2000 Jahre Christentum
Folge 11
30. Januar 2000
Maschinen und Menschen
Das Christentum und die Industrielle Revolution
Buch: Thomas Riedelsheimer
Regie: Thomas Wartmann
Redaktion: Uwe Mönninghoff
Inhalt:
1. Einführung
2. Die Säkularisation
3. Der Aufbruch
4. Das Elend
5. Erweckungsbewegung und Nächstenliebe
6. Christlicher Sozialismus und Kommunismus
7. Aufstand und Revolution
8 Restauration
9. Das Konzil
10. Der Kulturkampf
11. Die Wallfahrt
12. Überleitung
(1. Einleitung)
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1785 meldet der Schotte James Watt das Patent Nr.1306 an: Die "Univer-sale Kraftmaschine". Der Rhythmus seiner Dampfmaschinen wird der Herz-schlag der Industriellen Revolution werden. Der stampfende Puls bedrohlicher Veränderungen. Er wird den Fortschritt bringen, die Mobilität, aber auch die Massenarmut. Er wird pochen wie Hammerschläge an die Türen des Adels und der Kirche. Es wird ein Jahrhundert des Kampfes zwischen Fortschritt und Tradition, zwischen Liberalismus und Konservatismus, zwischen Gewinnern und Verlierern. |
Detailaufnahmen. Aus einem glänzenden Überdruckventil pfeifft Wasserdampf. Langsam schiebt sich eine schwere Pleuelstange nach vorne, treibt ein Gußeisernes Rad. In einem Schauglas mit Messingbeschlägen tanzt der Wasserstandsanzeiger. Eine verrußte Hand schiebt den Schubregler nach vorne. Der stampfende Rhythmus wird schneller, die Fahrt beginnt. Trotz der Detailaufnahmen ahnt man, daß man sich im Führerstand einer Dampflokomotive befindet. Immer schneller greifen die metallenen Stangen und Räder ineinander. |
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Und es ist das Jahrhundert einer neuen Klasse, die Geburtsstunde der Industriearbeiter, des 4.Standes. Das maßlose Anwachsen und die Verelendung dieser Bevölkerungsschicht bestimmen das Bild der Zeit. Die Kirche steht im 19. Jh. oft nah an der Macht. Kann Sie Antworten auf die brennenden Fragen finden und Vision entwickeln ? Ist das Kreuz den Arbeitern Trost oder Last ? |
Das angestrengte, verrußte Gesicht eines Mannes im rötlichen Schein eines Feuers. (Erst bemerkt man nicht, daß man sich in einer neuen Szene befindet). Ein Schmiede-hammer fällt schwer auf eine Eisenstange. Sie wird erneut erhitzt. Eine Schmiede-stelle in einer alten, stillgelegten Stahlfabrik. Ein zweiter Mann wird sichtbar. Er holt das Eisen wieder aus dem Feuer und beide bearbeiten mit ihren Hämmern das Werkstück. Es ist ein rotglühendes Kreuz. |
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Maschinen und Menschen
Die soziale Frage im 19.Jh.
(2. Die Säkularisation)
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Für die Kirche beginnt das 19. Jahrhundert mit einem Desaster. "Sie durchwühlten die Särge, durchstöberten die morschen Gebeine der ehrwürdigen Leichname mit eisernen Stangen und nachdem die Gold-münzen und andere Kostbarkeiten gestohlen waren, ließ man die durch und durch verwirrten Gebeine im Wirrwarr liegen und schloß darüber die Gruft." |
Der dunkle Gang in eine Gruft. Stimmengewirr, Waffengeklirr, unruhige Schatten von Fackeln geworfen an der Wand. Ein Mönch in einfacher Benediktinerkutte beobachtet das Geschehen (Bei ihm beginnt das Zitat). Soldaten stoßen ihn weg. Andere durchstöbern Särge. Rauben Goldstücke, Kirchenutensilien. Schließlich fällt eine steinerne Grabplatte auf die Kamera. (Subj Gebeine) |
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0:40 / 01:35 |
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Die Säkularisation tobt durch Deutschland. Napoleon wirft den deutschen Fürsten die kirchlichen Ländereien als Ersatz für französische Eroberungen vor. 10.000 qkm Land mit 3 Mio. Menschen werden den Fürsten geschenkt. Die Besitztümer werden teilweise deplün-dert, liturgisches Silber wird eingeschmolzen und zu Münzen gepreßt. Wertvolle Handschriften werden geraubt, vernichtet oder versteigert. So darf z. B. der Papiermüller Kaut im Febr. 1804 95 Zentner Bücher auf 8 Vierspännern aus der kostbaren Klosterbibliothek von Rottenbuch abtrans-portieren. Zum Preis von 50 Kreuzern pro Zentner. |
Eine Staubstraße in Bayern . Über die Bergkuppe rumpelt ein alter Leiterwagen, gezogen von vier Pferden. Im Hintergrund der Augustinerstift Rottenbuch. Der Wagen kommt näher und man erkennt Kisten ,Truhen, einige alte Ölbilder und liturgisches Silber, sowie viele alte Bücher und Folianten,. In einer Nahaufnahme fällt ein Buch vor die Kamera, der Wind blättert es auf. Herrliche Handschriften sind zu sehen. |
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00:35 / 02:10 |
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Viele Klöster und Kirchen, katholisch wie evangelisch, werden aufgelöst, verkauft, abgerissen oder zweckentfremdet - zu Werkstätten und sogar zu Theatern. Die Kirche ist schwer angeschlagen. |
Zwei Stiche der Klosterkirche der Franziskaner in München (Vor und nach dem Abriß). Die Klosterkirche in Amberg . Eine Gedenktafel die an den ihren Umbau in ein Theater erinnert. Das leere Kirchenschiff als Theaterraum. (wir werden später darauf zurückkommen). |
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Hilflos muß der Papst sogar zusehen wie Napoleon sich am 2. Dez.1804 entgegen der Absprache selbst den goldenen Lorbeerkranz aufsetzt. Die Kirche braucht er dazu nicht mehr. Später wird Pius VII sogar Gefangener Napoleons. Der Kirchenstaat wird besetzt und anektiert. |
Fanfarenklänge. Das Gemälde von David: "Napoleons Krönung". Detail: Der Papst im Hintergrund. Ein Stuhl fällt in leichter Slow-Motion zu Boden. Das Gemälde "Napoleon und der Papst in Fontainebleau". Napoleon steht selbstsicher vor dem Papst, den Stuhl energisch im Streitgespräch umgeworfen. |
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00:20 / 02:50 |
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Die Trikolore flattert über Rom. Im Hintergrund das mächtige Bollwerk des Peters-doms. Langsam wird sie eingeholt und durch die päpstliche Fahne ersetzt. |
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Erst Jahre später, nach Napoleons Sturz kann der Papst wieder in Rom einziehen. Der italienische Kirchenstaat wird wiederhergestellt, bleibt nach der Säkularisation aber der einzige weltliche Gebietsbesitz der katholi-schen Kirche. Sie wird alles daransetzen diesen Status Quo zu erhalten. |
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(3. Der Aufbruch)
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Nach Napoleons Niederlage erfolgt die Neuordnung Europas und die Versöhnung des Adels mit der Kirche. Der Adel braucht die Kirche, denn nur sie kann die Königshäuser "von Gottes Gnaden" her legitimieren. Die feudalen Machtansprüche sind gefährdet und die heilige Allianz aus Zepter und Kreuz versucht den Sturm abzuhalten, der über Europa fegt. Als Erbe der Aufklärung beginnen Atheismus, Demokratie, Nationalismus und freie Wirtschaft die Vorherrschaft von Kirche und Adel zu untergraben. Und in England wird eine neue Klasse geboren, die Europa zu einem Pulverfaß macht- das Industrieproletariat. |
Karikaturen zum Wiener Kongreß. Stilleben mit Krone, Zepter und Kreuz. Animierte Landkarte zur Neuordnung Europas, die langsam auf die Englischen East Midlands verdichtet. Die Farbe geht langsam in ein flackerndes Rot über, als letztes ist der Ortsname "Coalbrookdale" zu lesen. Die Kamera fährt aus dem Rot heraus zurück. Das Gemälde "Coalbrookdale at Night" von P.J. de Loutherbourghs wird sichtbar: Die ersten Eisenschmelzöfen im "Mekka der Industrialisierung". Der rote Nachthimmel einer neuen Götterdämmerung. Die ganze Bewunderung vor der Größe der Technik, aber auch die Vorahnung des Schrecklichen werden deutlich ("Delightful horrors", sagte ein Kritiker damals zu dem Bild). |
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00:35 / 03:40 |
