Planungshilfe (100 S., zu beziehen ab Mitte Oktober 1999)
hier: Auszug aus einer jeweils 5 - 8 S. umfassenden Ausarbeitung der einzelnen Folgen

I. Von Jesus zu Christus - Die Anfänge
(Erstausstrahlung: Sonntag, 7. November 1999, 17.15-18.00 Uhr, ARD)
Ein Wanderprediger namens Jesus verkündet das nahe Gottesreich. Er wird das Opfer eines Justizmordes, aber seine Jünger glauben an ihn als den Messias. Aus dem Judentum entwickelt sich der Keim einer neuen Religion.

1. Drehbuchbezogenen symbol- und mediendidaktische Annäherung

Leitfragen
Welche Bilder, Symbole, szenischen und musikalischen Gestaltungselemente sind ausgewählt? Symbole der Zeit oder unserer Zeit, Klischees? Welche dramaturgische, filmische Gestaltung wird gewählt? Passung zum Inhalt?
· Nach welchen Kriterien wird die Christentumsgeschichte inszeniert? (theologische / filmische?) Welche Bedeutungsebenen verbinden wir mit einzelnen Symbolen und Filmszenen?
Welche Wirkung haben die ausgewählten Symbole auf mich heute?

Botschaft Jesu: zunächst harmonische Naturaufnahmen in Verbindung, Bilder von Menschen und anthropologischer Grundvollzüge im ersten Teil: Ufer, Wind- und Wellengeräusche, Fischer, Gesichter, Hände, Wüstenlandschaft, Fußspuren - jeweils gedeutet durch Schriftzitate, Loggien Jesu: Symbole für Schöpfung und Neuschöpfung, Vollendung und Erfüllung.
Justizmord:
aggressivere Bilder: steiniger Boden, Tischumsturz, Dolch, Höhle, Altstadt, Händewaschung, angstvolle Gesichter, Wolken, Stein vor Grab, Zweig im Wind, Frauen am leeren Grab - Symbole für offene Frage: Vernichtung oder Neubeginn, Tod oder Leben, Ende oder Anfang?
Pfingsten / Urgemeinde: verschlossene Tür (Symbol für Irritation, Angst, Ungewißheit)- Wind durchweht Stadt, diskutierende Menschen in Synagoge, eine Türschwelle die überschritten wird, gebrochenes Brot: Symbole für neue Gewißheit, Mut, neuen Anfang
Juden / Heidenchristen / Paulus: Tempel, Prediger, Steine, Antiochien, Menschenansammlung, Jerusalem, Kreise in Wasser auf römischer Karte, Bild der Bekehrung des Paulus, einzelne Städte und Orte (Tarsus, Neapolis, Taufplatz Gaggitas, Ruinenfeld Philippi), dramatische Reisesituationen, Hände die Briefe schreiben, Sternenzelt, Bildmontage: Menschen aller Zeiten, Kontinente und Rassen - Symbole für die Ausweitung Jesus-Botschaft
Heilige Schrift: Naturbilder - Symbole für die mündliche Tradition; Codices und Papyrusfragmente - Symbole für die schriftliche Tradition.
Quo vadis: Häuser, Katakomben, frühe Kirchen, Circus Maximus, Palast Kaiser Neros, Gefesselte Hände schreiben eine Brief, San Paolo fuori le mura, St. Peter und Petrusgrab, Patmos, Darstellung der Apokalypse, Ruinen Massada, harte Bilder des Röm. Reiches: Machtarchitektur, Waffen, Gesichter - Symbole und Bilder des Frühchristentums zwischen Verfolgung und Verkündigung - die Großeinblendung der Gesichter zum Abschluß knüpft an den Anfang (anthropologische Bezüge) an, gedeutet durch 1 Kor 15.
Insgesamt: viele gegenläufige, in Spannung zueinander stehende Symbole sprechen zahlreiche inhaltliche Spannungsverhältnisse an: Historisierung einerseits und Entgeschichtlichung andererseits; anthropologischer Bezug und Gegenstandsbezug; historische Botschaft und Deutung; Inhalt und Relevanz der Botschaft lösen sie das Thema von einer bloß historisierenden Betrachtungsweise und sprechen direkt an. (...)

