2000 Jahre Christentum
Folge 8
09. Januar 2000
Himmel und Hölle
Die römisch-katholische Reformation
Buch: Jürgen Czwienk
Regie: Jürgen Czwienk
Redaktion: Uwe Michelsen
1. Prolog 4
1.1 (30) Dokumentarisch
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Eine zauberhafte Laune der Natur: Eine Perle. Keine gleicht der anderen. Farbe und Form wechselt wie im zufälligen Spiel. Jede Perle ist wie ein Individuum: Gewachsen in einer Auster, unter immer wieder anderen Bedingungen. Ein unverwechselbarer Fingerabdruck der Natur. Das Zufällige dieser Formen, die Fülle dieser Schönheit, hat einer ganzen Epoche ihren portugiesischen Namen gegeben: Barrocco oder Barock. Das "Unregelmäßige". |
Tresor öffnet sich. Eine Samtschatulle wird geöffnet. Eine unregelmäßig gewachsene Perle zwischen zwei Finger sich drehend/Die Kamera erfaßt die Perlmuttflächen in einer extremen Makroaufnahme und zeigt die Individualität des Musters an schillernden Farben/ Das Licht reflektiert unregelmäßig im silbrig-blauen Perlmutt. |
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Auf der Bühne dieser Zeit erscheinen Figuren, die die Heterogenität und tiefe Widersprüchlichkeit dieser Epoche bezeichnen. Der Barock ist eine Zeit der Kriege, der Orientierungslosigkeit, des Hin- und Hergerissenseins zwischen alten Vorstellungen des Mittelalters und frömmelnder Vernunft einer beginnenden Neuzeit. Des Kampfes zwischen Katholizismus und Protestantismus. Die vielen Facetten jener Epoche erlauben keinen Gesamteindruck, der sich zu einem harmonischen Ganzen fügt. Alte Ordnungen zerbrechen und neue Machtverhältnisse entstehen. Eine Zeit im Übergang. Politische Visionen und religiöse Weltanschauungen kollidieren zuletzt in einem fürchterlichen Konflikt, der als der Dreißigjährige Krieg in die Geschichtsschreibung eingehen wird. |
Montage aus Prozessionsbildern Camunas, Spanien. Es erscheinen im hell-dunklen Lichtwechsel allegorische Figuren: Der Tod/der Teufel/ein Bischof/ein Mönch/ein Drachen/ ein Possenreißer reflektiert ein Licht in die Kamera, es blitzt einige Male auf, um dann mit einem Lichtblitz in die nächste Sequenz zu überblenden. Es folgt eine schwelgerische Bilderfolge mit prachtvollen, barocken Sujets. Zuletzt der "Tod" bildfüllend. |
1.3 (1) Dokumentarisch
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Es entstehen in dieser Epoche aber auch Kunstwerke, deren Schönheit und Pracht weit über ihre Zeit hinausweisen. "Memento mori" - Gedenke des Todes" - diese Mahnung begleitet alle Kunstentfaltung und verleiht dem Spielerischem tiefen Ernst. Ist es die sogar Angst vor dem Tod oder die Hoffnung auf Erlösung, die eine solche Kunst hervorbringt? Ist es übersteigerte Religiosität oder tiefe, innere Zerrissenheit, die das Lebensgefühl des Barockzeitalters ausmachen? Eines ist sicher: Vor allem ist es die unruhige, politische Situation dieser Zeit, die den Charakter der Epoche tiefgreifend bestimmt. |
Totengerippe festlich aufgebahrt in einem Sarg/ Rückfahrt der Kamera. Der ganze Innenraum wird sichtbar. Prachtvolle Architektur einer Barockkirche (Assamkirche/München) |
1.4 (30) Trick
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Vor dem Dreißigjährigen Krieg zerfällt die Landschaft Mitteleuropas in unzählige Fürsten- und Bischofstümer, und nur vage deuten sich jene Länder an, die wir in den heutigen Grenzen kennen. Die Machtverhältnisse wechseln ständig. Frankreich, Deutschland und Österreich bilden einen Kern. England ist - durch seine Insellage territorial Stabil - die Ausnahme. Als Seemacht beherrscht die englische Krone vor allem die Meere. |
Karte von Europa: zeigt die territoriale Zersplitterung/ Die Kamera fliegt über die Länder, die im Text jeweils angesprochen werden und nähert sich England. |
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In Stichworten: Englands Sonderrolle in der Mitte des 16 Jh.: Der Papst hatte sich geweigert, die Ehe Heinrich VIII. zu annullieren. Mit der Suprematsakte setzt sich der englische König selbst als Oberhaupt der Kirche ein, und es kommt zur Spaltung mit Rom. Aber diese Unabhängigkeit geht den Puritanern, der reformierten Christen Englands, noch nicht weit genug. Sie fordern eine "Urkirche", wie sie angeblich im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung von Christus selbst gegründet wurde. Ein besonderer, reformatorischer Ansatz. |
Durchblende Meer/ Durchblende Heinrich VIII/Stiche der Puritaner/Leben in England |
1.4.2 (30") Dokumentarisch
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Spanien und Portugal hingegen, beides große Kolonialreiche, gelangen vor allem durch ihre Besitzungen in Übersee zu Reichtum und Macht. Es ist hauptsächlich der Gegensatz von katholischem Süden und protestantischem Norden, der beständig für gesellschaftliche Unruhe sorgt. Noch aber ist Rom der Mittelpunkt dieser Welt. Hier regieren die Päpste als unumschränkte Herrscher. Alle Macht muß von diesem Zentrum des Katholizismus her legitimiert werden. Immer noch gilt: Alle Wege führen nach Rom. |
Karte Fortsetzung: von England weggehend auf Spanien und Portugal; zuletzt Überblickstotale Europa; dann ganz schnelle Zufahrt auf Rom. |
2. Die Macht der Päpste
2.1 (20) Dokumentarisch
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Als geistiges Zentrum des Heiligen Römischen Reiches bestimmt Rom die Geschicke Europas. Symbol für die zentrale Macht: der gerade eingeweihte Petersdom. |
Prächtige Montage aus Ansichten des Petersdom innen/außen. Musikstrecke |
2.2 (1) Dokumentarisch, Archiv
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Im Rom des Barock wird der zunehmende Machtverlust der kath. Kirche durch die protestantische Bewegung noch nicht spürbar. Ganz im Gegenteil. Als eine seiner ersten Amtshandlungen beauftragt Papst Alexander VII. - ganz in Renaissancemanier den genialen Architekten und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, den Petersplatz nach seinen Entwürfen zu gestalten. Der Platz soll zum Inbegriff einer auch nach der Reformation wieder triumphierenden Kirche werden. Bis heute bietet er die beispiellose Bühne für den alljährlichen österlichen Segen "urbi et orbi", für Rom und den gesamten Weltkreis. |
Petersdom aus der Froschperspektive steht machtvoll wie ein Fels in der Brandung. Kamera fährt weitwinklig an den Kolonnaden des Petersplatzes entlang. Fahrt endet als Supertotale des Petersplatzes, Stop -Trick: Ostern 1998 "urbi et orbi" mit überfülltem Platz, verzückte, zum Teil exotische Gesichter in Zeitlupe. |
2.3 (1) Dokumentarisch
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Der Blick in den inzwischen fertiggestellten Petersdom, dessen enorme Baukosten letztendlich die Kritik der Reformatoren beflügelt, verdeutlicht das neue Selbstbewußtsein - mehr noch, das neue Selbstverständnis der Katholischen Kirche. Monstranz und Tabernakel, Weihrauch und Prozessionen, Engel und Chöre symbolisieren den wiedererstarkenden Katholizismus. Nach dem Vorbild des Petersdom symbolisieren die barocken Kirchen einen "himmlischen Festsaal auf Erden". Dieser Faszination kann sich der Barockmensch schwer entziehen und aus diesen effektvollen Quellen wird die Gegenreformation schöpfen. Architektonisch, musikalisch und rituell steht dieser Stil in krassem Gegensatz zu den eher asketischen Frömmigkeitsformen der Protestanten. Inhaltlich begründet der Katholizismus seine verschwenderische Kunst vor allem mit einer religiösen Absicht: Die Kunst soll überschwengliche Hingabe an Gott sein. |
Steadycam-Montage aus dem Inneren des Petersdom. Touristen füllen die Kirche und die Kamera verfolgt immer wieder deren Blicke, um zu den prächtigen Details der Innenausstattung zu gelangen. Kuppeln und Fresken erscheinen in dieser insgesamt dynamisch gehaltenen Sequenz. |
2.4 (1) Dokumentarisch