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Die Dampfkraft bringt die Industrielle Revolution auf den Weg. Sie bringt Mechanisierung der Arbeit und Mobilität. Die Eisenbahn verschlingt Unmengen an Kohle und Stahl und sorgt für weltweiten Handel. 1830 wird die erste Strecke in England eingeweiht. Sie verbindet die Baumwollstadt Manchester mit dem größten engl. Handelshafen Liverpool. Aufbruchstim-mung, Götterdämmerung des neuen Bürgertums: Fabrikbesitzer, Börsen-makler, Spekulanten. Die Eisenbahn ist der "Leichenwagen , mit dem der Absolutismus und Feudalismus zu Grabe getragen wird", für viele aber auch der Stahl gewordene Antichrist. |
Eine Dampflok zerreißt mit schrillen Pfiff die Leinwand (Trick). Eine schnelle Kollage aus Bildern ("Webstuhl", "Das Eisenwerk", "Der Nasmhyths Dampfhammer", "Eröff-nung der Eisenbahnlinie Liverpool -Manchester",etc.), alten Filmsequenzen von Arbeitermassen, und Vorbeifahrten an Fabriken und Schwerindustrie. Alte Förder-türme (Manchester, Sheffield, Leeds). Dazwischen das schwarze Gesicht des Heizers, der Brennkanal, Kohlen und Dampf. Im Ton Hammerschläge, Eisenbahn-rhythmus, Industriegeräusche. (Ziel ist die Darstellung einer rasanten Entwicklung mit großen technischen Errungenschaften, sowie die Masse der Arbeiter). Das Stakkato der Bilder und des Rhythmus endet mit der rasenden Zufahrt der Dampflok auf den Betrachter, bis das Bild schwarz ist |
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00:35 / 04:15 |
(4. Das Elend)
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Der anfangs euphorische Fortschrittsglaube weicht bald einer grausamen Ernüchterung. Wegfall der Zölle und die Verfügbarkeit der Transportwege führen zu Konkurrenz und Preisdruck. Die Fabrikarbeit entwurzelt die Men-schen. Die massive Abwanderung in die Industriestädte und die Bevölke-rungsexplosion führen zu Verelendung. Der Fabrikbesitzer, selbst im Konkurrenzdruck gefangen, wird Herr über Leben und Tod. |
Plötzliche Stille. Alte stillgelegte Fabriken. Sie atmen Bedrückung aus. Unmenschliche Arbeitsplätze. (s/w, körnig, harte Kontraste) Zerbrochene Scheiben. Riesenhafte archaische Maschinen. |
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00:30 / 04:45 |
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Schlimm ist auch der Zustand in den Bergwerken. Um die benötigte Masse an Kohle sicherzustellen und wettbewerbsfähig zu bleiben, werden die Ar-beitsbedingungen immer härter. Sicherheitsvorkehrungen werden einge-spart, die Arbeitszeit beträgt 16 Stunden und mehr. Oft müssen Kinder die schweren Kohlewägen durch die Trans-portschächte ziehen, die manchmal nur 50 Zentimer hoch sind. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines engl. Arbeiters liegt in Leeds bei 19 Jahren. |
Fördertürme (weiter s/w, s.o.), enge Berwerkstollen, offene Kerzenflammen in der Dunkelheit. Alte Stiche aus den Gruben (die an den rauhen Stollenwänden hängen, beschienen vom flackernden Licht der Bergwerksleuchten). Inserts aus Museumsbergwerken, z.B. die naturgetreuen Darstellungen von "Bergwerkpferd" und "Arbeitern" im deutschen Museum.(auch im unruhigen Licht flackernder Kerzen). Stiche von Kinderarbeit |
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00:35 / 05:20 |
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"Mein Vater war schon 5 Monate vor meiner Geburt gestorben und hinter-ließ außer mir noch 6 Kinder. Die Not grinste aus allen Ecken. Mit 11 Jahren begann ich auf der Zeche zu arbeiten. Blühte mir Nachtschicht, so ging ich morgens in die Maschinenstube. Kamen um 4 Uhr die alten Hauer zur Schicht, so nahm jeder erst ein Gesangbuch aus dem Schrank. Nun wurde gesungen, vom Steiger gebetet, und Anordnung gegeben. Nachdem auch die Lampen in Ordnung gebracht waren, stieg einer nach dem anderen die steile Fahrt hinunter. Wie oft habe ich dort gestanden und den Lichtern nachgeschaut, bis sie allmählich in der Tiefe verschwanden. Dann und wann brachte man einige Tote heraus, die durch Steinfall getötet, oder im dämpfenden Wetter erstickt waren. Man legte sie in der Beleg-schaftsstube auf einen Tisch. Dann kamen ihre Frauen und Kinder, deren Wehklagen herzzerreißend war." |
Nebenstehende Geschichte wird mit subjektiven Kamerablicken in original erhaltenen Schauplätzen (ohne Menschen) nachempfunden (weiter s/w). Stationen: Eine armselige Stube, Maschinenraum, Bergwerkskapelle im dt. Museum oder staubiger Schrank mit Bibeln, Anzünden von Lampen, Verschwinden der Lichter im Aufzug, Ein roher Tisch, dunkle (Blut-)flecken auf dem Dielenboden. |
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01:00 / 06:20 |
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In den Großstädten wuchern Slums ohne Versorgung, ohne Kanalisation. Ringsum verändert die Industrie die Landschaft. Arbeitslose, Obdachlose und Bettler bestimmen das Bild der trostlosen Straßen. Familienverbände werden durch Frauen und Kinderarbeit zerstört, die Menschen sind entwurzelt, verzweifelt. |
Stadttotalen der engl. Industriestädte (heute, aber s/w). Trostloses Häusermeer, Sozialbauten, "Glasscherbenviertel". Schlote. hist. Stich:"Industrielandschaft bei Wolverhampton" hist. kol. Stich: "Eisenwerke in Nant-y-Glo" (Ein einsamer, kleiner Mann steht einer Industrielandschaft gegenüber, höchster Ausdruck der menschlichen Entwurzelung und Orientierungslosigkeit) |
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00:30 / 06:50 |
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Mißernten, und die katastrophalen Verhältnisse in den Städten treiben die Menschen scharenweise zur Auswanderung. "Gebt mir den elenden Aus-wurf eures überquellenden Landes...Ich halte die Fackel hoch am goldenen Tor" so wird es später auf der Freiheitsstatue geschrieben stehen. Amerika steht für Freiheit, Platz im Überfluß -und eine neue Chance. Das Heer der Armen schifft sich ein ,um dem Hunger und der Verelendung zu entgehen. |
Das letzte Bild wird übergeblendet in eine ähnliche Szene am Hafen von Liverpool heute.(Einsamer, kleiner Mann am Quai). Möven, Tanker, Containerschiffe, Stahl-skelette von Ladetürmen. In einem Reisebüro direkt am Hafen hängt ein Bild der Freiheitsstatue. Innenansicht eines historischen Auswanderschiffes (z.B. Deutsches Museum, mit "Personenpuppen" in Orginalgröße und -Kleidern) Details: ärmliche Kleidung, Hinweise auf Religionsgemeinschaften (Tracht, Bibel). Kameraschwanken (Dutch-Head) als Wellenbewegung. Schiffsknarzen. Sujektive Fahrt auf dem offenen Meer. Eine Küstenlinie wird am Horizont sichtbar. |
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00:40 / 07:30 |
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In Europa nehmen sich Intellektuelle des brennenden Problems an. Bettina von Arnim schreibt aus Berlin den ersten Sozialreport: "Kreuzweis´ wird durch die Stube ein Seil gespannt, in jeder Ecke haust eine Familie, wo sich die Seile kreuzen, steht ein Bett für den noch Ärme-ren, den sie gemeinschaftlich pflegen.... Es scheint gleichgültig zu sein, daß die Ärmsten in eine große Gesellschaft zusammengedrängt werden, sich immer mehr abgrenzen gegen die übrige Bevölkerung und zu einem furchtbaren Gegengewichte heranwachsen..." |
(Farbe) Im Schein einer Kerze öffnet eine Frauenhand ein Manuskript : "Dieses Buch gehört dem Kaiser". Die Hand beginnt zu schreiben (s/w verfremdete Erinnerung) Nahe: Ein Seil wird gespannt, trifft auf ein anderes. Totale: Ein kleiner, kahler Raum mit den kreuzweise gespannten Seilen und einem leeren, eiseren Bett in der Mitte, dort, wo sich die Seile kreuzen |
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00:40 / 08:10 |