2. Thematische Annäherung
Leitfragen
Welche Themen des Zeitalters kommen vor, welche nicht? Warum nicht?
Welche Themen sind für ihre Zeit, welche davon auch für unsere Zeit von Interesse?
Was spricht die Thematik dieses Zeitalters heute in uns an?

Leben und Wirken Jesu
Die außerchristlichen Quellen (Josephus Ant 20, 200, u.a.) sichern lediglich die Tatsache, dass Jesus zur Zeit des Pontius Pilatus gelebt hat und hingerichtet worden ist. Wenn man das Zeugnis der Evangelien ihrerseits mittels historischer Kritik bearbeitet hinzunimmt, läßt sich sagen, dass Jesus in Bethlehem (Mt 2, 1.5f) wohl unter Herodes dem Großen geboren wurde (der bis 4 v. Chr. regierte). Er kam aus Nazareth in Galiläa (Mk 6, 1-6), d.h. ist Nachkomme Davids (vgl. Röm 1, 3f). Bei seinem Auftreten dürfte er etwa 30 Jahre alt gewesen sein (vgl Lk 3,23); der Zeitraum seines Wirkens liegt zwischen den Jahren 28 und 30. Jesus läßt sich keiner bekannten jüdischen Gruppierung einordnen. Von den Pharisäern trennt ihn die Auffassung vom Gesetz und seine Hinwendung zu den Zöllnern und Sündern. Von den Saduzzäern unterscheidet sich Jesus vor allem durch sein festhalten an der Auferstehungshoffnung, ganz zu schweigen von seiner Distanziertheit gegenüber der politisch-religiösen Oberschicht. Von den Zeloten unterscheidet ihn seine streng eschatologische Auffassung des Gottesreiches und seine Aufforderung zur Feindesliebe. Von den Essenern (Qumran-Gemeinde) trennt Jesus vor allem seine Ablehnung eines klösterlich-geschlossenen Zirkels. (...)

Weitere Kurzartikel zu den Stichwörtern "Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft", "Das Selbstverständnis Jesu", "Passion Jesu", "Auferweckung", "Urgemeinde" und Paulus"

3. Lokaler Bezug (mit Veranstaltungsideen, -formen)
Vorbereitungsfragen:
Welche der angesprochenen Themen haben einen direkten regionalen Bezug?
Welche lokalen Orte / Gegenstände können als Zeitzeugnisse dieser Zeit angesehen werden? Welche Orte / Gegenstände können in die Veranstaltungsplanung einbezogen werden?

Bibellesungen; Bibel-Teilen, Schriftmeditationen;
ggf. Vorstellen verschiedener Ausgaben, Codices, Lesungen, Bibelkreise, Bibliodrama Besuch eines NT-Lehrstuhles etc.,
Ausstellung moderner Jesus-Literatur, Lesungen Reflexion des christlich-jüdischen Verhältnisses; Besuch einer jüdischen Synagoge
Erarbeitung der liturgischen Grundlagen aus jüdischen Vorlagen Existieren in der Nähe Forschungsstätten oder leben in der Nähe kundige Fachleute? Welche Zeitzeugnisse sind fußläufig erreichbar? (...)

4. Theologische Annäherung / Gegenwartsbezug
Leitfragen
Wie nah ist mir die Zeitepoche / die Botschaft aus heutiger Sicht?
Wie ist der "Kern" des Christentums in der gezeigten Epoche relevant geworden bzw. wie beurteile ich diese Epoche im Verhältnis zu ihren Ursprüngen? Wie verhält sich der historische Jesus zum Christus des Glaubens?
Was ist der 'Kern' der Jesus-Botschaft aus Sicht des Films - aus Sicht der Theologie - aus meiner Sicht? Was heißt Mission und Evangelisierung damals, was heute? Wie ist die Loslösung vom Judentum zu sehen? Wie die Missionierung des Heidentums?
Welche aktuellen Fragestellungen werden berührt, wo historisch, wo aktueller Bezug? Wie lebe ich die Jesus-Botschaft? Hat sich die christliche Botschaft verändert? Wie würde Christus uns heute ansprechen? Welche Botschaft würde er uns heute verkünden? Was heißt Christsein in der jetzigen Situation? Wie erinnern die Kirchen die Dynamik und Botschaft des Anfangs? (...)

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