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Roms barockes Gesicht wird endgültig von Papst Urban VIII.geprägt. Rom ist nun die Kapitale der Christenheit, deren neu entworfene Verkehrsachsen, Brücken und Fontänen von Urban VIII. entscheidend geprägt werden. Papst Urbans Aufmerksamkeit konzentriert sich vor allem auf das Grab von Petrus und Paulus, das symbolische Herz der römischen Kirche. Kein anderer Papst legt solchen Wert auf die sichtbare Repräsentation geistlicher Macht. Sein Freund, der Künstler Gian Lorenzo Bernini, führt voller Perfektion aus, was die Kirchenhierarchie vordenkt. Die Kunst ist in diesem Konzept nur ein Programmpunkt. Als Antwort auf die Reformation entwirft Rom einen gewaltigen "Maßnahmenkatalog": Als "Gegenrefarmation" ist diese Reaktion in die Geschichtsbücher eingegangen. Und Ausgangspunkt dieses Geschehens ist nicht Rom, sondern die Stadt Trient. |
Flugaufnahmen Rom, die großen Straßen, dann der Petersdom. Überblendung auf das Grab von Petrus und Paulus. Langsam fährt die Kamera über den bronzenen Altarbaldachin. Die vier Nischen des Querschiffs mit den Statuen von Heiligen. Eine zeitgenössiches Abbild von Gian Lorenzo Bernini. Das Grabmal Berninis von Papst Urban dem VIII. zur Linken. Nah das Gerippe und der Tod. |
3. Der Ruf nach Erneuerung
3.1 (1) Dokumentarisch, Archiv
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Mit dem "Tridentinum" beginnt das, was man in der Geschichtsschreibung die "Gegenreformation" nennt. Kardinäle, Bischöfe und Theologen versammeln sich in der norditalienischen Stadt. Mit Unterbrechungen tagt das Trienter Konzil insgesamt 18 Jahre lang. Der erhoffte Dialog mit den Protestanten kommt aber nicht zustande. Die Protestanten erscheinen - trotz Einladung - nicht. Sie haben sich innerlich schon viel zu weit von der Papstkirche entfernt. So kommt es nicht zu einer Aussöhnung der Konfessionen. Aber das Konzil übt Selbstkritik und faßt umfangreiche Beschlüsse, um die "Reform an Haupt und Gliedern" voranzutreiben. Die wichtigsten Ergebnisse sind eine verstärkte Missionstätigkeit, die Anhebung des Bildungsniveaus der Geistlichen, der Kampf gegen die Verweltlichung der Klöster, die Reorganisation der Pfarreien und die sogenannte Residenzpflicht. Von nun an müssen alle Bischöfe ständig in ihrem Bistum anwesend sein. Der Ernst des Glaubens soll wiedergefunden werden. Vetternwirtschaft, Korruption und Verweltlichung der Geistlichen werden zurückgedrängt. Was für die praktische Umsetzung dieser Reform noch wichtiger ist: In diese Zeit fällt auch die Gründung eines neuen Ordens, der zum Sinnbild für das wiedererstarkte Selbstbewußtsein des Katholizismus und seine "Gegnerreformation" werden wird: die "Gesellschaft Jesu", oder kurz die "Jesuiten". |
Trient/Stadtansicht/Totale. Der Dom von außen. Wir betreten den Dom (Steadycam-Gang). Mit eingeblendeten, durch Zeitlupe verfremdeten Gegenwartsbildern des 2. Vatikanischen Konzils soll Aufwand und Prachtentaltung dieses "Weltereignisses" visualisiert werden. |
3.2 (45) Dokumentarisch
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Die Kirche Il Gesù in Rom, Hauptsitz des neuen Ordens. Sie gilt bis heute als eine der spektakulärsten Kirchen in Rom. Die äußerst prunkvolle Innenausstattung und ihr langes Innenschiff wurde zum Vorbild für zahlreiche Kirchen in ganz Europa. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wird es üblich, alle Kirchen, die wir heute als Barockkirchen bezeichnen, ausschließlich mit den Jesuiten in Verbindung zu bringen, so nachhaltig war die Wirkung, die von hier ausging. Reiche Verzierungen aus Silber, Bronze, Marmor und Lapislazuli formen ein Gesamtkunstwerk, dessen Eindruck gewaltig auf die Zeitgenossen wirkt. Man spricht von einer "genialen Süße" und lobt den "Reichtum der üppigen Inszenierung". Als Höhepunkt: das Deckengemälde "Triumph des Namen Jesu", dessen Farbenpracht und Wärme auf den ersten Blick einladend wirkt. Doch die Strahlen, die von dem Namen Jesu ausgehen, sollen nicht nur die Seligen ins Licht tauchen, sondern bedrängen auch die Verdammten. Hinter der jubelnden Leichtigkeit verbringt sich eine massive Drohung.... |
Überblendung von Außenansicht der Kirche Il Gesù, Rom. Fahrt an den Ignatius- Altar, Details links und rechts des Altars. Schwenk über die Kuppel. Das Deckengemälde "Triumph des Namens Jesu ". |
3.3 (2) Dokumentarisch
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Die weltliche Zentrale des Ordens in Rom, sozusagen in Rufweite des Vatikan. Das ist kein Zufall, denn der Orden - und das ist die Besonderheit - ist ausschließlich dem Papst unterstellt. Auch steht an der Spitze des Ordens nicht etwa ein Abt, sondern ein "General". Als päpstliches Kampfinstrument gegen den Protestantismus ins Leben gerufen, gelten die hochgebildeten, straff organisierten und effizienten "Soldaten der Gesellschaft Jesu" geradezu als Inbegriff eines kämpferischen Katholizismus. Als Speerspitze des katholischen Glaubens stellen sie Missionare, die den Glauben in alle Welt verbreiten sollen - mit allen zu Gebote stehenden Mittel. |
Amtssitz des Jesuitengenerals in Rom, außen. Wir betreten die Räume (Steadycamgang). Zeitgemäß eingerichtete Büros, in denen alles modern organisiert ist. Die Kamera erfaßt eine Fotografie, die eine Szene aus dem Missionsgebieten darstellt/Eventuell Missionsarchiv/Ein Pater blättert in alten Fotodokumenten aus der Missionsgeschichte des Ordens. |
3.4 (30") Dokumentarisch
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Die Gegenreformation hatte in den Jesuiten eine Elitetruppe, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte. Die "Soldaten Gottes" bedienen sich konsequent der drei bedeutendsten Machtmittel der Zeit: der Kanzel, des Beichtstuhls und der Schule. Als Inspiration und Ordensbibel dienen die Exerzitien ihres Ordensgründers Ignatius von Loyola. Meditation und Aktion liegen in diesem Orden eng beieinander. Und die strenge Anbindung an den "Vater Ignatius". Wer war dieser ehemalige Soldat, der sein Leben radikal änderte, um mit seinem neuen Orden die schlagkräftigste Waffe der Gegenreformation zu schmiede? |
Weiter in den Büros der Jesuitenzentrale/Montage verschiedener Büros/Ein schlichter Raum/ Kamera verdichtet auf ein Porträt des Ignatius von Loyola an der Wand. Davor ein Jesuit, der in die Exerzitien versunken ist. |
4. Vom Ritter zum Retter (1)
4.1 (50") Szenisch
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Kurzer Text über die biographischen Stationen des Lebens von Ignatius: Vom "Soldaten zum Diener Gottes". |
Verschiedene Darstellungen aus den Etappen des Lebens von Ignatius von Loyola/ Als Soldat, als Pilger und als Ordensgründer. |
4.2 (20'') Szenisch, Archiv
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Was mit der Pilgerreise zum Wallfahrtskloster Montserrat beginnt, wird die gesamte katholische Welt beeinflussen. Loyolas Verwandlung vom weltlichen Ritter in einen Diener Gottes kann nur aus seiner Zeit verstanden werden; die Art seiner Frömmigkeit ist Ausdruck seiner Epoche. |
Archivmaterial Montserrat: Durchblende Räder und Füße, die Pilgerreise des Ignatius |
4.3 (40) Dokumentarisch, Szenisch
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Während seiner Studien der Philosophie und Theologie in zahlreichen spanischen und französischen Universitäten findet er glühende Anhänger seiner geistlichen Übungen, die bis heute als "Exerzitien" praktiziert werden. Wie Jesus findet er eine Schar von Jüngern. Auch sie sollen im Handeln kontemplativ sein und zu "Dienern Gottes" werden. Im Morgengrauen des 15. August 1543 legen Ignatius von Loyola und seine Weggefährten ein Gelübde ab: Die Gründung der "Gesellschaft Jesu", die sich in den Dienst der Kirche und des Papstes stellt. |