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Diese Entwicklung scheinen die offiziellen Kirchen nicht zur Kenntnis zu nehmen. Keine Stellungnahme, kein Programm, kein Eingreifen. Die Kirche leckt ihre Wunden und steckt den Kopf in den Sand aus Angst vor neuen Unruhen, aus Angst die Allianz mit den Fürsten zu gefährden. Ein englischer Kirchenmann schreibt in einem Schulbuch: "...die Armut ist im Grund ein Vergnügen. Mäßiges Leben ist an sich schon ein Vergnügen... Diese Freude geht zum Beispiel dem, der im Überfluß lebt, verloren.... Alles, was der Arme seinem Kinde geben muß ist Eifer und Unschuld. Mit diesen Qualitäten, auch ohne einen einzigen Schilling, geht das Kind der Armen in die Welt, bereit ein nützlicher, tugendhafter und glücklicher Mensch zu werden." |
Die ersten "Sozialfotos" aus dem hist. London (1877 "Street life in London") Foto-realismus der damaligen Armut. |
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00:45 / 08:55 |
(5. Erweckungsbewegung und Nächstenliebe)
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Die Lethargie der Kirche ist aber auch der Nährboden für viele lokale Aktivitäten der praktizierten Nächstenliebe. Neue Orden, überwiegend von mutigen Frauen gegründet, versuchen die gröbste Not zu lindern. Der Theologe und Sonntagsschullehrer Johann Hinrich Wichern lernt die Verwahrlosung der Jugend in den Hamburger Slums und den berüchtigten Gängevierteln der Großstadt kennen. Zu Tausenden zogen Jugendliche, meist noch schulpflichtig, ohne Bleibe und Arbeit durch die Stadt - ausge-schlossen von der Gesellschaft. Ohne Hoffnung und enttäuscht von Religion und Mitmenschlichkeit. Wichern lebt mit ihnen, er macht die Straße zu seiner Kanzel, er missioniert im eigenen Land - in seiner eigenen evangelischen Kirche. 1833 gründet er "das rauhe Haus", um den härtesten Fällen ein Zuhause, eine Erziehung und eine Ersatzfamilie zu bieten. Es sollte der Grundstein einer Reihe von diakonischen Einrichtungen werden, die auch heute noch fortbestehen. |
Das letzte "Foto" ist ein "freeze frame" in der vorhergegangenen Fotoqualität (s/w, körnig, künstlich veraltet). Die Szene beginnt sich zu bewegen: Eine junge Nonne (zeitgenössische Tracht, z.B. "graue Schwestern") führt einen Bettler. Kamera geht mit bleibt in einer anderen Szene "hängen": Auf der Straße verteilt ein junger Mann Flugzettel. "Nur die Liebe kann uns retten. Gott ist die Liebe. Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Kommt und seht". Der Mann geht an schäbigen Siedlungen vorbei. Kinder schlafen in Hauseingängen, andere schau-en ihn fordernd und direkt an. (subjektive, traumartige Kamera, sanfter Übergang von damals in heute). (Farbe) ein Reetgedecktes Bauernhaus in Horn bei Hamburg. Nachfolgeeinrichtung des "Rauhen Hauses" heute. Jugendzentrum. Jugendbetreuung. |
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01:20 / 10:15 |
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"Es tut Eines not, daß die ev. Kirche in ihrer Gesamtheit anerkenne: Die Arbeit der Inneren Mission ist mein. Die Liebe gehört mir wie der Glaube. Die Liebe muß in der Kirche als die helle Gottesfackel flammen, die kund macht, daß Christus eine Gestalt in seinem Volk gewonnen hat. Wird in diesem Sinne das Wort der Inneren Mission aufgenommen, so bricht in unsrer Kirche jener Tag ihrer neuen Zukunft an." Wichern schreibt den Grundsatz der inneren Mission fest, die Liebe. Aber seine Aktionen sind Tropfen im Meer der Hoffnungslosigkeit. Letztlich ist auch sein Ansatz halbherzig, denn Zweifel an der bestehenden, "gottgege-benen" Ordnung sind für ihn sündhaft. Der Arbeiter soll sich letzlich eben doch fleißig in seine Lage ergeben. Er bleibt ein Bedürftiger, ein Objekt der Wohltätigkeit, er ist kein Mitgestalter. Die Kirche ist der barmherzige Sama-riter. Es gelingt Wichern nicht, die Arbeiter selbst für die innere Mission und das Christentum zu gewinnen. |
Langsame Fahrt durch ein leeres evangelisches Kirchenschiff auf den gekreuzigten Christus. Eine hallige Ansprache. Überblendung in eine große "Armenspeisung" Warteschlangen, Kleiderspenden, caritative Einrichtungen (Farbe/heute) |
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01:20 / 11:35 |
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Erfolgreicher sind da die verschiedenen Freikirchen und Religionsgemein-schaften, die von Erweckungsbewegung und Pietismus beeinflußt sind - Bewegungen die sich gegen die religiöse Erstarrung der großen Kirchen gebildet haben. Der Methodismus entsteht mit den Hochöfen in Mittel-england und erblüht zeitgleich mit der Industrie, denn er bietet den entwur-zelten und verunsicherten Menschen Halt. Eine festgefügte, kleine Gemein-schaft gegen die Anonymität und ein streng geordneter Alltag gegen das Chaos. Über einfache und bildhafte Geschichten aus dem Leben Jesu wird Vertrauen in das Evangelium gepredigt. Der Glaube ist ein freudiges, emotionales Erlebnis basierend auf Lebenserfahrung. Die Laienprediger der Methodisten passen sich der neuen Mobilität an. Sie reisen durchs Land und predigen wortgewaltig in einfacher, klarer Sprache, wobei sie nicht selten massenhafte religiöse Verzückungsausbrüche erreichen. |
eine unscheinbare, kleine Backstein-Fabrikhalle in einem Industriegebiet (Farbe/ heute). Musik tönt heraus: Innen: Lautes Singen und Tanz. Gottesdienst einer Methodisten-Gemeinschaft. Eine lebhafte Predigt. Gospel. Freude.Dazwischen einige (sehr kitschige) Bilder aus zeitgenössischen Erbauungsbüchern (Der lehrende Christus als Kind, Christus auf dem Ölberg), die in den Gesangsbüchern liegen. |
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01:25 / 13:00 |
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Ebenfalls unter dem Einfluß der Erweckungs-bewegung ist das Aufleben des apostolischen Sendungsbewußtseins in den neugegründeten Mis-sionsgesellschaften zu sehen. Oft folgt die Mission der Kolonisation, die den europäischen Industrienationen Rohstoffe und Absatzmärkte sichert. Das Verhältnis ist aber nicht immer spannungsfrei, und der große Idealis-mus und die Sprachenkenntnis der Missionare wird oft argwöhnisch beobachtet. |
Im Schein einer Kerze im schwankenden Rumpf eines Dampfschiffes. Ein Mann lernt Kisuaheli. "karibu" und "asante, asante sana" murmelt er. Auf dem Faß mit der Kerze neben ihm liegt eine alte Landkarte. (Ostafrika) und eine Bibel. Um ihn herum Kisten und Säcke. Expeditionsmaterial. Alte Fotos von Missionaren werden durchgeblendet. |
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00:40 / 13:40 |
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Angesichts der Lage in der Heimat muß man den Missionsboom allerdings kritisch betrachten. Ein Geistlicher im Londoner Armenviertel "Whitechapel" meint: "Die Kirche weiß sicher mehr darüber wie die Neger in Afrika leben, als über die erbärmlichen Zustände der Menschen hier." Viele haben sich an das tägliche Elend gewöhnt und der aufgeklärte, neu-reiche Bildungsbürger-stand richtet sich gemütlich im Biedermeier ein. Doch die Brandstifter sind nicht weit. |
In der Nische einer engl. Kirche steht eine "Nickendes-Negerlein-Sammelbüchse" für die Mission (hist. mit Aufschrift: ..Ich bin ein armes Heidenkind,o.ä.) Ansicht eines Arbeiterslums (Whitechapel/ London) |
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00:40 / 14:20 |
(6. Christ. Sozialismus/ Kommunismus)
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Friedrich Engels betritt 1842 die Zweigstelle der Fabrik seines Vaters in Manchester. 2 Jahre studiert der gelernte Kaufman die Bedingungen der Arbeiter in England. Dort tifft er Georg Weehrt, der ebenfalls im Handel tätig ist. Beide verfassen erschütternde Berichte zur Lage der Arbeiter in England. "morgen geht dieser Junge zum erstenmal in die Mill, und 12 lange Stunden rasseln ihm Hunderte von Maschinenrädern mit ihrem Getöse um die Ohren, ...er hört nichts anderes, er sieht nichts anderes. Nach einem Jahr singt er sein letztes Lied und das Rot schwindet von den Wangen. ...noch ein Jahr dann säuft er schon, und bald wird er stumm, entsetzlich still, gleichgültig und gleichförmig, weniger einem Menschen ähnlich als der Maschine, an der er die Zeit seiner Jugend verbrachte. Er kann weder lesen noch schreiben....und in seinem Schädel ist es dunkel und still, da ist die Sonne längst untergegangen." |
