
30" Wechsel in der Atmosphäre. Schlüssel wird im Schloß gedreht. Eine Tür geht auf. Die Kamera betritt das Archiv der Glaubenskongregation im Vatikan. Steadycam-Gang durch die Regalreihen. Wir kommen bei den Originalakten des Galileiprozesses an. Eine Hand blättert in den Akten. |
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"Und sie bewegt sich doch", soll er am Schluß geflüstert haben. Aber das ist nichts als ein Gerücht. Denn niemand hat diesen Satz gehört und niemand hat ihn zu Protokoll genommen. |
60" Szene aus einer Theaterverfilmung von Brechts "Leben des Galilei. Galileis Widerruf und Galileis Rechtfertigung vor Andrea. Planetenanimation: die Planeten bewegen sich immer schneller um die Sonne, die Monde immer schneller um die Planeten. |
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Historisch gehört Galilei schon einer späteren Zeit als der Renaissance an, doch er fußt in dieser Epoche, die einen der größten geistigen Wandel in der Geschichte des Abendlandes hervorgebracht hat. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es ein Wissen von der Welt, das sich vom christlichen Glauben entfernt. Wahrheit ist nicht länger synonym für "identisch mit den Glaubensinhalten", sondern bedeutet von nun an "in Übereinstimmung mit der Erfahrung". Die Kirche geriet zunehmend in Widerspruch zu dieser Entwicklung, da ihr häufig die geistige Dynamik für eine fruchtbare Auseinandersetzung fehlte. |
20" Start einer Rakete im Raketenzentrum der Nasa oder Start einer Europarakete. Es läuft der Countdown des Raketenstarts. Die Rakete startet und steigt in den Himmel. Subjektive Kamera: Zoom in das Weltall. |
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Die Kirche hat ihren Frieden mit den Theorien Galileis gemacht. Die Mitarbeiter der päpstlichen Sternwarte bewegen sich selbstverständlich auf dem Stand der astronomischen Forschung am Ende des 20. Jahrhunderts. Der Fall Galilei war eine der berühmtesten Auseinandersetzungen zwischen Kirchlicher Lehre und Naturwissenschaften. Jahrhunderte später wird der "Fall Darwin" noch einmal ähnliche Wellen schlagen. Heute, nach weiteren naturwissenschaftlichen Revolutionen, erkennen wir, daß die immer genaueren Einblicke in die überwältigende Dimension und Komplexität der uns umgebenden Welt gar keine antireligiöse Tendenz besitzen, sondern letztlich nur die Frage schärfen, deren Antwort die Wissenschaften schuldig bleiben: die Frage nach dem Woher und Wohin? |
60" Steadycam-Gang. Wir nähern uns der päpstlichen Sternwarte und betreten die Räume. Mitarbeiter der Sternwarte bei der Arbeit |
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"Ich habe dich mitten in die Welt gesetzt, damit du um so leichter erblicken vermöget, was darin ist", hatte der Dichter Pico von Mirandola Gott zu dem neuen Menschen der Renaissance sprechen lassen. "Du kannst zum Tier entarten, aber du kannst dich auch aus dem freien Willen deines Geistes zum gottähnlichen Wesen wiedergebären." |
20" David von Michelangelo |
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Indem die Menschen seit dem Zeitalter der Renaissance begannen, das Buch der Natur zu entziffern, wurden ihnen schließlich Kräfte gigantischen Ausmaßes an die Hand gegeben. Ob wir aber auf dem Weg sind, Gott oder einem Tier ähnlicher zu werden - wer könnte diese Frage beantworten. |
30" zuletzt: Augen groß. Langsame Durchblende in eine Atomexplosion. |
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45" Abspann |