Montmartre/ Schnelle Einzelschnitte von Lichtreklamen der Vergnügungsmeile; Gesichter der Menschen in Slow-Motion/ Kapelle des hl. Dionysius/Überblendung in Szene: Ignatius mit seinen Weggefährten bei einem feierlichen Gelübde. Sein Blick fixiert ein Kreuz, das bildfüllend erscheint und in der Überstrahlung eines weißen Lichts verglimmt. |
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So stellen sie sich in den Dienst von Papst Paul III., der ihre "Gesellschaft Jesu" 1540 als Orden anerkennt. Für den Papst kommt dieser tatkräftige Soldat Gottes genau im richtigen Moment. Eine schlagkräftige Waffe im Kampf gegen die abtrünnigen Protestanten! Methoden der "Rekatholisierung" werden entwickelt. Die Jesuiten nehmen auf Bildungswesen und den "Frömmigkeitsstil" in der Kunst, um das Volk zu gewinnen. Lehre des "Probabilismus" - "Der Zweck heiligt die Mittel". |
Schneller Kameragang durch den Vatikan |
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Ignatius sucht Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit des Lebens, wie er es in seinen "Constituiones" sagt. Ein Lebenswerk, dessen Original sich in der Bibliothek des Ordens befindet. Bis zum Tod des Ordensgründers umfaßt die streng hierarchisch gegliederte Gemeinschaft bereits 1000 Mitglieder. |
Original des Exerzitienbuches/Überblendung in: Grab des hl. Ignatius nahe der Kapelle "Maria della Strada". |
4.5 (30") Dokumentarisch
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Noch heute dienen die Soldaten Gottes ganz im Geiste ihres Gründervaters - wenn auch mit modernen Mitteln. Beispiel einer gegenwärtigen missionarischen Tätigkeit. |
Zentrale der Jesuiten in der Gegenwart/ Computerbildschirme und andere High-Tech Objekte/Ein Jesuit zeigt historische Fotografien der Missionsvorhaben, eventuell auch filmhistorisches Material |
5. Triumph der Kirche (5)
5.1 (30) Dokumentarisch
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Der Aufschwung der katholischen Kirche im Zuge der Gegenreformation zeigt sich vor allem in der Kunst: Die Präsentation des Glaubens als prächtige Inszenierung. Auch außerhalb Roms wird die Kirche zum eifrigsten Förderer von Kunst und Architektur, deren verschwenderischer Aufwand sprichwörtlich geworden ist. Goldene Engel, überladene Dekors. Alles schwelgt im neuerstarktem Selbstbewußtsein. Nie wieder wurden derartige Mengen von Geld in die Ausstattung der Kirchen gesteckt. |
Flugaufnahmen über eine bayrische Landschaft/ Zufahrt auf eine kleine, barocke Kirche. Insgesamt idyllische Anmutung, Kirche von innen, barocke Engel in Gold, die im ähnlichen Tempo wie die Flugaufnahmen gefilmt werden. |
5.2 (1) Dokumentarisch (Klosterkirche Hl. Benedikt, Altfelden)
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Vor allem das Gold ist der Ausdruck strahlender Heiligenverherrlichung. Wie geblendet soll der Gläubige die Herrlichkeit Gottes wahrnehmen und die Kirche ist mehr denn je der Ort auf Erden, der dem Himmel am nächsten ist. Der Triumph der Kirche läßt die Bischöfe zu ehrgeizigen Bauherren werden. Stuck, ein leichtes Material, gut verformbar und billiger als Marmor, ist das am häufigsten verwendete Baumaterial. |
Restaurateure heute bei ihrer Arbeit, eine Hand groß, die mit Blattgold hantiert, zart bewegt sich der Goldstreifen in der Thermik des Raumes, Überblendung in die Herstellung von Blattgold, Stuck wird in einer Wanne angesetzt, Detailarbeit an einem Engel, das Lächeln des Engels groß. |
5.2.1 (1) Dokumentarisch (Kloster Melk, Österreich)
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Nur unter großen finanziellen Aufwand lassen sich die kapriziösen Formen heute wiederherstellen. Wenige Spezialisten verstehen sich auf die alten Handwerkstechniken. Damit die vierhundert Jahre alten Engel wieder lächeln, sind zahlreiche Arbeitsschritte notwendig. |
Beispiel für gelungene Restaurierung: Kloster Melk in prachtvollen Überblendungen mit zeitgenössischer Musik |
6. Das spanische Jahrhundert
6.1 (25") Dokumentarisch, Archiv (Spanien)
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Als unerschütterliche Bastion strengen Glaubens gilt Spanien bis heute als eines der katholischsten Ländern Europas. Die Inquistion wütet hier noch heftiger als in anderen Länder, und als mächtiger Gegenreformator Europas regiert Phillip II. ein reiches Land, dessen geistiges und weltliches Zentrum in der Hochebene Kastiliens entsteht: El Escorial. |
Feuer und historische Darstellungen verblendet/ Goyas Zyklus der Inquisition (AKG)/Offene Landschaft Kastiliens/Schäfer auf Pferd/Schwenk zum Escorial vom "El Horizontal"- Aussichtspunkt gefilmt. Phillip II. in zeitgenössischen Darstellungen. |
6.2 (30") Dokumentarisch (Spanien)
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Als das spanische Heer in Saint Quintin über die Holländer siegt, löst Phillip II. sein Sieges-Gelübde ein und errichtet dem Märtyrer Lorentius ein Kloster, dessen Bau am 23. April 1563 beginnt. Über zwanzig Jahre dauern die Bauarbeiten und nach und nach werden die Gebeine der spanisch-habsburgischen Dynastie in die Krypta transportiert. Wie in einem Mausoleum regiert der spanische Herrscher im Escorial. Das "Goldene Zeitalter" der spanischen Herrschaft speist sich aus den unermeßlichen Reichtümern jener fernen Länder, die Christopher Kolumbus einst entdeckt hatte. Die katholische Religiosität und das spanische Lebensgefühl lassen sich noch heute in der festlichen Fronleichnamsprozession von Camunas wiederfinden. |
Schlachtengemälde aus Pinakothek Escorial/Pantheon der Könige real/Die Kamera schwenkt im Kreis an den goldenen Särgen vorüber. |
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Stolz und Glaube, Himmel und Hölle, Tugend und Laster. Diese Gegensatzpaare vereinigen sich noch heute im Spektakel der Fronleichnamsprozession in Camunas, in einem Ort südlich von Madrid. Calderons "Auto Sacramentales", kirchliche Erbauungspiele für das einfache Volk, leben in der Tradition dieser Feste fort. Der Kampf zwischen Sünde und Tugend als Spektakel - heute für die angereisten Touristen. Als religiöses Massenspektakel erzählen die Figuren immer noch die alte Geschichte von Verführung und Widerstand, von Glaube und Unglaube. Auf diese beeindruckende Weise reflektiert noch heute diese feierliche Prozession den historischen, schwelenden Konflikt zwischen Katholizismus und Protestantismus. |
In der Stadt Camunas: Fronleichnamsprozession/Handkamera/ Kirche innen: Der Pfarrer reckt die Hostie zum Himmel/Portal außen: Es tanzen die "Sünder" (Los Pecados) Handkamera geht in die Prozession und erfaßt die Gesichter von Zuschauern und Masken/Der "Carne" feuert wild mit einer Pistole in die Luft/Maskierte Unholde poltern gegen das Kirchenportal/Das Allerheiligste wird durch die Menge getragen/Montage taumelnder Tänzer/Es wird langsam Nacht (Stopptrick von einem Balkon aus) Kurzes Schwarz/Überblendung |
6.4 (45") Repro (Papirowski: untergehende Armada klammern)
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Der katholische Glaube ist in Spanien so tief verwurzelt, daß es keinen Bereich gibt, der nicht davon berührt wäre. Doch das Modell dieser alten Religiosität ist in weiten Kreisen Europas längst überholt. Die konservative Politik Phillip II. muß scheitern, wie Tizians Gemälde andeutet. Der Untergang der spanischen Armada vor England markiert eine Wende in der spanischen Geschichte. Ein letztes Aufflammen der Inquisition kann die Vormachtstellung Spaniens nicht aufhalten. Noch bleiben die Schätze aus Übersee ein Unterpfand für die Machtposition Spaniens und die Missionare verkünden glühend ihre katholischen Glaubenssätze. Im übrigen Europa aber verändert sich bereits die Religionslandschaft grundlegend. |
Bild von Tizian: Spanien kommt der Religion zu Hilfe/Allegorische Darstellung einer kraftstrotzenden Spanierin, die einer sichtlich erschöpften Gestalt Mut und Zuversicht bringt/Montage aus brennenden Schiffen. |
7. Der Protestantismus (3')
7.1 (30) (?Hamburg?)