Totale eines alten Maschinensaals, leer (s/w). Im Vordergrund tritt ein Mann ins Bild (Rücken zur Kamera) der in die Tiefe schaut (Zeitgenössischer Hut und Mantel). Ein zweiter kommt dazu, Sie gehen langsam in die Tiefe des Raumes - an einem 10-jährigen vorbei, der allein in der stillen Halle auf einem Stuhl sitzt. Barfuß und ärmlich gekleidet, schaut er die Beiden offen an. An einem Holztisch, im schummrigen Licht einer alten Kneipe sitzt ein zusammen-gefallenes Bündel Mensch vor einer leeren Schnapsflasche. Der Kopf liegt auf dem Tisch, das Gesicht ist nicht zu sehen. |
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01:00 / 15:20 |
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1844 trifft Engels in Paris auf Karl Marx. Wie dieses weltverändernde Duo versuchen zur Mitte des Jahrhunderts auch andere Intelektuelle die Proble-me der Arbeiterschaft anzuprangern oder sich zu deren Sprecher zu machen. Unter Ihnen die Schriftsteller Heinrich Heine und Georg Büchner, oder der christlich-sozialistische Schneiderge-selle Wilhelm Weitling. Auch einige wenige Geistliche bemühen sich um das Problem, wie z.B. die Fran-zosen Abbé Lamenais und Pater Montlouis, oder die deutschen Kirchen-männer Johann Hinrich Wichern und Bischof Ketteler. Die große Masse der Arbeiter aber bleibt unbeteiligt. Eingeschüchtert und desorientiert, gefangen in den Sorgen ums tägliche Überleben. |
Ein mannsgroßer Fotokarton mit einem Portrait von Engels bewegt sich durchs Bild. Die Kamera öffnet den Blick, wir sehen zwei Arbeiter, die Engels zu einem langen Tisch tragen. Er wird neben einen Karton mit dem Foto von Karl Marx plaziert. Wir befinden uns in einem Kirchenschiff, das provisorisch zu einer Bühne umgebaut wurde (vgl. Umbau der Klosterkirche Amberg während der Säkularisation). Die Tafel trägt einige Teller mit Speisen und ein wenig Wein ist aber eher karg ausgestattet. Erinnerungen an das Abendmahl werden nicht unbeabsichtigt geweckt, zumal es im Verlauf der Szene um Jesus Christus geht. Weitere Pappkartons mit Portraits werden hereingetragen (siehe Text). Mehrere Arbeiter (hist. Kleidung) setzten sich "zwischen die Stühle" , d.h. es ergibt sich eine Tafel aus realen Personen, den Arbeitern (die nichts sagen) und den Pappportraits (die im off reden). Die Szene ist wie eine Diskussion geschnitten, die Arbeiter hören zu und essen manchmal etwas von der Tafel. |
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01:00 / 16:20 |
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Off Texte: (Pater Montlouis): "Wir wollen eure Freiheit, wir wollen es nicht mehr zulassen, daß Menschen andere Menschen ausbeuten. Kein Kapitalist soll mehr von eurem Schweiße fett werden." (Georg Büchner:) "Ja,ja, der Schweiß der Arbeiter ist das Salz auf dem Tisch der Reichen. Aber große Knüppel wirken mehr als fromme Sprüche". (Karl Marx:) "Nur der gewaltsame Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung bringt uns zum Ziel. Wir Kommunisten verschmähen es, unsere Absichten zu verheimlichen. Mögen die herrschenden Klassen vor einer Revolution zittern, die Proletarier haben nichts zu verlieren." (Johann Hinrich Wichern:) "Haltet ein, Staat, Familie und die Kirche sind doch drei göttliche, lebendige Einrichtungen, die wir erhalten müssen" (Wilhelm Weitling:) "Warum erhalten. Christus war ein Sozialrevolutionär. Die Christen haben Rom gestürzt und Luther hat die mittelalterlichen Säcke in den Arsch getreten. Ja, Jesus ist für uns. Er hat immer die Gesellschaft der Armen und der Verachteten gesucht. Mit ihnen wollte er sein Reich gründen. Er war kein Finsterling, kein Mucker. Nein, Jesus war ein Mann voller Gefühl. Er wohnte den Festmahlen der Sünder bei. Viel zu sündigen, heißt viel zu verzeihen und viel zu lieben. Trinken wir auf die Liebe, trinken wir auf Jesus, den Vater des Sozialismus." (Joseph Dietzgen:) Die Herren der Industrie haben den Glauben an Gott längst abgetan und werden doch nicht müde uns seine Gebote zu predigen: Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. Sei untertan, bete und arbeite und trage dein Kreuz. Dabei schwärmen sie heuchlerisch für die Freiheit, so auch für die Reli-gionsfreiheit. Aber wehe dem, der Ernst damit macht! Gar keine Religion ? Da hört sich doch alles auf ! Wenn das Volk an nichts mehr glaubt, wer wird dann unser Eigentum heiligen und unserem Vaterlande das Kanonenfutter hergeben ? (Karl Marx:) Der Mensch macht doch die Religion, nicht umgekehrt. Sie ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Opium des Volkes. (Bischof Ketteler:) Bis auf den heutigen Tag hat die Kirche die Probe ihres göttlichen Ursprungs bestanden. Die soziale Misere hat ihren tiefen Grund doch gerade im Abfall vom Geiste des Christentums, der in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Nur das Christentum bietet die Mittel die Verhältnisse der Arbeiter zu bessern. Und zwar nicht durch äußere Einwirkungen, sondern durch den Geist den es den Menschen einflößt. Die Heilung kann nur von innen heraus erfolgen. Nur Jesus Christus kann dem Arbeiterstand helfen. |
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02:40 / 19:00 |
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(Sprecher:) Revolution oder geistiges Erwachen, Jesus als handfester Anarchist oder als Erwecker von Moral und Liebe. Religion als Grundübel oder als Rettung. Die Arbeiterschaft sitzt "zwischen den Stühlen". Einerseits noch tief ver-wurzelt in einem Glauben, den sie äußerlich schon abgegt hat, andererseits getrieben von einer unerträglichen Not. Die Maschinenstürme und Hun-gersrevolten der folgenden Jahre werden von Intelektuellen oft zu ideolo-gischen Revolutionen verklärt, obwohl sie mehr aus der Not als aus einer Ideologie heraus entstehen. |
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00:35 / 19:35 |
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(Heinrich Heine:) "Ein Fluch dem Gott, zu dem wir gebeten In Winterskälte und Hungersnöten, Wir haben vergebens gehofft und geharrt, er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt- Wir weben, wir weben" Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, den unser Elend nicht konnte erweichen, der den letzten Groschen von uns erpreßt und uns wie Hunde erschießen läßt - wir weben, wir weben Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht, wir weben emsig Tag und Nacht- Deutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreifachen Fluch, wir weben, wir weben." |
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00: 40 / 20:15 |
(7. Aufstand und Revolution)
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(Zeitungsmeldung:) Breslau, 8.Juni 1844 Nachdem ein Haufen Weber aus Peterswaldau die Gebäude und Vorräthe des Fabricanten Zwanziger zerstört hat, sind auf der hiesigen Eisenbahn eine Partie Militairs abgegangen um die Unruhen in den Fabrikdörfer zu unterdrücken. In dem Zusammentreffen mit den Truppen haben sich die Arbeiter mit furchtbarer Erbitterung geschlagen, Weiber und Kinder haben ihnen die Steine herzugetragen. Bei dieser Gelegenheit ereignete sich der schreckliche Zufall, daß ein Soldat seinen eigenen Bruder unter den fal-lenden Arbeitern erkannte und, seine Flinte wegwerfend, sich über diese That verfluchte. Wie groß die Anzahl der Getödeten von beiden Seiten ist, weiß man nicht; dem Major, welcher zuerst Feuer commandirte, wurde durch die Heugabel eines Arbeiters der Kopf zerschmettert. Die Geistlichen der empörten Ortschaften, die zur Ruhe und Frieden mahnten wurden gemißhandelt. Man gibt die Zahl der Insurgenten mit 6000 an, doch soll dieselbe beständig zunehmen. |
Das Portrait von Heine auf dem Pappkarton wird übergeblendet in eine Gruppe zerlumpter Weber, die, mit Knüppeln, Hacken und Mistgabeln bewaffnet, stumm auf einer staubigen Landstraße dahinzieht. Kantige, ausgemergelte Gesichter , Frauen mit Kleinkindern auf dem Rücken, Knüppel. Eine alte Zeitung liegt im Staub, Füße in ärmlichem Schuhwerk laufen achtlos darüber. |
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01:00 / 21:15 |
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Käthe Kollwitz hat dem Aufstand der schlesischen Weber einen Bilder-zyklus gemidmet. Sie waren mit am härtesten betroffen von der Mechani-sierung und der Öffnung der Märkte in Europa. Die Not der Menschen damals kann heute sicher nur schwer nachempfunden werden. Der Hungeraufstand bleibt regional begrenzt, er endet in einem Blutbad. Die offizielle Kirche Preußens erhebt sich nicht gegen das brutale Vorgehen des Staates, sie stützt die zweifelhafte Ansicht von Recht und Ordnung. Die Gewalt ist trotzdem nicht mehr aufzuhalten. |
Während des Textes Überblende in die Radierung "Weberzug" von Käthe Kollwitz, die als Vorbild für diese Realszene genommen wird. Kollage aus weiteren Radierungen des "Weberzyklus" von Kollwitz (Weber vor dem Haus des Fabrikanten, etc.) doppel-belichtet mit Flammen, einer Mistgabel, Mündungsfeuer nah... Mit dem Gewehrknall durchschneidet die Dampflok scharf das Bild. Durch den Rauch sind in den Wagons einzelne Soldaten (hist.) zu erkennen. Weitere Nahe von Bajonetten, Schüssen......dann plötzlich Ruhe Ein alter Webstuhl in einer kleinen Hütte (Webermuseum). Einige armselige Dinge liegen herum, als ob die Besitzer nur kurz rausgegangen wären. Ein halbfertige, verstaubte Stoffbahn auf dem Webstuhl. An der Wand hängt ein kleines Kreuz. Auf dem rauhen Bretterboden der Hütte liegen düstere schwarz/weiß Radierungen. Hunger, Not, Tod. |
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00:50 / 22:05 |
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1848 ist das Jahr der europäischen Bürgerrevolutionen. Geburtsstunde auch der Sozialdemokratischen Parteien. Revoltierende Gruppen aus Bürgern und Arbeitern setzen Schlösser in Brand, türmen Barrikaden auf den Straßen. Oft waren Hungeraufstände die Auslöser, doch getragen wurde die Revolution weitgehend vom Bürgerstand, der nach wirtschaftlicher Freiheit und Mitsprache verlangte. |
gellender Eisenbahnpfiff, Die Lok überfährt den Zuschauer. Gewehrfeuer, Detona-tionen, Krawalle in Europa. Schnellgeschnittene Details aus Bildern (Stiche und Gemälde). Reale Stadtansichten von Paris, Berlin, Frankfurt, Wien - verbunden durch Details der Lokomotivfahrt. Mehrfachbelichtungen mit vorwärtsmarschierenden Bürgern und Arbeitern im Pulverrauch.(von li. nach re.) |
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"Artikel V, § 144: Jeder Deutsche hat volle Glaubens- und Gewissensfrei-heit. § 147...keine Religionsgesellschaft genießt vor anderen Vorrechte durch den Staat; es besteht fernerhin keine Staatskirche." Die Idee der religiösen Toleranz, eingeführt durch die Aufklärung und beschleunigt durch die Mobilität der Bevölkerung ist kennzeichnend für das Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. Die Gewährung der Glaubensfrei-heit in fast allen europ. Ländern ist eine der positivsten Errungenschaften dieses Jahrhunderts. |
Kurze Ruhepause: Die Paulskirche in Frankfurt. Innen. Ein weiter Raum, leere Stuhlreihen. eine hallige Proklamation |
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(8. Restauration)
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Doch endet die europ. Revolution von 1848 trotz der Anfangserfolge im Fiasko. Chaos stärkt den Ruf nach Ordnung, schürt die Angst vor revolu-tionären Entgleisungen. Das Militär macht den Traum von Einheit und Freiheit schließlich zunichte. Zug um Zug holen sich die alten Machthaber ihre Macht zurück, Zug um Zug erstarkt die Reaktion. Liberalismus wird zum Konservatismus. |
Militärstiefel, Gleichschritt, aufgepflanzte Bajonette, Kanonendonner. An der Brust eines Soldaten baumelt ein Kreuz.(Marschieren von re. nach li.) Karikatur: "Sägen am Baum der Freiheit" (auch die Kirche sägt mit!) |
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Die Bürger kümmern sich bald wieder um ihre Geschäfte, soziale Reformen blieben auf der Strecke. Die Fürsten erkennen, daß wirtschaftliche Freiheit für den Mittelstand das Interesse an der Politik doch erheblich dämpft. Die Arbeiter bleiben die großen Verlierer und die Kirche ist wieder bei den Mächtigen. |
Ineinanderblenden von drei Karikaturen "Der deutsche Michel" (revolutionär, müde, eingeschlafen) |
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Preußen wächst zur Industrienation und Weltmacht. Die evangelische Kirche wird mehr und mehr Staatskirche und sanktioniert die politischen Beschlüsse "von Gottes Gnaden". Sie segnet die Soldaten in den Kriegen Ihres Königs und billigt das Verbot der atheistischen sozialistischen Partei. Der Kaiser spendet ihr -und sich selbst - für diese gute Zusammenarbeit später die Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche. "Als die deutschen Fürsten 1849 das Volk verrieten und die Patrioten mor-deten, wäre es die Pflicht der christlichen Kirchen gewesen, gegen diese Treuebrüche und diese Grausamkeiten zu protestieren im Namen der Religion. Allein hier zeigte sich klar, daß weder die katholische noch die protestantische Kirche die Vertreter des Volkes und der öffentlichen Sitt-lichkeit, sondern die Feinde beider und die Instrumente der Fürsten waren. Beide verrieten sie die Religion und halfen, die Freiheit Deutschlands zu unterdrücken..." Diese harten Worte des Priesters Johannes Ronge aus dem Exil ändern indes nichts, denn längst bestimmt ein neuer Gott die Geschicke der Welt |
Rüstungsindustrie. Schwerindustrie. Alte Bilder, Fotos. Schiffswerften, Kriegsschiffe. An die Tür einer Gaststätte mit dem Schriftzug "Vereinslokal" nagelt ein (zeitgenös-sischer) Polizist eine Bekanntmachung. Die erste, fettgedruckte Zeile ist zu lesen: "Verbot". (s/w, den alten Fotos angeglichen). Die Kaiser-Wilhelm Gedächtnis Kirche in Berlin. Die isolierte Marmorfigur des Christus. Das Mosaik der kaiserlichen Spenderfamilie (sehr kitschig). Das historische Foto (erste Nachtaufnahme!) des Brandenburger Tores nach dem Sieg über Frankreich. Plakat: "Welch Wendung durch Gottes Führung. Sedan". |
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"Schon vor der Tür seines Kabinetts ergreift viele ein Schauer der Ehrfurcht. Soeben trägt ein galonierter Bedienter sein Nachtgeschirr über den Korridor und ein Börsenspekulant zieht in demselben Augenblick ehrfurchtsvoll seinen Hut vor dem mächtigen Topfe....wir sehen hier, wie klein der Mensch und wie groß Gott ist! Denn das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet." Heinrich Heine beschreibt einen Besuch bei James Rothschild in Paris. Der Aufstieg der Rothschilds aus dem Frankfurter Ghetto zur mächtigsten und reichsten Bankerfamilie Europas steht für das maßlose Profit- und Wachs-tumsstreben, daß sich bis in unsere Tage erhalten hat. |
Ein reichverzierter Empfangsraum. Einige Wartende (hist. Kostüme) vor einer schwe-ren Türe. Ein Diener in Uniform trägt einen wertvollen, Nachttopf wie eine Monstranz heraus. Ein Wartender weicht ehrfurchtsvoll zurück, zieht den Hut. (Orginalschauplatz: Palast des napoleonischen Polizeiministers Fouché, den sich Rothschild kurzerhand gekauft hat) Nahe von Geldmünzen-Zählmaschinen. Überblendungen: Bilder von glitzernden Großbanken aus Frankfurt. Finanzadel. Gregorianische Gesänge beginnen in die nächsten Bilder überzuleiten. |