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Die Frömmigkeit der Protestanten lehnt allen weltlichen Pomp ab. Karg und einfach sollen die Kirchen ausgestattet sein. Nichts soll vom wahren Glauben ablenken. |
Das Innere einer protestantischen Kirche in ihrer Einfachheit. Eine Kerze brennt. |
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Im Norden Europas bestimmt vor allem der aufkommende "Welthandel" das neue Lebensgefühl. Freie Hansestädte formieren ein neues Bürgertum, das selbstbewußt auftritt. Die protestantische Theologie lehnt jede Bindung göttlicher Gnade an menschlichen Einrichtungen wie Papsttum oder Priesterstand ab. Zweifel an der kirchlichen Tradition und am "Wort Gottes" in der Bibel charakterisiert diese Glaubensrichtung. Luther und Calvin's Lehren bilden die Grundfeste, deren offene Revolte gegen das römische Papsttum auf Eigenständigkeit abzielt. Die Reform der Kirche schafft nun eine wirkliche Erneuerung, während die Katholiken vor allem ihre Missionstätigkeit ausweiten. Die gewöhnlichen Leute bekommen ein Gefühl dafür, daß vor allem sie im Evangelium gemeint sind. "Es ist ein Irrtum, ja sogar eine Häresie, das Ausüben der Frömmigkeit aus der Kompanie, dem Hof des Fürsten und aus dem Haushalt der Eheleute verbannen zu wollen" äußern Protestanten der Zeit und kennzeichnen damit die Botschaft: Christentum hat mit dem Alltag zu tun! |
Alte Darstellung der Hanse /Fahrt an alten Handelskontoren entlang. Bilder von den "Pfeffersäcken", Speicherstadt Hamburg/Marktszenen und Gesichter der Händler in Großaufnahme |
7.3 (130) Dokumentarisch
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Erklärung des Protestantismus und Katholizismus anhand unterschiedlicher Beispiele im Innern der Kirchen (Kanzel, Altar, Tabernakel, Bibel, Beichtstuhl). Der "Geist" der Konfessionen ist in der äußeren Repräsentation festzumachen. |
Montage aus Kirchenräumen der beiden Konfessionen. Musikakzent jeweils im Wechsel. Zwischen katholischen und protestantischen Interieur. |
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Und es ist vor allem der Handel, der zu einer neuen Sicht der Welt führt. Ob merkantiles Interesse oder spirituelle Erneuerung: Diese Grenzen werden in einer Gemeinschaft fließend, die gerade dabei ist, in eine "Neue Welt" aufzubrechen. |
Hamburger Hafen, das "Tor zur Welt"/ Ein Schiff zieht in Nahaufnahme an der Kamera vorbei. |
8. Die Neue Welt (9)
8.1 (2) Dokumentarisch, Archiv, Trick
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Es ist der Druck konfessioneller Gegensätze, der den "Schmelztiegel" zum Überlaufen bringt. Im September 1620 verlassen 18 Familien vom englischen Plymouth aus ihre Heimat und segeln in eine Welt, von der schon Kolumbus Sagenhaftes berichtet hatte, und in der sie auf Befreiung ihrer religiösen Einstellung hoffen. Den mutigen Auswanderern steht eine lange und entbehrungsreiche Schiffspassage bevor. Sie selbst nennen sich "Pilgrim Fathers", eine Art biblischer Bund von Menschen, deren religiöse Ideale nun endlich verwirklicht werden sollen. Aus den Dokumenten der ersten puritanischen Siedler in Nordamerika, die noch erhalten sind, spricht Euphorie: "Man war in die Wildnis geflogen. Gott hatte die Herzen zum Fliegen gebracht". Tatsächlich war die gefährliche Reise über den Atlantik jedoch weniger poetisch und die ersten Siedlungen an der nordamerikanischen Küste waren äußerst primitiv. |
Das Meer, hoher Seegang, Überblendung in eine Seekarte, die sich von Europa nach Amerika bewegt. Einblendung eines Mayflower-Nachbaus, die originale Passagierliste zieht über das Bild. Close-Ups von Puritanern, die hoffnungsvoll in die Ferne blicken, die nordamerikanische Küste, eine alte Siedlung: Hobbomack bei Boston, primitive Holzrundbauten hinter Palisaden verschanzt, alles wirkt sehr ärmlich. Szenen aus dem Museum in Boston, die alle typischen Geschehnisse jener Zeit darstellen. Darsteller in Originalkostümen stellen das Leben der frühen Siedler originalgetreu nach. |
8.2 (40") Repro, Archiv
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Die Landschaft ist wild und wirkt auf die Siedler bedrohlich. Die Euphorie ist schnell vorüber. Noch im Oktober 1621 feiern die Siedler gemeinsam mit den ansässigen Indianern ihren Thanksgiving Day. Doch schon bald mündet die friedliche Koexistenz im Kampf ums Überleben. |
Totale der Siedlung Hobbomack im Plymouth-Plantation-Museum Boston. Eingeblendet eine Genreszene "Thanksgiving Day". Katen aus Reisig und Stroh, ein schwaches Feuer kokelt rauchig vor einer Kate, die Menschen sehen aus wie Wilde. Siedler beim Jagen und Kochen, ein Palisadenzaun wird gebaut, Blendsequenz: Siedler werden von Indianer überfallen. Historische Darstellungen von Indianer. |
8.3 (15) Repro-Montage
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Immer wieder kommt es zu Überfällen. Um sich davor zu schützen, verschanzen sich die Siedler hinter Palisadenzäunen, doch dieser Schutz ist nicht immer erfolgreich. Es kommt zu grauenhaften Massakern. Vereinzelt kann man sich mit den Ureinwohnern arrangieren, doch dieser Konflikt wird noch über ein Jahrhundert die Siedler, aber noch nachhaltiger die Ureinwohner, beschäftigen. Nur wenige Indianer überleben diese schrittweise Invasion der Siedler. Mit der Eroberung des Westens verschwindet ihre Gesellschaft bis auf wenige Reservate. Auch das ist ein Ergebnis des konfessionellen Konflikts in Europa. |
Historische Darstellung von Kämpfen zwischen Siedlern und Ureinwohnern. |
8.4 (130)
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Schon 1640 setzt eine beispiellose Einwanderungswelle nach Neu-England ein und die Grenzen der Siedlungen werden immer weiter in das gefährliche Landesinnere verschoben. Wie Fremdlinge leben sie weit ab der europäischen Welt, bewahren aber europäische Tradition und Glaube. Sie wähnen sich auserwählt, als Volk Gottes, das wie die Israeliten aus der Knechtschaft fliehen konnte. John Cotton, einer der führenden Puritaner jener Zeit, betrachtet die Auswanderung als einen "himmlischen Übergang von der verderbten zur reinen Kirche". Eifrig predigen die Geistlichen die puritanischen Werte von der Kanzel: Der Mensch ist sündig und nur die Allmacht und Gnade Gottes kann ihn retten. Buchstaben genau wird das Neue und Alte Testament ausgelegt. Nur was in der Bibel geschrieben steht, zählt. Und alles, was geschieht, folgt dem göttlichen Plan. Die sogenannte Prädestination, die Vorbestimmtheit des Menschen, läßt keinen Spielraum. Wer sündigt, muß gebrandmarkt werden. Eine Law and Order - Gesellschaft entsteht. |
Eine Kirche gefüllt mit Siedlern. Ein Prediger ereifert sich, als Kanzel dient eine kleine Bank, gebannt lauschen die Puritaner ihrem geistlichen Führer. Dann Siedlung außen, Szenen mit Handwerkern: Schmied, Sattler ad.lib. Durchgeblendet werden die hist. Darstellungen, der "Gründungsväter" religiös-reformatorischer Gemeinschaften: William Penn, Roger Williams, John Cotton u. s.w... |