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Auch die kath. Kirche bietet keine Alternative zur gesellschaftlichen Entwick-lung. Mit Schützenhilfe der Romantiker entflieht sie der Realität in das Ideal-bild des geordneten Mittelalters. Mystisches Erschauern und tiefempfun-dene Frömmigkeit beginnen die Gegenpole zur berechnenden Ratio zu werden. Der Kölner Dom wird im gotischen Stil zu Ende gebaut, als Beschwörung der "guten, alten Zeit". Überall entstehen monströse neugotische Kirchen. |
Gregorianische Gesänge Bild: Klosterfriedhof im Schnee (C.D. Friedrich) oder Bild: Dom über einer Stadt (K.F. Schinkel) (oder Bild: Kloster Burgeis in Tirol ( K.E. Biermann). Bilder der Nazzarener. Der Kölner Dom. Von Außen erfolgt die Annäherung nach Innen. Spitzbögen, fromme Gesichter aus Stein, (evtl. Bild: Johann v. Leiden tauft ein Mädchen, J.C. Baehr), Reliquien. |
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Doch die Kirche hat große Teile ihrer Anhänger verloren. Die Bahnhöfe sind die neuen Kathedralen. In Ihnen wird der Zeit und dem Geld gedient. Sie jagen dem Menschen Schauer der Ehrfurcht über den Rücken. Der Glaube an Technik und Wissenschaft hat das christliche Monopol der Weltdeutung gestürzt. "Unsere Maschinen verrichten feurigen Atems, mit stählernen, unermüdlichen Gliedern...von selbst ihre heilige Arbeit....die Maschine ist der Erlöser der Menschheit ist, der Gott, der den Menschen von der Lohnarbeit loskaufen wird". |
Das gigantische, leere Kirchenschiff (Köln). Unmerklich mischen sich Bilder der großen Bahnhöfe (z.B. Leipzig,) aus dem letzten Jahrhundert unter die Bilder aus dem Dom. Gußeiserne Rosetten, riesige Hallen auf schmalen Säulen, Eiserne Gewölbe, Bahnhofsuhren. (Gesänge bleiben, vermischt mit Eisenbahngeräuschen). Aus dickem, weißen Dampf taucht mythologisch eine Lok auf (real (Trick) oder evtl. auch Bild: Borsigs Maschinenfabrik (Wie aus den heiligen Nebeln von Avalon kommt eine schwarze Eisenbahn aus der Fertigungshalle, gezogen von 6 weißen Pferden!) |
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Die Botschaft der Aufklärung von der Erkenntnisfähigkeit des Menschen führt zu einer Flut von wissenschaftlichen und technischen Erfindungen und Entdeckungen. Die wissenschaftliche Erkenntnismethode macht auch vor Untersuchungen der Bibel nicht halt. Das Leben Jesu wird wissenschaftlich-archeologisch betrachtet und als Mythos klassifiziert. |
Das Förderband einer modernen Zeitungsdruckmaschine. Schnell schießen die Blätter vorbei, werden gestapelt und gebündelt. Schlagzeilen fliegen vorbei: "Ein Arzt kämpft gegen das Kindbettfieber", "Erste Luftaufnahmen von Paris", "Nobel erfindet Dynamit", "Unterseekabel unter dem Atlantik" - dazwischen, in Überblendungen und Doppelbelichtungen die vorwärtsrasende Dampflok. "Missionar Livingstone in Zentralafrika verschollen." "Die Bessemer Birne garantiert reinen Stahl" "Das Leben Christi - ein Mythos?" |
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Im Jahre 1869 ist Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler, Bischof von Mainz, auf dem Weg nach Rom zum ersten Vatikanischen Konzil. Ketteler, ein ehemaliger preußischer Staatsbeamter, wurde nach seinem Theologie-studium und seiner Zeit als Landpfarrer 1848 als christlicher Abgeordneter in die Paulskirche gewählt. Durch mutige Predigten frühzeitig bekannt geworden, sollte er der einzige Kirchenmann werden, der zur sozialen Frage entschieden Stellung bezieht. "Wer die soziale Frage nicht begreift, dem ist Gegenwart und Zukunft ein Rätsel", predigte er bereits 1848. |
Die Zeitung mit der letzten Schlagzeile wird unwillig umgeblättert. Im Abteil eines alten Zuges sitzt ein Geistlicher (Bischof). Er liest weiter : "Jetzt 650.000 Menschen in Berlin. Die Armut steigt, bereits 50.000 Almosenempfänger". |
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Ketteler liest Marx, korrespondiert mit Lassalle. Er fordert als einziger die gesellschaftspolitische Einmischung der Kirche. Gewerkschaften mit Streik-recht, Profitbeteiligung der Arbeiter und Genossenschaften sind seine Visio-nen. Natürlich sieht er die Chance nicht in einer gewalt-samen Revolution, sondern im Evangelium. Er möchte die Ordnung nicht von unten stürzen, sondern von oben reformieren. Auch Ketteler steht offen zu Eigentumsrecht und Staatsgewalt. |
Er holt Briefe und Manuskripte (auf einem Deckblatt ist "Karl Marx" zu lesen) aus seiner Reisetasche und beginnt zu lesen. Draußen ziehen ital. Industrielandschaften vorbei (Poebene). Der Mann sieht aus dem Fenster. |
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"Ein Rothschild, der seinen Kindern 1700 Mio Franken hinterläßt, ist so recht ein Produkt unserer volkswirtschaftlichen Richtung. Der Menschenverband ist zerstört, und an dessen Stelle tritt der Geldverband in furchtbarster Aus-dehnung. daraus entstehen nun überall, wo sich die Verhältnisse schran-kenlos entwickeln können, für die Arbeiter die fürchterlichsten Zustände." Ketteler registriert mit Schrecken die wachsende Ablehnung der Arbeiter gegenüber der Kirche. Er sieht die unverzeihlichen Unterlassungen und hofft nun beim 1. vatikanischen Konzil eine offizielle Stellungnahme der Kirche zur sozialen Frage zu erreichen. |
Der Mann schreibt er eigene Gedanken nieder (anderer Sprecher). Der schwarze Rauch der Lok zieht eine lange Spur im Himmel. |
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Der Papst aber hat sich bislang als reaktionärste Kraft Europas dieser Frage völlig verschlossen. Die moderne Welt mit ihren neuen Fragestellungen drang noch nicht bis Rom. Im Kirchenstaat war lange Zeit sogar der Bau der Eisenbahnlinien und die Einführung von Gaslaternenbeleuchtung unter-sagt. |
Plötzlich ein Ruck, scharfes Bremsen. Das Tintenfaß auf dem kleinen Klapptischchen kippt um, Tinte läuft über die Aufzeichnungen. Der Zug steht. Die Gleise enden. |
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(9. Das Konzil)
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Mit der Wahl von Pius IX verband man große Hoffnungen. Er galt als fort-schrittlicher Mann. Doch die blutigen Wirren der italienischen Revolution von 1848 machten aus dem Papst einen entschlossenen Kämpfer gegen Modernismus und Liberalismus. Sein geschickter Stufenplan zur Eindämmung der liberal- reformistischen Ansätze findet den bisherigen Höhepunkt 1864. Im sog. "Syllabus" ließ der Papst die 80 vermeintlich größten Irrtümer seiner Zeit verdammen. Er äußert sich gegen die Freiheit der Religionswahl, die Gleichwertigkeit der Kirchen, die Trennung von Staat und Kirche, gegen den Verzicht der Kirche auf weltliche Macht, und gegen jeden Dialog mit Liberalismus und moderner Kultur. Diese Liste war Roms Antwort auf die Fragen der Zeit. |
Rom. Einführende Stadtansichten. Vatikan. Bischof Ketteler eilt durch die Säulengänge auf dem Petersplatz (seitliche Mitfahrt). Eine alte Abschrift des Syllabus aus den Vatikanischen Archiven fährt in Doppelbelichtung durchs Bild. Ketteler strebt dem Petersdom zu. Steinerne Macht und Gigantomanie. |
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Am. 8.Dez. 1869 beginnt nun das Erste Vatikanische Konzil, zu dem auch Ketteler geladen ist. Die schwierige Lage der kath. Landeskirchen im Europa der Nationalstaaten führte in den vorangegangenen Jahrzehnten zu einem deutlichen Machtzuwachs des Papstes. Das Vaticanum soll ihm nun sein größtes Machtmittel liefern. Nach der feierlichen Eröffnung wird den 800 Teilnehmern ein bislang geheimgehaltenes Dokument zur Abstim-mung vorgelegt: Das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Unerwartet massiver Protest entbrennt. Auch der ursprünglich papsttreue Bischof Ketteler wendet sich zur allgemeinen Überraschung der Opposition zu. Die Lager spalten sich. Die narzistische Natur des 78-jährigen Papstes läßt indes keinen Widerspruch gelten. |