8.5 (20) Archiv
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Aber diese Frömmigkeit ist auch der Grund für den wirtschaftlichen Erfolg der Neuen Welt. Der Merkantilismus feiert Triumphe und er tut dies auch im Zeichen der Religion. "Wirtschaftlicher Erfolg resultiert auch aus der Gnade Gottes", so der neue Glaube. Diese Melange aus Glaube und irdischem Segen gilt bis heute. |
Börse von New York darüber geblendet ein amerikanische Gottesdienst/ verzückte Gesichter/ Das Einsammeln von Geld/Fernsehpredigt Flug über das nächtliche New York/ |
8.6 (20)
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Barocco - das Vielfältige - Ausdruck für ein zerrissenes Zeitalter, in der Neuen Welt ebenso wie in der Alten. Beginnende Aufklärung konkurriert mit mittelalterlicher Tradition, Protestantismus mit Katholizismus. Neue Wissenschaft mit altem Aberglauben. Und "manches bäumt sich auf bevor es untergeht", wie es in einem Gedicht des Barockdichters Gryphius heißt. |
Perlenmetapher wie 1.1. Mehr Perlen, die abstrakt dem Betrachter entgegenkullern. Großaufnahmen Perlmutt/Schnelle Schnittfolge der unregelmäßigen Struktur der Perlen. |
9. Gott und der Teufel (2)
9.1 (45") Dokumentarisch, Archiv
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Vor allem für die Menschen auf dem Land vermischt sich der Glaube immer noch mit Aberglaube. Hier ist die Natur beseelt von übernatürlichen Kräften, denen man hilflos ausgeliefert ist. Ein schlechtes Jahr, und der Hunger entvölkert weite Gebiete Europas. Der Teufel, so glaubt man vielerorts, vernichte ganze Landstriche. Phantasien vermischen sich mit christlichen Überlieferungen. Schon bei Paulus - im Brief an die Epheser - werden verschiedene Luftdämonen erwähnt, die für Pestilenz, Hungersnöte und Krankheiten verantwortlich sind. Die Apokalypse des Johannes predigt den Untergang der Welt. Solche Überlieferungen sind jetzt - in der spürbaren Krise - wieder aktuell. Glaube und Aberglaube vermischen sich zu einem Weltbild, in dem Himmel und Hölle gleichzeitig existieren. |
Himmel und Landschaft - im Gewitter. Weites Feld, im Himmel erscheinen zeitgenössische Darstellungen von Dämonen, Blitze durchzucken die Bilder, Staccato der Dämonen, Donner ist deutlich zu hören, ein Kreuz erscheint sehr kurz im gleißenden Zucken der Blitze. |
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"Schweine von rechts, bedeuten schlechts, Schweine zur Linken, swird Freude dir winken". Das Schwein als Orakeltier oder "rote Sau", die den arglosen Wanderer mit feurigen Augen verfolgt. Die Vorstellungen vom Teufel in Schweinegestalt sind zahlreich und fast jede Provinz besitzt ihre eigenen Mythen. Die Bauern fürchten das Tier, obwohl es sie ernährt. Immer ist man den Kräften des Bösen ausgeliefert. Selbst das Kreuz - zentrales Symbol des christlichen Glaubens - besitzt magische Kräfte. An Wegkreuzungen und in Wein eingetaucht gilt es als Heilmittel gegen lebensbedrohliches Fieber. Bis heute finden sich die Hinweise des Volksglaubens in den Wohnungen der Bauern. Wie gelähmt starren die Menschen des Barock auf Zeichen ihrer Welt, die schön und schrecklich zugleich sind. Die großen Umwälzungen erleben die armen Bauern als eine unendliche Kette des Bösen, eine Bilanz des Schreckens, die schlimmer nicht sein könnte. Zitat Gryphius. Hinweis auf Barockliteratur. |
Eine typisch ländliche Küche. Durch den Widerschein des Mondes liegt das Fensterkreuz als Schatten auf der weiß getünchten Wand. Ein Bauer liest oder besser gesagt versucht zu lesen, aus einem historischen Buch des Aberglaubens. Linkisch fahren sein Finger über die Zeilen, er ließt nur langsam den Text. Dabei fährt die Kamera durch den Raum und zeigt Objekte, die auf ein animistisches und abergläubisches Weltbild schließen lassen: Ein gesticktes Schwein. (Volkskunde - Museum, eventuell andere Beispiele von Volksfrömmigkeit dieser Zeit) |
10. Friedrich von Spee
10.1 (25") Szenisch, Repro
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Der Hexenglaube, das Ergebnis einer desorientierten Religiosität, die sich mit dem Wunderglauben der Zeit vermischt. Eher ein gesellschaftliches Phänomen als ein Kirchliches. Selbst bei den Jesuiten war man in der Hexenfrage geteilter Meinung. Es gab Jesuiten, die sich eindeutig gegen die Hexenprozesse aussprachen. Eine rege Diskussion entbrannte vor allem um ein Buch: die "Cautio Criminalis", das von einem anonymen Autor 1631 verfaßt wird. Doch in kirchlichen Kreisen wußte man bald, wer der Verfasser ist: Der Jesuit Friedrich von Spee. Geschickt hatte er als Anonymus die Ordenszensur umgangen. |
Historische Darstellung Scheiterhaufen; Flammen überblenden /Schreiende Münder/Rückfahrt aus der Szene und ein Buch erscheint/ eine Hand klappt das Buch zu und der Titel ist zu erkennen |
10.2 (30") Szenisch
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Eine rational einleuchtende Erklärung für den Hexenwahn ist heute schwer zu finden. Aber zweifellos ist er ein Reflex auf die Verwirrung der Zeit, ein letztes Aufbäumen mittelalterlicher Vorstellungen. Nur wenige Zeitgenossen - wie Friedrich von Spee - lehnten sich gegen diesen Wahn auf. Der Jesuit Spee sucht die angeblichen Hexen im Kerker auf, bittet um die Erlaubnis bei den Verhören anwesend zu sein und wendet sich gegen die Brutalität sadistischer Henkersknechte mit den wehrlosen Frauen und Männern. |
Kerkerszene/ lautes Schreien/ vor einer Frau kniet ein Priester (von Spee) dessen Gesicht nicht zu erkennen ist. |
10.3 (30") Szenisch
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Nur "die helle Vernunft" zählt für Spee. Und die ist für ihn eine "Gabe Gottes". "Die Nächstenliebe verzehrt mich und brennt wie Feuer in meinem Herzen; sie treibt mich an, mich mit vollem Eifer dafür ins Mittel zu legen". Aus Ordensraison wagt er es nicht, die Existenz von Hexen zu leugnen; schließlich hätte man ihn selbst dafür verfolgt. Aber er wendet sich gegen die Möglichkeit einer "Hexenbuhlschaft". An Bessesenheit glaubt er nicht. Friedrich von Spee ist einer der Menschen des Barocks, der seinen Glauben in Übereinstimmung mit seinem Denken zu Dringen sucht. Er ist ein Vor-Aufklärer, dessen Werk bereits ein neues Zeitalter andeutet, und gerade in seiner Person wird geistige Durchmischung der Barockepoche mit Herkömmlichem und Revolutionär-neuem sinnfällig. Wie auch in einer ganz anderen Person, deren Name bis heut geradezu zum "Markenbegriff" für die Katastrophe schlechthin geworden ist: Nostradamus |
Eine Druckerwerkstatt/ Hantieren mit dem Druckstock/ Der Priester entfernt ein Blatt und beginnt zu lesen |