Historische Fotos von der Konzilseröffnung, außen (Kutschen auf dem Petersplatz). Der Papst. Alte Stiche, Gemälde. Innenansichten des Petersdoms. Konzilseröffnung. Der Schnittrhythmus wird schnel-ler. Mit Detailaufnahmen der Bilder wird versucht - wie im Comicstrip- die Geschichte einer heftigen Diskussion zu erzählen (Bilder aus dem Buch: Le concile oecuméni-que de 1869-1870 illustré) im Ton: unverständliche lateinische Diskussionen, teil-weise sehr heftig. |
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Mit allen Mitteln versucht er die Gegenbewegung zu stoppen. Die päpstl. Geheim-polizei bespitzelt Bischöfe, durchsucht Zimmer. Briefe werden beschlagnahmt oder zensiert. Es ist den Bischöfen bei Androhung einer Todsünde verboten von den Konzilssitzungen zu berichten. Über die Landesvertretungen in Rom werden dennoch Berichte ausgeschmuggelt. |
Ein Schatten eilt eine Treppe hinauf. Eine Hand drückt eine Klinke herunter, durch-sucht eine Schublade, blättert in Briefen. |
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Der Münchner Stiftspropst (der Theatinerkirche) und Universitätsprofessor Ignaz von Döllinger sammelt die Berichte und schreibt scharfe Glossen über das "Räuberkonzil". Ein Medienkampf zwischen der papstnahen Jesuiten-zeitschrift "Civiltá Cattolica" in Rom und der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" entbrennt. |
Theatinerkirche und Frauentürme in München. Ein Mann öffnet Briefe und Depesch-en, wütend knüllt er einen zusammen, wirf ihn weg. In Doppelbelichtung Titelseiten der "Augsburger Allgemeinen" und der "Civiltá Cattolica". |
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00:30 / 34:35 |
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Indes nährt sich in Rom das unwürdige Schauspiel seinem Höhepunkt. Der Papst beschimpft Oppostionelle als Esel, Verräter und Sektierer. In Privat-audienzen versucht er sie mit rüden Mitteln zum Wiederruf zu zwingen. Die Bischöfe der Opposition, die in Rom immerhin die Hälfte der kath. Christen-heit vertreten, werden immer verzweifelter. Ketteler spürt die Gefahr eines Schismas. |
Ein päpstlicher Bediensteter eilt mit einer Ausgabe der "Augsburger Allgemeinen" durch eine prunkvolle, Tür im Vatikan. Langsame Zufahrt auf die geschlossene Tür. Im Ton:"Veräter und Sektierer ! Die deutschen Bischöfe, daß sind die schlimmsten!" (in Italienisch mit dt. Untertiteln) Nahe: Ein Patriarch liegt am Boden (Patriarch Gregorio Jussuf) er küsst einen Fuß (Anm.: den des Papstes) Der Fuß wird grob auf seinen Kopf gestellt, Verzweiflung im Gesicht (Papst ist nicht zu sehen!) Ton aus dem Off: "Gregorio, testa dura" ("Gregorio, harter Kopf " ("Du Dickschädel")) |
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00:40 / 35:15 |
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3 Tage vor der Endabstimmung wirft sich der Bischof von Mainz dem Papst zu Füßen: "Guter Vater, retten Sie die Kirche Gottes". Der Papst bleibt hart. Enttäuscht und gedemütigt verlassen 250 Teilnehmer das Konzil, um keine Kirchenspaltung bei der Abstimmung zu riskieren. Am 18.Juli 1870 wird das Dogma angenommen, begleitet von einem feier-lichen "Te Deum" - und von einem fürchterlichen Gewitter, das Anwesende wahlweise als "Protest des Himmels" oder "Toben der Hölle" beschreiben. |
Der Thron Petri von Bernini im Petersdom- untersichtig, mächtig. Nah: Bischof Ketteler liegt vor ihm auf dem Boden. Die Kamera fährt langsam in die Höhe, bis hinauf in die gewaltige Kuppel. Ketteler ist allein im gewaltigen Kirchen-schiff. Er steht auf und geht. Das riesige, leere Kirchenschiff steht allein. Draußen tobt ein Gewitter, Blitze erhellen den weiten Raum. Der Donner wetteifert mit einem feier-lichen "Te Deum". Kanonen mischen sich dazu. |
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00:35 / 35:50 |
(10. Der Kulturkampf)
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Nach Verkünden der päpstl. Unfehlbarkeit eines ex cathedra Spruches und der Festschreibung des Alleinvertretungsanspruches der kath. Kirche unterbricht der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges und die Besetzung des Kirchenstaates durch italienische Truppen das Konzil. Garibaldis nationale Bewegung beendet die 1000-jährigen Geschichte der Kirche als Herrscherin über ausgedehnte Ländereien und reiche Städte. Dem Papst bleibt jetzt nur noch der Vatikan. |
Nahe: Mündungsrohr einer Kanone, eine brennende Lunte, der Schuß. Die roten Hemden der Garibaldisten. Eine weiße Fahne auf der Kuppel von St. Peter. |
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Das Konzil führt zu einem tiefen Riß in der katholischen Kirche und zur Abspaltung der Altkatholiken. Ketteler und viele andere Bischöfe sind maßlos enttäuscht, nehmen die Beschlüsse aber um des Friedens Willen an. Ignaz von Döllinger bleibt hart. Er sammelt Unterschriften gegen die Anerkennung des Konzils. Der Vatikan verbietet das Studium bei ihm, schließlich wird er exkommuniziert. Bis zu seinem Tod widerruft er nicht und bleibt seinem Entschluß treu. |
Fahrt durch das Kirchenschiff der Theatinerkirche Richtung Eingang. Ganz hinten, fast versteckt hinter einer Säule steht Döllinger, eine Ausgabe der "Civiltá Cattolica" unter dem Arm. Trotz des halbdunkelen Raums ist seine aufrechte, asketische Gestalt mit der scharfen Nase (Volker Prechtl?) gut zu erkennen. |
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Kein Wort des Konzil spricht von der Situation der Arbeiter. Kein Zeichen aus Rom, kein Trost. Das politische Tagesgeschäft um den Machterhalt beginnt wieder. Im evangelischen Preußen beginnt unter Bismark der Kulturkampf, ein Versuch den Einfluß des Papstes und der Zentrumspartei auf die katholische Bevölkerung zu unterbinden. Wie in einem großen Schachspiel wird Zug um Zug gekämpft. Verbot der Kanzelpredigt als politisches Mittel, Verbot der Jesuiten, Ein-führung der Zivilehe. Es wird um die Einsetzung von Würdenträgern gerungen, Geistliche werden verhaftet. |
Eine lange Reihe von Bauern. Die plötzliche Eröffnung erfolgt mit einem forsch gesetzten Pferd: Schachfiguren nah. Angriff des Läufers. Zug um Zug werden Figuren gesetzt, manche fallen, werden aus dem Spiel genommen. (dynamische, teils sehr nahe und bewegte Aufnahmen mit einer Fingerkamera) Die Spieler sind nicht zu sehen. Nur ab und zu baumelt ein Kreuz an einer Kette ins Bild, ist der Anschnitt eines Ordens zu sehen. Später wird die berühmte Karikatur eingeblendet, die Bismark und den Papst beim Schachspiel zeigen. |
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00:50 / 38:00 |
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Die Präsenz der Kirche im täglichen Leben wird in allen Bereichen zurück-gedrängt. Schließlich wird ihr auch das Aufsichtsrecht über die Schulbil-dung entzogen. Bislang prägen autoritäre Erziehung im Zeichen des Kreuzes das Bild der Schulen. Von Überlegungen zu einer kindgerechten Pädagogik ist man weit entfernt. Ein Landgeistlicher schreibt: "Kinder, die einmal durch schwere körperliche Arbeit ihr Brot verdienen müssen sollen nicht mit Dingen geplagt werden, von denen sie keinen praktischen Gebrauch machen können. Desto mehr ist darauf zu achten, daß sie in der biblischen Geschichte tüchtig Bescheid wissen." |
Eine leere, alte Dorfschule, langsame Fahrt an den Tischen und Bänken vorbei. Ein Kreuz hängt an der Wand. Die Fahrt endet auf einem Tafelbild zur biblischen Schöpfungsgeschichte. Adam und Eva. Die Schlange. |
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Aber die Kirche kommt in allen Bereichen in Erklärungsnöte. Am meisten wohl durch die revolutionäre Evolutionstherorie von Charles Darwin die Viele in ein geistiges Vakuum stürzt. Was soll man nun überhaupt noch glauben? |