10.4 (30") Dokumentarisch
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Die Verwirrung der Zeit findet ihren endgültigen Ausdruck in der der Gestalt eines geheimnisvollen Mannes, der in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts in Südfrankreich ein Buch verfaßt, das einzigartig ist. Nostradamus "Prophezeiungen". Ein Werk, das mit seinen Weltuntergangsphantasien die Stimmungen seiner Zeit bündelt. Daß ein selbsternannter Prophet massiven politischen Einfluß gewinnt, ist nur den Unsicherheiten jener Epoche zu erklären. In der französischen Königin, Katharina von Medici, findet Nostradamus eine Anhängerin, die in ihrer Ratlosigkeit politische Entscheidungen von Weissagungen abhängig macht - und die sich immer mehr in den schwelenden Konflikt zwischen Katholiken und Evangelisten verstrickt. |
Prophezeiung des Nostradamus im Original/Kurzzitate aus der Apokalypse/ Biographische Stichworte zu Nostradamus |
10.5 (15") Dokumentarisch
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Der politische und gesellschaftliche Konflikt, den Katharina von Medici auszuhalten hat, zerreißt das Land und treibt es in einen schrecklichen Bürgerkrieg: Der Kampf zwischen Katholiken und "Hugenotten", den französischen Protestanten. |
Szenisch: Katharina von Medici in ihrem Schloß und auf ihrer Reise zu Nostradamus nach Südfrankreich |
10.6 (1) Dokumentarisch, Repro
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Die Verfolgung Andersdenkender feiert vor allem in Frankreich blutige Triumphe. In der Bartholomäusnacht vom 23. Zum 24. August 1572 werden in Paris Tausende von französischen Protestanten, nach ihren typischen Hosen "Hugenotten" genannt, auf Befehl der katholischen Katharina von Medici ermordet. Am Ende dieses Pogroms flüchten die Refuges nach Holland oder in den deutschen Norden, wo man ihnen die Religionsfreiheit garantiert. |
Darstellungen der Bartholomäusnacht und Flüchtlingsbilder erscheinen verblendet/Reproduktion: Francois Dubois dAmiens ect. |
10.7 (1) Dokumentarisch, Trick
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500 grausam verfolgte Hugenotten flüchten vor allem nach Holland. Die Niederlande haben sich, nachdem sie sich von ihren spanischen Besatzern und Peinigern befreien konnten, zu einem toleranten Zufluchtsort der Verfolgten entwickelt. Das Haus Oranien gehört dem protestantischen Bündnis an und ist mit den radikalen Calvinisten verbunden. Die friedliche Koexistenz mit Calvinisten, Katholiken, unerbittlich antichristlichen Rationalisten und weiteren Minderheiten wird Holland zu einem Refugium großer Geister machen. Die Vermächtnisse der alten Meister legen bis heute beeindruckendes Zeugnis ab für die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der Niederlande. |
Über Flüchtlingstrecks geblendet eine historisierte Karte der Route nach Holland. Dann wird die Inszenierung zugunsten zeitgenössischer Darstellungen niederländischer Darstellungen weggeblendet, die vorliegenden Bilder werden wie reale Einstellungen benutzt, also auch Details und Schwenks und mit realer Atmo unterlegt. |
10.8 (30) Dokumentarisch, Repro, Archiv
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Doch noch steht, die endgültige Katastrophe dieser Epoche bevor: Die Steigerung und Explosion des schwelenden Konflikts zwischen den Konfessionen: Der 30jährige Krieg. |
Impressionen der bedeutendsten Ölgemälde, von Rubens und van Dyke, unkommentiert, nur mit Musik unterlegt. |
11. Der Dreißigjährige Krieg
11.1 (15") Dokumentarisch
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Ein Naturidyll bei Ulm ist zugleich eine Erinnerung an die schrecklichen Kriegsgreuel. Hier befand Anfang des 17. Jahrhunderts noch die pulsierende Handelsstadt. |
Kahle Landschaft bei Stuttgart. Ein Feld, über das ein Traktor fährt. Verlassenes Naturidyll. |
11.2 (1) Dokumentarisch
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"Wüstungen" nennt der Fachmann diese spärlichen Reste von verschwundenen Dörfern und Städten, von denen oft der Name blieb. Im Zeitraum von 1618 bis 1648 wütet der Krieg mit unvorstellbarer Brutalität, und ein Drittel der gesamten Bevölkerung werden ausgelöscht. Fakten aus der archäologischen Forschung. Reste der einstigen Kultur. Am Anfang der Apokalypse, die über Vöhingen und über hunderte von anderen Orten kam, stand ein eher banales Ereignis: |
Archäologen bei der Arbeit unweit des Feldes. Ausgräber stoßen auf Zeugnisse der einstigen Stadtkultur. Luftaufnahmen zeigen die Umrisse der Siedlung. |
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Ein Fenstersturz, der Beginn der Katastrophe. |
Historische Darstellungen vom Prager Fenstersturz/ starker Musikakzent |
11.3.1 (1) Trick, Repro, Archiv
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Europa ein Kessel, der überläuft: Der Protestantismus hat sich unaufhaltsam verbreitet - trotz aller Bemühungen der Gegnerreformation. Alle Versuche, eine Kirchenspaltung zu verhindern, sind fehlgeschlagen. Jetzt greifen die verfeindeten christlichen Parteien zu den Waffen. In Deutschland fallen protestantische und katholische Fürsten übereinander her. Dieser Krieg stellt alles in den Schatten, was bis dahin an Katastrophen über Europa hereingebrochen war. Der Krieg, der sich "selbst ernährt" - durch Brandschatzung und Plünderung - zeitigt verheerrende Ergebnisse: Die unterbezahlte Soldadestka beraubt ganze Landstriche ihrer Lebensgrundlage. Hunger und Seuchen sind die Folge. Als der Krieg endlich mit dem Westfälischen Frieden endet, ist dem großen Schlachten um Land, Macht und Glauben ein Drittel der deutschen Bevölkerung zum Opfer gefallen. Daß es den Gegnern dabei längst nicht nur um den echten Glauben geht, zeigt ein Blick in einen originalen Brief Kaiser Ferdinands an den Feldherrn Wallenstein: "Es wird seiner Liebden beflissen, durch sanfte politische Mittel die Gemüter zu gewinnen.... Vornehmlich daß er den Vorwand der Religion, dessen sich unsere Feinde am allermeisten zu Verdeckung ihrer rebellischen Anschläge und Interessen meisterlich bedient haben, soviel wie möglich benehmen möge." Der politische Zweck heiligt wieder einmal die Mittel, auch die religiösen... |
Durchblende aus der vorherigen Szene in eine Karte, die eine Trennung in katholischen und protestantische Gebiete zeigt. Eine Montagesequenz "Chronologie des Schreckens". (Callot-Stiche "Misère de la Guerre"). Auf einer zweiten Bildebene erscheinen inszenierte Sequenzen, Soldaten, Feuer, Verwüstung. |
11.4 (40") Trick
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Die europäische Landschaft nach der Schlacht: Mit dem Westfälischen Frieden 1648 ist Europa endgültig in ein katholisches und ein protestantische Lager gespalten - eine Ordnung, die bis heute nachwirkt. Während die Mittelmeerländer und Frankreich katholisch bleiben, bekennt sich ganz Nordeuropa zum Protestantismus. Durch das Deutsche Reich verläuft die Demarkationslinie zwischen den Konfessionen. Von einigen Ausnahmen abgesehen, bleibt der Süden katholisch, der Norden und Osten protestantisch. |
Eine historisierende Landkarte. Die Kamera fährt die in der Karte angesprochenen Länder und Regionen an. Durchblende: Originalbild Westfälicher Friede |
11.5 (20) Szenisch
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Gewinner des Krieges sind die Franzosen, die Schweden und die protestantischen Fürsten. Die reformierte Kirche in Deutschland ist nun anerkannt. Verlierer aber sind dennoch die Untertanen. Die Fürsten ihrer Länder bestimmen ihre Religionszugehörigkeit: "Cuius regio, eius religio". Und die politischen Moden wechseln..... |
Ochsenkarren werden beladen, Familien rüsten sich für den Aufbruch, Abschieds-szenen inmitten der noch qualmenden Trümmer. |
11.6 (10) Szenisch
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Die wechselnden Pfälzer Fürsten zwingen ihre Untertanen gleich sechsmal zu einem anderen Bekenntnis. Wer sich nicht fügt, muß das Fürstentum verlassen. Für religiöse Toleranz ist die Zeit noch nicht reif. Ein Zeitzeuge: "Es bleibt also nichts anderes übrig, als Deutschland...einen unregelmäßigen und einem Monstrum ähnlichen Staatskörper zu nennen, der sich im Laufe der Zeit durch die träge Nachgiebigkeit der Kaiser, durch den Ehrgeiz der Fürsten und der Ruhelosigkeit der Pfaffen aus einer Monarchie zu einer so ungeschickten Staatsform umgestaltet hat." |
In Szene eingeblendet: Blatt Papier, auf das geschrieben wird: Cuius regio eius religio / Einblendung verschwindet wieder. |
Inseln der Toleranz, Paul Gerhardt, Bach
11.7 (15) Dokumentarisch, Trick
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Bemerkenswerte Inseln der Toleranz entstehen dennoch dort, wo bereits der neue Geist der Aufklärung sanft zu wehen beginnt. Auf Einladung des Kurfürsten Friedrich von Brandenburg, zugleich Herzog in Preußen, suchen 20.000 Hugenotten Zuflucht in seinem Kurfürstentum. Sie werden mit ihren neuen Ideen und er Energie von "Gründungsväter" eine wirtschaftliche und geistige Blüte einleiten. |
Überblendung auf historisierte Karte der Flüchtlingswege, die Trecks tauchen wieder auf. Karte wird zugunsten eines Briefbogens weggeblendet, auf den die Einladung des Kurfürsten geschrieben wird. |
11.8 (1) Dokumentarisch
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Einige Melodien für Gerhardts Kirchenlieder hat Johann Sebastian Bach komponiert. Seine bedeutendsten geistlichen Werke schuf der pietistische Lutheraner hier in der Leibziger Thomaskirche als Kantor. Bachs Zeitgenossen finden an seinen Kompositionen allerdings weniger Gefallen als an dem virtuosen Orgelspiel und der Improvisationskunst des Thomaskantors. Denn seine Arbeiten sind anspruchsvoll, verlangen musikalische Bildung und entsprechen nicht dem vorherrschenden galant - gefälligen Stil der Zeit. Die Pflege der Kirchenmusik ist bei den Protestanten sehr ausgeprägt und die Komponisten der Kirchenlieder sind heute noch bekannt. |
Anfangsszene: Bachs Hand. Er intoniert die Matthäuspassion mit dem Thomanerchor in der Leibziger Thomaskirche. Gesicht beim Dirigieren groß, Sänger groß. Dann dokumentiert die Kamera durch Großeinstellungen der Holzbänke, des Altarraums und des Bodens die Kargheit des Gotteshauses. |
11.9 Dokumentarisch
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Neben Martin Luther ist es vor allem Paul Gerhardt, dessen Kirchenlieder noch gesungen werden. Als Dichter und "Mann Gottes" - wie er sich selber beschrieb - lebt er Anfang des 17. Jahrhunderts in einer Zeit, in der sich der Protestantismus in zwei Lager spaltete: Lutheraner und Reformierte. Erbittert bekämpften sich in diesem Kanzelstreit die beiden Parteien und die lutherische Hierarchie hebt sich ab vom gemeinen Volk der Gläubigen. Paul Gerhardt sucht jedoch einen dritten, eigenen Weg, der von eigenen, ganz privaten Ereignissen geprägt ist. Der Verlust seiner Frau muß ihn am meisten getroffen haben und die Konzentration auf den Glauben bringt Lieder hervor unter denen vor allem " Befiehl du deine Wege" bis heute gesungen wird: Befiehl du deine Wege/und was dein Herz kränkt,/der allertreuesten Pflege/ des, der den Himmel lenkt. / Der Wolken, Luft und Winden/ gibt Wege, Lauf und Bahn, / der wird auch Wege finden, / da dein Fuß gehen kann. Eventuell Einschub: "Pietismus" |
Ein Bild von Paul Gerhardt/Überblendung in ein brandenburgische Landschaft/ subjektiver Gang auf eine Kanzel/ Totale der Kirche: Ein Chor beginnt "Befiehl du deine Wege" zu singen. Überblendung in eine Sequenz von Bibelstellen: Psalmen/ |
12. Die profane Macht (5)
12.1 (2) Szenisch, Dokumentarisch
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Wenn der Sonnenkönig des Morgens erwacht, dann ist der ganze Hofstaat gefordert. Ludwig XIV. hat den gesamten Adel politisch ausgeschaltet, bietet den 10.000 Vertretern der Aristokratie aber komfortable Wohnstätte im Schloß Versailles und kurzweilige Betätigung in der Komparserie für das tägliche wohlinszenierte Hofzeremoniell zu seinen Ehren. Der Absolutismus ist auf seinem Höhepunkt angelangt. Puder und Parfum: In diesem Dunstkreis inszeniert sich die weltliche Elite. Parfüm - das ist auch weil ein Symbol für die Zeit des Barocks: "Altes" wird mit "Neuem" einfach überdeckt, ohne daß es zu einer wirklichen Auflösung der Gegensätze kommt. Gestank und Ausdünstungen verschwinden hinter einer Fassade von Düfte, deren Intensität rauschhafte Züge gewinnt. Nichts spiegelt das barocke Lebensgefühl des Adels besser wider als die scheinbare Leichtigkeit des Lebens im Dunstkreis des absolutistischen Herrschers. Das höfische Leben von Versailles findet in ganz Europa begeisterte Nachahmung. |
Überblendung auf Schloß Versailles/außen. Das Lager des Sonnenkönigs. Er erwacht und wird sofort von seinem Hofstaat umsorgt. Details des höfischen Zeremoniells: das Aufsetzen der Perücke, das Ankleiden (szenisch). Der Griff zur Parfümflasche. Puderstaub.. Impressionen der prächtigen Räume, Spiegel etc. Die Sonne strahlt durchs Fenster auf Ludwig XIV. |
12.2 (1) Szenisch
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Es ist die Angst vor dem Wasser, die typisch für die Zeit des Barocks ist. Man glaubt, das die Haut nur eine durchlässige Schicht sei. Das Wasser bringt Krankheiten in den Körper und die Angst vor den häufigen Epidemien gilt als Ursache dieser Besonderheit. Als zusätzlichen Schutz vor der unsauberen Luft hält man ständig ein parfümiertes Tuch vor den Mund. Doch die Schauermärchen über die hygienischen Bedienungen am Hof des Sonnenkönigs verdanken wir vor allem einer Person, die als Augenzeuge anwesend war. Liselotte von der Pfalz. |