Die Tafel wird zugeklappt und eine Karikatur zu Darwins Evolutionstheorie wird sicht-bar. Der Mensch als Affe. Draußen pfeifft ein Zug. |
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01:10 / 39:10 |
(11. Die Wallfahrt)
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Als Gegenbewegung zur wissenschaftlichen Analytik und zur Repression Bismarcks wuchs der irrationale, mystische Glaube. Wunder und Marien-verehrung wurden gezielt durch den Papst gefördert. Pilgerströme ziehen zu den alten und neuen Wallfahrtsorten. Ein Zeitzeuge: "Der religiöse Großstadtbewohner scheint eine Art geistiger Frischluft zu brauchen: er muß wieder trinken vom klaren, unverschmutzten Wasser des Lebens und auf ein Schweigen hören, das nicht durch das Rattern der Maschinen gebrochen wird." |
Wieder schneidet ein Zug durchs Bild. Diesmal ist es ein moderner Schnellzug. Ein Pilgersonderzug auf dem Weg nach Lourdes. Bestickte Fahnen in den Abteilen. Menschen lesen in Bibeln und Gebetsbüchern unter ihnen auch Soldaten in Ausgehuniformen. Der Zug erreicht Lourdes. |
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00:45 / 39:55 |
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Am 11.Feb. 1848 gegen 14.00 sammelt die 14 jährige Schafhirtin Berna-dette Soubirous am Ufer des Gave mit ihrer Schwester und einer Freundin trockenes Holz. Plötzlich bemerkt sie ein Windrauschen, obwohl sich in den Bäumen kein Blatt bewegt. Bernadette sieht sich um und erblickt in der Grotte von Massabielle eine wunderschöne weißgekleidete Frau. Die anderen Kinder bemerken nichts. "Que soy era Immaculada Conncepcion" (Ich bin die unbefleckte Empfän-gnis) wird ihr die Erscheinung später sagen, im landestypischen Dialekt. Bernadette wird zur Volksikone. Einfachheit und Frömmigkeit werden religiöse Ideale. Wunderglaube und mystische Versenkung bestimmen die Wallfahrt. |
Traumartige Sequenz. (s/w, grob-körnig) Orginalschauplatz. Drei Mädchen sammeln Holz. Ein Mädchen hebt den Kopf, lauscht (Windschauschen). Nahe von Blättern die sich nicht bewegen. Das Mädchen sieht sich um, erstarrt, fällt auf die Knie und betet einen Rosenkranz. (Wir sehen nicht, was sie sieht). Schnitt auf die Marienstatue in der Grotte heute.(Farbe). Tausende von Pilgern. Betende, Hoffende. Das erste Foto einer Heiligen: Bernadette Soubirous. In den verschiedenen Tauchbecken baden Krankeund Behinderte. Krücken und Votivtafeln von Heilungen an den Wänden. |
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Im Ärztebüro von Lourdes werden viele tausend Heilung gemeldet. Nur 65 davon schaffen den strengen Weg durch die Instanzen bis zur offiziellen kirchlich-kanonischen Anerkennung als Wunder. |
Das Ärztebüro in Lourdes. Untersuchungen, Wartende. |
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Hier wurde am 17.Nov. 1964 Delizia Cirolli geboren. Die fröhliche Kindheit Delizias war vorbei, als Ärzte 1976 einen bösartigen Knochentumor im rechten Knie feststellten. Alle Theraphieversuche waren erfolglos und bald gaben die Ärzte dem 12-jährigen Mädchen nur noch ein halbes Jahr zu leben. Die Ortsgemeinde von Paternò sammelte Geld für eine Wallfahrt nach Lourdes. Doch auch die Bäder in der heiligen Quelle zeigten erst keine Wirkung. Die Mutter nähte bereits an ihrem Totenhemd aber die ganze Gemeinde betete und hoffte weiter mit Delizia. Tatsächlich ging das Geschwulst in den Weihnachtstagen 1976 aus unerklärlichen Gründen zurück. Nach dreijähriger Prüfung gibt das Ärztebüro den Fall weiter an das internationale Ärztekomitee nach Paris. Dessen Bericht endet mit dem Satz "...Das Phänomen widerspricht im strengsten Sinne jeder ärztlichen Beobachtung und Vorhersage, und bleibt darüberhinaus unerklärlich." Im Juni 1989 bestätigt Erzbischof Bomnarita von der Diozöse Catania den Wundercharakter im kanonischen Sinn. |
Ein kleines sizilianisches Bergdorf. Paternò bei Catania. Kinder spielen in den Gassen. Das Geburtshaus von Delizias Cirolli. Bilder vom Dorf, wenig hat sich geändert. Männer vor der Kneipe.Eine Frau stickt vor der Türe. Delizia erzählt uns ihre Geschichte. Schwarz gekleidete Frauen beten in der Dorfkirche. Details aus der Dorfkirche. Eine Madonnenstatue. Kerzen. Weihrauch. |
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01:20 / 42:25 |
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Über Romantik, Mystik und Volksfrömmigkeit hat es die katholische Kirche im 19.Jh geschafft einen Platz in der bürgerlichen Gesellschaft zu bewahren. |
Tausende von Kerzen in Lourdes. Die feierliche Abendprozession um 20.30 Uhr. Der Pilgerstrom windet sich zur Grotte, das Lourdes Lied "Ave Maria" erschallt. ("Gefühlskino"). |
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00:25 / 42:50 |
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Die Klasse der Arbeiter hat sie jedoch verloren. Weder die Kath. noch die evang. Kirche war Willens und in der Lage der Verelendung großer Bevöl-kerungsschichten ein Programm und eine Vision entgegenzusetzen. Zu sehr war sie selbst in die Machterhaltung und Geldanhäufung der kapitalis-tischen "Aufbruchjahre" verstrickt. Heute noch hält der Vatikan Anteile großer Chemie- und Stahlfirmen, die ihren Ursprung im 19. Jh. haben. |
Das Gemälde "Der vierte Stand" (Wie eine Mauer marschieren Arbeiter auf den Betrachter zu). Wie bereits zu Beginn des Filmes wird die Masse der Arbeiter wieder deutlich. Fotos, Gemälde, Filmausschnitte. Dazu Bilder der Finanz- und Industriewelt. Banken, Großkonzerne (BASF, Rheinische Stahlwerke, Bayer, etc.) Evtl. Flugaufnahmen. |
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Erst 1891, mehr als 100 Jahre nach Beginn der industriellen Revolution und fast 50 Jahre nach dem "kommunistischen Manifest" nimmt ein Papst Stel-lung zur sozialen Frage. In seiner berühmten Sozialenzyklica "rerum nova-rum" verurteilt Leo XIII die Geldgier, fordert Besserung für die Arbeiter. Doch letztlich beruft auch er sich auf die natürliche Ordnung der Dinge: "Vor allem ist von der einmal gegebenen unveränderlichen Ordnung der Dinge auszugehen, wonach in der bürgerlichen Gesellschaft eine Gleich-machung von hoch und niedrig, von arm und reich schlechthin nicht mög-lich ist. Es mögen Sozialisten solche Träume zu verwirklichen suchen, aber man kämpft umsonst gegen die Naturordnung an." |
Das große, steinerne Standbild im Lateran in Rom. Ein Arbeiter mit Hammer und Zahnkränzen hält ein Kreuz hoch. Es ertönen Hammerschläge. Überblendungen: Details aus der Eröffnungsszene des Film nochmals eingeschnit-ten: Arbeiter schmieden ein rotglühendes Kreuz. |
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00:50 / 44:15 |
(12. Überleitung)
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Der Zug ist abgefahren, die Kirche hat die Arbeiterschaft verloren. Unge-achtet der Religionsfreiheit und der Toleranz hat sich längst auch ein Sün-denbock etabliert, mit dem auch die Kirche gerne von eigenem Versagen ablenkt. Aus der Vatikan-nahen Zeitschrift "Civiltà Cattolica" 1890: "Die Juden haben sich zu den Herren des Kapitals gemacht. In jeder Nation bleiben sie Ausländer und, was schlimmer ist, Feinde der Völker, in deren Mitte sie wohnen. Nach dem Talmud ist es ihr Ziel sich immer weiter zu bereichern und die Christen arm zu machen. Der Talmud heiligt die Anwen-dung aller, auch der verbrecherischsten Mittel; er schreibt ihnen vor die Christen grausam zu hassen. |
Ein kleiner Verladebahnhof. Gras wächst zwischen den Gleisen. Alte Güterwaggons warten auf ihren Einsatz. Brutal fällt die schwere Schiebetür ins Schoß, dreht sich ein Schlüssel von außen. Es wird dunkel. Langsam fährt der Zug an. Durch kleine Schlitze sieht man die Gleise vorbeiziehen. |
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Bald wird die Kirche vor einer neuen Herausforderung stehen. |
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