Ein Lakai bringt eine Schale mit Wasser. Nah die Hand des Sonnenkönigs. Sie wird vorsichtig mit Wasser benetzt. Es folgen Füße und dann das Gesicht. Der König hält sich ein Tuch vor den Mund |
12.3 (1) Dokumentarisch
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Die eindrucksvollsten Sittengemälde haben wir der Schwägerin des Sonnenkönigs, Liselotte von der Pfalz zu verdanken. Sie sendet rund 60.000 Briefe aus Versailles in alle Welt, von denen etwa 10.000 erhalten sind. Selbst über das Verhältnis Ludwig XIV zu seinen zahlreichen Mätressen werden wir bestens informiert. Eine Revue barocker Klatschgeschichten: Als folgenschwerste Liaison erweist sich jene mit Madame Maintenon, die der Herrscher nach dem Tod seiner Gattin insgeheim ehelicht und die ihn offenbar folgenschwer beeinflußt. "Die alte Zott und der P. de la Chaise (Beichtvater des Königs) haben den König persuadiert (überzeugt), daß alle Sünde so Ihro Majestät mit der Montespan begangen, vergeben seyn würden wenn er die Reformierten plagte und wegjagte, und daß das der Weg zum Himmel sey. Das hat der arme König fest geglaubt; denn er hat in seinem Leben kein Wort in der Bibel gelesen, und darüber ist die hiesige Persecution (Verfolgung) ausgegangen." |
Archiv der Briefsammlung von Liselotte aus der Pfalz. Ein Gemälde von ihr. Szenisch: Liselotte von der Pfalz hat gerade einen Brief gelesen, den sie beiseite legt, um sofort zu antworten. Feder groß. Sie schreibt. Gesicht groß. |
13. Triumph der Kunst und Wissenschaft (440)
13.1 (30") Dokumentarisch (Archiv)
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Hervorgegangen aus dem Zeitalter Renaissance, kommt die neue Epoche ganz nach der Bedeutung des Wortes "barocco" unregelmäßig und wunderlich daher. Immer wenn das Dunkel in den Abgrund zu führen scheint, bietet sich dem Menschen des Barocks ein hoffnungsvolles Licht, das den Himmel gewogen erscheinen läßt. Eine Epoche der ständigen Umbrüche und mentalen Wechselbäder - und der Erneuerung von Grund auf. |
Feuerwerk - am Hofe Ludwigs/Nah: Lichter blühen auf und verglühen Die Hand eines Barockorganisten (Bach), Fahrt entlang der Orgelpfeifen/ Baßpedale groß/ meditative Sequenz sich ganz der Musik unterordnend. |
13.2(30)
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Am Horizont des 17.Jahrhunderts erscheint die Sonne als Symbol der Aufklärung. Neue Entdeckungen in Wissenschaft und Geographie verändern nun langsam die Welt, während sich die barocke Pracht der Fürsten und Bischöfe langsam erschöpft. Eine neuer Stand entsteht: der aufgeklärte Bürger, der später als Citoyen eine neue Revolution auslösen wird. Das Zeitalter des Absolutismus neigt sich dem Ende entgegen. Gleichzeitig zeigen sich die Anfänge eines neuen, wissenschaftlich orientierten Zeitalters. Mikroskope und Fernrohre ermöglichen die Formulierung von Natur- und Planetengesetzen, und ihre Herstellung wird immer mehr verfeinert. Aber wenige Gebildete akzeptieren diesen technologischen Durchbruch als Chance, neue Erkenntnisse von der Welt zu gewinnen. |
Zeitraffer von einem Sonnenaufgang. Detailaufnahme einer Sonnenkorona, Überblendung in die Ansicht eines alten Mikroskops, Großaufnahme eines Flohs, mehrere Einzeller, historische Bilder der Mondoberfläche. |
13.3 (30) Szenisch
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Ein jahrhundertelang gültiges Weltbild ist in Frage gestellt. Die naturwissenschaftliche Erkenntnis profanisiert das überkommene Weltbild: Die Erde seht nicht mehr im Zentrum des Universums. Katholiken und Protestanten fühlen sich von diesem Angriff auf die alte göttliche Ordnung - provoziert. |
Abstraktes Uhrwerk in Aktion, immer turbulenter/ein Astronom erscheint und sieht in sein Fernrohr |
13.4 (20)
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Neue Utopien werden entwickelt und die Lust auf das nächste Jahrhundert nährt die hoffnungsvollen Phantasien der Menschen am Ende dieser Epoche. Neue Staaten, neue Menschen, neue Welten - wie im Traum sehnt man sich der kommenden Zeit entgegen. |
Ein Kerze nah auf einem alten Tisch, zerfließendes Wachs. Franz Hals Gemälde von Descartes. Fahrt über ein Faksimile des "Discours", sein Hauptwerk. |
13.5 (30)
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Mit seiner Erkenntnis "Cogito ergo sum" - Ich denke, also bin ich - wird dieser neue Mensch geboren. Vom Glauben und der Suche nach Gott kündet noch immer die Musik von Johann Sebastian Bach. |
Schillernde Perlencollage (wie 1.1) |
13.6
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In all den unberechenbaren Veränderungen zeichnet sich aber bereits eine neue Konstante ab: Die Wissenschaft! Noch steckt göttlicher Wille und alte Traditionen hinter jeder Erkenntnis. Aber die Kirche fürchtet sich vor jeder wissenschaftlichen Neuerung. In der Person des Gelehrten Galileo Galilei wird die Stellung des Wissenschaftler am deutlichsten. Seine Erkenntnis von der Bewegtheit der Erde muß er am Ende seiner Laufbahn in einem weltberühmt gewordenen Prozeß abschwören. |
Ein Feuerwerk, das in eine freie Sternenfläche des Weltraums übergeht. Es erscheint die Erde, zunächst unbeweglich, dann erscheinen Planeten und das ganze panetarische System fängt an sich zu bewegen. Es erscheint ein Portrait von Galileo Galilei. |
13.6
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Mit der Erfindung des Minutenzeigers entsteht eine genauere Einteilung der Zeit. Auch sie liegt gewissermaßen unter dem Mikroskop, dessen Optik Einblicke in ein neue Welt erlauben. Sind diese reichhaltige Formen der Natur nicht auch Gottes Werk? Gibt es nicht verblüffende Ähnlichkeiten zwischen dem Universum hinter den Wolken und den Ansichten des Mikrokosmos? |
Ein mechanisches Räderwerk arbeitet lautstark/Nahaufnahmen abstrakt, dann totaler, bis man die Mechanik einer riesigen Uhr erkennen kann/Hart: die Mechanik wie durch ein Mikroskop betrachtet. Dann erscheinen abstrakte Aufnahmen von Zellen und Kristallstrukturen/Zeichnungen von Pflanzen und Insekten (Sybille Merian, Kempfer) (Museum für technische Wissenschaft, Paris;) diverse Großaufnahmen technischer Geräte |
13.7
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Die Konsequenzen wissenschaftlicher Erkenntnis für Religion und Politik werden erst in einem anderen Jahrhundert sichtbar. Zu sehr ist das Zeitalter des Barocks noch mit sich selbst beschäftigt und erliegt dem äußeren Schein der Dinge. Doch noch immer steht der Glaube an Gott unerschütterlich in der Mitte jedes Handelns, auch wenn der Mensch beginnt, sich langsam in diesem Mittelpunkt zu rücken. Barocco, das "unregelmäßige" Zeitalter geht vorüber. |
Perlmuttfläche einer Perle abstrakt. Dann legt eine Hand die Perle wieder in ein Kästchen und verschließ den Deckel. Abspann. |